Kirchliche Gemeinschaft mit den Anglikanern


Vor sieben Jahren am 4. November 2009 unternahm Papst Benedikt XVI. einen bemerkenswerten Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung der anglikanischen Kirche. Er erließ eine apostolische Konstitution, die Anglikanern den Eintritt in die „volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche“ ermöglichte, ohne dass sie ihre liturgischen Traditionen aufgeben mussten. Papst Benedikt würdigte damit das Drängen von anglikanischen Gruppen, die Einheit der Kirche wiederherzustellen, als Wirken des Heiligen Geistes.

Papst Benedikt ließ sogenannte Personalordinariate zu. Ordinariate sind für gewöhnlich ortsgebunden. Diese Ordinariate werden jedoch im Einflussbereich einer Bischofskonferenz, also überregional angesiedelt. Mitglieder der Personalordinariate sind ehemalige Anglikaner oder Katholiken, die wie beispielsweise ihre Kinder die Initiationssakramente innerhalb der Personalordinariate empfangen haben. In den Personalordinariaten ist ein eigenes Messbuch, das anglikanische Traditionen übernimmt, zulässig, soweit es vom Heiligen Stuhl approbiert wird. Der Primat des Papstes und der Katechismus müssen anerkannt werden, sodass eine Einheit in Glaubensfragen sichergestellt ist. Eine augenfällige Abweichung von der bisher gewohnten Tradition ist die Möglichkeit einer Dispens des Papstes für vormalige anglikanische Priester, die verheiratet sind, vom Zölibat, sodass sie die Weihe zum katholischen Priester empfangen können. Damit gibt es überraschenderweise verheiratete katholische Priester, wenngleich nur in dem Ausnahmefall der Personalordinariate.

Persönliche Schlussfolgerung

Die Personalordinariate halte ich in mindestens zweierlei Hinsicht für bemerkenswert.

Zum ersten. Nach der Reformation vor 500 Jahren entwickelte sich die Kirche zur Konfession der katholischen Kirche. Die katholische Kirche grenzte sich von den Reformatoren ab und widersprach damit unfreiwillig dem eigenen Anspruch, die heilige, katholische und apostolische Kirche aus dem Glaubensbekenntnis zu leben und zu sein. Mit der apostolischen Konstitution scheint sich diese Hartleibigkeit zu verlieren und eine Rückkehr zu dem einen Leib Christi besser möglich zu sein.

Zum zweiten. Unterschiedliche liturgische Formen widersprechen nicht der Kircheneinheit. Dies bedeutet, dass mehr liturgische Formen als bisher möglich sind. Ergänzungen in den Formen sind, wie ich bei meiner Inventur der Sakramente entfaltet habe, für das Bußsakrament dringend erforderlich. Die Ohrenbeichte ist für viele, die den Missbrauch des Beichtgeheimnisses erlebt haben, nicht zumutbar. Aber auch die Messfeier mit der sehr starken Betonung des Opfercharakters kann durch die Vertiefung anderer Geheimnisse von Jesu Kreuzestod den Katholiken den Empfang der Kommunion erleichtern.

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