Filmbetrachtung: The Founder


Weil ihm die McDonald-Brüder im Weg stehen, gründet Ray Kroc ohne sie und gegen ihren Willen das nach ihnen benannte Imperium

Die Brüder Mac und Dick McDonald betreiben in San Bernardino einen Schnellimbiss. Aber nicht der Hamburger ist ihr zentrales Angebot, sondern die schnelle und zuverlässige Erledigung der Bestellungen. Verzichtet wird auf alles, was dabei stört, wie Besteck und Servicepersonal. Wie Briefmarken am Postschalter holt man sich seine Wegzehrung – um etwas anderes handelt es sich ja nicht – ohne überflüssige Wartezeiten selber ab.

Ray Kroc, der Milchshakemaschinen mehr schlecht als recht vertreibt, wird auf die Brüder aufmerksam, weil sie gleich acht dieser Geräte bei ihm bestellen. Bei McDonald’s stehen die Leute Schlange für ihr Essen, und zwar gerne. So etwas hat er, der sich als Vertreter regelmäßig an Imbissstationen verköstigt, noch nie gesehen. Freimütig und naiv weihen ihn Mac und Dick in ihre Firmenphilosophie ein, der sie den Namen Speedy-System gegeben haben. Dabei erfährt Ray, dass es zwar Ideen zur Expansion mit den berühmten „goldenen Bögen“ als gestalterisches Element gibt, aber die zaghaften Brüder Qualitätsverluste ihres Angebots befürchten. Markenbewusstsein könnte man das nennen. Genau da will Ray Kroc ansetzen. Er gewinnt die beiden für die Entwicklung von McDonald’s als Franchise-Unternehmen, wofür ihm die Verantwortung übertragen wird. Als er jedoch die Erfahrung macht, dass Mac und Dick jeden seiner Vorschläge zur Steigerung der Effizienz ablehnen, macht er schließlich, Vertrag hin oder her, was er will.

Das Geschäft floriert zwar, aber trotzdem laufen Ray die Kosten davon, so dass ihm die Banken keinen Kredit mehr bewilligen. Da schlägt die Stunde von McDonald‘s, wie wir es heute kennen. Sein späterer Partner, der das Gespräch in der Bank mitbekommt, macht Ray klar, dass es bei McDonald‘s nicht in erster Linie auf das Essen ankommt, sondern auf die Grundstücke. Da gibt kein Halten mehr für ihn. Er gründet eine Immobilienfirma, spezialisiert auf die Verbreitung von McDonald’s-Filialen.

Als ihm die Frau eines Geschäftspartners den Tipp gibt, statt echter Milchshakes billige Instant-Milchshakes zu verkaufen, zieht Ray die Eigentümer endgültig über den Tisch, die sich seiner Skrupellosigkeit nicht erwehren können. Bald sehen sie keine andere Möglichkeit mehr, als ihm ihr Unternehmen zu verkaufen, wobei sie jedoch eines nicht realisieren: Ray kommt es vor allem auf die Namensrechte an, die er sich, ohne etwas dafür zu bezahlen, unmerklich unter den Nagel reißt. Auch privat ist Ray nicht zimperlich. Auf seinem Weg nach oben lässt er sich scheiden, um sich mit der Frau, die ihm das Milchshakepulver empfohlen hat, zu liieren.

„The Founder“ gibt einen Einblick in die Mechanismen zeitgenössischen Unternehmertums, für das Moral und wirtschaftlicher Erfolg ein sich widersprechendes Begriffspaar zu sein scheinen. So hebt sich der beeindruckende wirtschaftliche Erfolg von McDonald‘s ab vor einer Ruine des Ideals vom ehrbaren Kaufmann. Die Nachkommen in der Führungsetage dieses Imperiums sind auch die Nachkommen des Imperators Kroc, und es wird die Zeit kommen, da sie sich der nicht von ihnen verschuldeten Vergangenheit stellen müssen, und vielleicht ist sie schon da. Die Geschichte der Anfänge von McDonald‘s macht deutlich, dass die Grenze zwischen den unbegrenzten und entgrenzten Möglichkeiten Amerikas fließend ist. Im übrigen werfe niemand den ersten Stein, der nicht weiß, wie er sich verhalten würde, wenn er das ganz große Geld wittert.

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