Ein besserer Mensch in fünf Minuten täglich


Wollten Sie nicht immer schon eine neue Sprache, das Klavierspielen oder Malen lernen? Wie sieht es mit ihrer Fitness oder ihren Muskeln aus? Ist doch ein Kinderspiel! Nur fünf Minuten täglich und Sie sind ein besserer Mensch!

Sie sind vermutlich auch schon solchen Rechenspielchen und Werbeversprechen aufgesessen oder haben zumindest schon einmal darüber nachgedacht. Jedoch braucht alles seine Zeit und ist mühselig. Der zeitliche Aufwand wird bei solchen und ähnlichen Werbeversprechen in kleine, mit ein wenig Disziplin leistbare Häppchen zerhackt und scheinbar steht der Selbstoptimierung nichts mehr im Weg. Dieser Ansatz trägt gleich mehrere Denkfehler in sich.

  • Sich weiterzuentwickeln ist nicht nur ein zeitlicher Aufwand, sondern auch harte Arbeit.
  • Wer sehr wenig Zeit auf etwas verwendet, braucht schon sehr lange, um ein Ergebnis zu sehen. Sind Sie tatsächlich so geduldig?
  • Ist Ihnen Ihr Ziel tatsächlich nur so wenig wert, dass Sie hierfür nur fünf Minuten täglich aufwenden wollen? Rechnet sich die kleine Mühe, die Sie aber Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr aufwenden sollen, überhaupt?
  • Beispiel Fitness: Wie wahrscheinlich ist es, wenn Sie acht Stunden im Büro und mindestens zwei Stunden im Auto verbringen, dass Sie Ihre Versäumnisse eines ganzen Tages mit Fitnessübungen von fünf Minuten – lassen Sie es gerne auch dreißig Minuten sein! – korrigieren können? Der Bauarbeiter bekommt kaputte Knochen und der Büroarbeiter einen schlaffen Körper; beides berufsbedingte körperliche Begleiterscheinungen.

Nach meiner Erfahrung muss bei allem einmal das redensartliche Zehnerl gefallen sein. Dass das Zehnerl fällt, dazu müssen Sie hartnäckig bleiben, Zeit aufwenden; wenn nötig auch viel Zeit – am Stück! Und dieser Moment der Erkenntnis lässt sich nicht herbeizwingen, ist ein Geschenk. Erst wenn das Zehnerl gefallen ist, können Sie ihre Erkenntnis als Hobby in kleinen Häppchen von fünf Minuten täglich pflegen. Das macht dann auch wirklich Freude. Wer beispielsweise als Kind das Klavierspiel lieben gelernt hat, hat abends auch wirklich Lust darauf, den Frust des Tages bei einer Beethovensonate zu vergessen. Unter diesem Gesichtspunkt tun sich weitere Irrtümer der täglichen fünf Minuten auf:

  • Es wird suggeriert, dass es nur am eigenen Willen liegt, seine Ziele zu erreichen. Tatsächlich ist aber nicht jeder zur Fitness geboren. Finden Sie sich auch mal damit ab!
  • Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die wir besser machen wollen. Doch wir müssen uns entscheiden. Halbheiten von fünf Minuten täglich führen zu nichts. Was ist Ihnen denn wirklich, wirklich wichtig?

Selbstoptimierung ist in Mode und wird zur moralischen Pflicht erhoben. Sehr im Schwange sind die Schrittzähler. Ist es nicht ein Klacks, täglich mindestens zehntausend Schritte zu gehen? Lassen Sie sich nichts einreden!

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