Irdischer und himmlischer Wein


Joh 2, 1-10 berichtet von der Hochzeit zu Kana, zu der Jesus eingeladen war. Als der Wein ausging, half er dem Gastgeber aus, indem er Wasser in Wein verwandelte. Ein katholischer Priester legte diese Begebenheit in seiner Predigt so aus, dass Jesus nichts gegen irdische Genüsse habe, ja sie sogar in gewisser Weise unterstütze. Die Auslegung geht wegen ihrer Banalität vollständig am Wesenskern des Wunders vorbei, wie mir jetzt auffällt.

Der von Jesus verwandelte Wein ist besser als der vorher servierte und veranlasst den für die Organisation Verantwortlichen gegenüber dem Bräutigam zu folgender Aussage: „Jeder bringt doch zuerst den guten Wein auf den Tisch, und wenn die Gäste schon reichlich getrunken haben, folgt der schlechtere. Aber du hast den guten Wein bis zuletzt aufgehoben.“ Dies bedeutet für den Bräutigam Christus, dass zur himmlischen Hochzeit mit seiner Kirche zuerst der irdische Wein und dann der himmlische serviert wird. Insofern ist es entgegen der Auslegung des Priesters unklug, sich auf Erden zu berauschen und zu betrunken für den himmlischen Genuss zu sein.