Filmbetrachtung: Hidden Figures


Ziemlich gut, aber irgendwie blass

Die Fiktion im Kino hat Konkurrenz bekommen. Denn immer häufiger sind die Filme „nach einer wahren Begebenheit“ erzählt. Ich erkenne darin nichts anderes als ein Stilmittel, das nur dazu dient, uns Publikum zu suggerieren, das was sich vor uns auf der Leinwand abspielt, wäre nichts anderes als dokumentierte Realität. Trotzdem: Auch solche irgendwie „wahren“ Geschichten müssen gut erzählt sein.

„Hidden Figures“ ist nicht schlecht erzählt, lässt aber Wünsche offen. Einfach ein paar Doku-Schnipsel dazwischen zu schneiden, finde ich hemdsärmelig und fantasielos.

Es geht um drei Menschen, die im Amerika Anfang der 1960er Jahre mit zwei Problemen zu kämpfen haben: Sie sind Frauen und sie sind Schwarze. Immerhin: Sie stehen auf der Gehaltsliste des Forschungszentrums der NASA in Langley. Denn im Kalten Krieg mit der Sowjetunion spielt die Raumfahrttechnologie eine entscheidende Rolle, und die drei sind Meisterinnen ihres Fachs, sei das Mathematik, die Ingenieurskunst oder die noch in den Kinderschuhen steckende Datenverarbeitung.

Doch auch hier gilt zunächst, dass sie sich von den weißen Kollegen tunlichst fern halten. Nur, wo „Colored“ steht, haben sie Zutritt. Sie müssen mit anderen schwarzen Frauen auf engem Raum im Keller arbeiten, wo sie vor allem auf spezielle Aufträge hoffen, für deren Erledigung sie aus dem Loch herausdürfen. Aber die drei beißen sich durch: mit Selbstbewusstsein und Ironie und wenn es sein muss, indem sie Dampf ablassen wie Katherine Johnson. Als sie ihr Chef, nachdem sie vom Regen durchnässt von der Toilette zurückkommt, fragt, warum sie immer so lange weg ist, reißt ihr der Geduldsfaden. Dem verdutzten Chef scheint nicht klar zu sein, dass schwarze Frauen das weitläufige Gelände ablaufen müssen, um zur einzigen für sie bestimmten Toilette zu gelangen.

Am Ende ermöglichen es Katherines Berechnungen, dass mit John Glenn der erste Amerikaner ins All starten – und wieder sicher landen kann. Damit ist es gelungen, den Sowjets, die mit Gagarin schon einen Menschen in den Weltraum geschickt haben, beim Kampf um die Himmelsgestirne endlich – Achtung, albernes Wortspiel! – die Stirn zu bieten. Trotz der Demütigungen nimmt auch die schwarze Bevölkerung voll patriotischem Stolz an den Ereignissen teil.

Der Film wartet mit einigen Szenen auf, die unter die Haut gehen, bleibt aber irgendwie blass. Wenn ich über ihn nachdenke, frage ich mich, was sich die Regie dabei gedacht hat, dass die Schauspieler ihrer Rolle nicht mehr Profil und Identifizierungspotenzial geben durften. Der Erzählung hätte das gewiss nicht geschadet. So wird ein Film, der sehr gut sein könnte, ein nur ziemlich guter, wahr hin oder her.

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