Mein Verhältnis zum Spaß


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Kann man mit einer WC-Schüssel Spaß haben? (Foto: Bernhard Huber)

Wie viele Gesellschaften sind wir eigentlich? Jedenfalls sind wir nicht nur eine, und die Spaßgesellschaft nimmt einen der vorderen Plätze ein. Dem Spaß kommt keiner aus. Ob ein Besäufnis bis in komatöse Sphären oder die dem Erwerb des Lebensunterhalts dienende Arbeit: Alles wird unter Spaß verbucht. Das bedeutet natürlich, dass einer wie ich, dem jegliches Feingefühl dafür fehlt, in Besäufnissen hier und fremdbestimmter Plackerei da irgendetwas Spaßiges zu entdecken, mit dem vernichtenden Verdikt der Spaßbremse belegt wird, mag er auch Humor haben, so viel er will.

Eines schon etliche Jahre zurückliegenden Tages ließ ich mich von meinen Füßen in die Gepäckabteilung eines Kaufhauses tragen. Ich entschied mich für einen leichten, aber hübschen schwarzen Koffer mit grünen Nähten. Ich beabsichtigte, ihn dazu zu benutzen, diverse Kleidungsstücke, Waschutensilien und dergleichen Dinge, die man für zwei- bis dreitägige Reisen so braucht, in ihm zu verstauen. Dazu schien er mir hervorragend geeignet zu sein. Wie überrascht war ich, als mir die freundliche Kassiererin, nachdem ich bezahlt hatte, den Koffer überreichte, indem sie die folgenden Worte sprach: „Viel Spaß mit dem Koffer!“.

Ich stürzte sofort in eine bis heute anhaltenden Nachdenklichkeit. Welchen Spaß kann man mit einem Koffer haben? Ihn zu packen? Ihn übers Kopfsteinpflaster zu ziehen? Ihn in die Gepäckablage zu wuchten? Ich muss jedoch gestehen, dass es mir trotz aller Anstrengungen, die ich bereits unternommen habe, bis heute nicht gelingen will, Spaß mit diesem Koffer zu haben. Zwischen den Reisen steht er, ohne dass ich weiter von ihm Kenntnis nähme, in einem kleinen Kämmerchen unter dem Dach, und wenn er wieder einmal auf Reisen darf, dann wird er so schnell wie möglich bepackt, ohne dass sich dabei auch nur der Hauch eines Spaßes einstellen würde. Es wäre ja auch noch schöner, wenn ich mir mit diesem Koffer die Spaßgesellschaft ins Haus geholt hätte.

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4 Kommentare zu “Mein Verhältnis zum Spaß

  1. Die Dame wollte doch nur höflich sein, meine Güte! Hätte sie Ihnen den Koffer wortlos, mit einem regungslosen Gesicht in die Hand gedrückt, dann wäre das auch wieder nicht recht gewesen – so ein unfreundliches Personal, Servicewüste Deutschland etc… Man kann’s mit den Spitzfindigkeiten schon auch übertreiben, so meine Meinung.

    • Emsemsem sagt:

      Ich bin ganz Ihrer Meinung. Ebenso ganz bin ich meiner Meinung, dass unsere sog. „Spaßgesellschaft“ hie und da Blüten von der Art treibt, die einer glossierenden Betrachtung zugänglich sind, ohne damit ehrenvolle Absichten in Abrede zu stellen.

  2. kowkla123 sagt:

    auch ohne Spaß ist er dir nützlich, ich wünsche eine gute Woche

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