Mein Verhältnis zum Spaß


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Kann man mit einer WC-Schüssel Spaß haben? (Foto: Bernhard Huber)

Wie viele Gesellschaften sind wir eigentlich? Jedenfalls sind wir nicht nur eine, und die Spaßgesellschaft nimmt einen der vorderen Plätze ein. Dem Spaß kommt keiner aus. Ob ein Besäufnis bis in komatöse Sphären oder die dem Erwerb des Lebensunterhalts dienende Arbeit: Alles wird unter Spaß verbucht. Das bedeutet natürlich, dass einer wie ich, dem jegliches Feingefühl dafür fehlt, in Besäufnissen hier und fremdbestimmter Plackerei da irgendetwas Spaßiges zu entdecken, mit dem vernichtenden Verdikt der Spaßbremse belegt wird, mag er auch Humor haben, so viel er will. Weiterlesen

Mein Verhältnis zu Christian Morgenstern


Wenn mich jemand nach meiner Lieblingsfarbe fragen würde, würde ich „gelb“ antworten, damit eine Ruh‘ is. Wenn mich aber jemand nach meinem Lieblingsgedicht fragen würde, wäre das erstens eine Gemeinheit, weil ich solche „Lieblings“-fragen eigentlich überhaupt nicht mag, und zweitens würde mich das in die Verlegenheit bringen, aus dem Werk von Rainer Maria Rilke oder dem von Christian Morgenstern eines auswählen zu müssen, wobei ich von Rilke insbesondere das „Stunden-Buch“ und von Morgenstern die „Galgenlieder“ schätze.

Hier und jetzt gebe ich Christian Morgenstern den Vorzug, weil mir danach ist. Er ist, natürlich neben Rilke, einer der wenigen Lyriker, von denen ich das eine oder andere Gedicht auch auswendig drauf habe. Auch Heinz Erhardt kann ich auswendig, und auch er hat Anspruch auf einen Platz auf der Liste meiner, wenn sie sich schon nicht vermeiden lässt, Lieblingsdichter (wie natürlich auch Robert Gernhardt.)

Im übrigen interessiert mich das Gedicht mehr als sein Dichter. Wenn ich hier also mein Verhältnis zu Morgenstern zu erhellen trachte, ist sein Werk gemeint, dem ich immer wieder mit dem größten geistigen Behagen zuspreche. Mein Sensorium jubelt über Palmström, der „unvermittelt nackt“ beim Anblick seines soeben „entbreiteten“ bebilderten Taschentuchs von Ehrfurcht vor dem Schönen gepackt wird und, sich des Verständnisses Fühlender gewiss, „ungeschneuzt entschreitet“. Ich lasse Goethe und wie sie alle heißen auf meiner nach unten offenen

Das ist zwar kein Bach-, sondern das Isargeriesel, aber ein Wiesel könnte auch hier auf einem Kiesel vor sich hin reimen. (Foto Bernhard Huber)

Das ist zwar kein Bach-, sondern das Isargeriesel, aber ein Wiesel könnte auch hier auf einem Kiesel vor sich hin reimen. (Foto Bernhard Huber)

Lieblingsskala glatt verkümmern, wenn Morgenstern ein „Liebchen“ dem Tapetenmuster an den vier Wänden im Stübchen „per Rösselsprung“ verfolgen, das meint: es anspringen lässt und in Konsequenz dieser Konfrontation von lebendiger mit lebloser Härte verrückt wird. Dito ergeht es mir bei den beiden durch die Nacht wandelnden Trichtern oder diesem ominösen Wiesel auf dem Bachgeriesel oder oder oder. Christian Morgensterns Galgenlieder ermöglichen, voll des Nonsenses, einen derart ungezwungenen Zugang in die Welt des Geistes, dass sich Immanuel Kant posthum eigentlich schämen müsste für seinen quälend-elend langen Blick hinter die Kulissen unserer reinen Vernunft (wiewohl dessen Beitrag zum Humor noch zu entdecken wäre).

Noch etwas? Ach ja, vielleicht der Hinweis, dass mir manche Morgenstern-Gedichte schon auch Kopfschütteln bereiten. Aber die lese ich einfach nicht.

Mein Verhältnis zu Jean Paul


Ein schwerer Brocken: Jean Paul.  (Foto: Bernhard Huber)

Ein schwerer Brocken: Jean Paul. (Foto: Bernhard Huber)

Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon über Jean Paul hergemacht und versucht habe, ihn zu lesen. Notgedrungen habe ich mir dadurch einige Kenntnisse über sein Werk angeeignet, die den Eindruck erwecken könnten, ich hätte Jean Paul tatsächlich gelesen. Habe ich aber nicht. Lesen und lesen sind schließlich zweierlei, und bei Jean Paul vielleicht sogar dreierlei. Weiterlesen