Filmbetrachtung: Die Insel der besonderen Kinder


Beachtliches Zeitschleifenhopping

Prolog

Das zweimal jährlich grüßende Uhrzeigerdrehen zur Sommerzeit und zurück ist nichts im Vergleich zu dem, was Fantasyfilme mit der Zeit anstellen. Ob im oder gegen ihn: So etwas wie einen Uhrzeigersinn gibt es für sie nicht. In „Die Insel der besonderen Kinder“ ist das nicht anders. Seine Spezialität sind Zeitschleifen, die Jake von Opa Abe kennt. Eine befindet sich auf Wales. In ihr halten sich in einem Heim „besondere“ Kinder vor den Hollows versteckt. So kommt trotz der ewigen Wiederkehr des Gleichen (vgl. Nietzsche) wenigstens keine Langeweile auf.

Diese mistviechigen Hollows

Gerade rechtzeitig, als mit Jakes Reifung zum Jugendlichen sein Glaube an die Wahrheit dieser Geschichten anfängt gen Null zu tendieren, wird Abe Opfer eines mysteriösen Überfalls. Kurz bevor er die Augen für immer schließt, gibt er Jake noch den Hinweis, wer für den Mord verantwortlich ist: kein wildes Tier, wie die Polizei vermutet, sondern, wer sonst, die Hollows. Aber was heißt Augen schließen: Abe hat keine mehr. Diese mistviechigen Hollows sind nämlich zombieartige Monster mit überdimensionierten Zahnstochern an der Stelle, wo bei uns Menschen die Haxn angebracht sind, die ihre, mir fällt kein anderes Wort ein, Lebensenergie aus Menschenaugen beziehen. So segnet Opa das Zeitliche, und Jake beschließt, der Sache im Unzeitlichen der walisischen Zeitschleife nachzugehen.

In Schräglage

Aber erst einmal stellen ihn seine Eltern der Psychologin Dr. Golan vor, weil sie Jakes Gemüt in Schräglage wähnen, hervorgerufen durch Opas Erzählungen. Zufälligerweise rät sie, Jake zur Erholung nach Wales zu schicken. Doch es gibt, wie sich später herausstellt, einen noch viel zufälligeren Zufall: Hinter der Maske Golans steckt der Boss der Hollows höchstpersönlich.

Ein Hauch von Komik

In Wales angekommen, tritt Jake schon bald über die hier ansässige Zeitschleife in Kontakt mit dem Kinderheim. Von Opa bestens vorbereitet, sind Jake und wir Zuschauer nicht wirklich erstaunt über die erstaunlichen Talente der Kinder. Ein Hauch von Komik der unfreiwilligen Art liegt gleichwohl in der Luft, wenn man einem Mädchen dabei zusehen kann, wie es eine während der Extraktion immer größer werdende Karotte hinter sich zur weiteren Verarbeitung ins Haus schleppt, als wäre sie Obelix‘s Tochter. Diese wachstumsfördernde Begabung wird sich im Fortgang der Ereignisse noch ebenso nützlich erweisen wie Emmas zu Sturmstärke aufblasbare Lungen. Etwas weniger spektakulär, aber auch besonders ist, was einer kann, der immer wieder von drei Wörtern genervt wird: Zieh dich aus. Er ist unsichtbar.

Aufgespürt

Wenn die Kinder und ihre Erzieherin nicht von den Hollows aufgespürt worden wären, lebten sie noch heute zufrieden in ihrer Zeitschleife. Doch sie werden aufgespürt, und unter Jakes Führung beginnt ein Kampt auf Leben und Tod.

Exkurs: Widerwille und Ermunterung

Ich folge dem Geschehen in Fantasyfilmen nicht selten mit Widerwillen. Zu gekünstelt kommt mir manches vor. Auch die Zeitschleifenkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ funktioniert nicht ohne den einen oder anderen logischen Kollateralschaden. Aber das macht die gute und humorvoll erzählte Geschichte locker wett. Anders „Die Insel der besonderen Kinder“: Dieser Film versucht meinen gesunden Menschenverstand mithilfe einer Fülle spektakulärer Effekte zu betäuben, für mich die Ermunterung, jetzt erst recht keine dramaturgische Schwäche zu übersehen. Dabei bin ich bei Filmen, die sich, wie etwa die Columbo-Reihe, ihrer Menschlichkeit nicht schämen, gerade dazu mit Vergnügen bereit.

Abspann

Am Ende muss Jake dem Happy End zuliebe ein beachtliches Zeitschleifenhopping absolvieren. Nachdem er schnell noch einmal seinen Opa in die Arme geschlossen hat, ist er auch schon unterwegs zu Emma (die mit der Sturmlunge), in die er sich zwischenzeitlich verliebt hat. Dann folgt für mich das eigentliche Happy End: der Abspann. Mit anderen Worten: Weniger wäre mehr gewesen – und vielleicht sogar richtig gut.

Epilog

Aber jetzt ab in die Heia. In meiner Schleife ist nämlich morgen auch noch ein Tag.

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