Filmbetrachtung: Eight days a week. The touring years


Nichts Neues über die Beatles

Ich erinnere mich an eine Philosophievorlesung, in der der Professor mit der Weis- und Wahrheit überraschte, einer Zitrone könne man nur so viel Saft abpressen wie in ihr enthalten ist. Bei den Beatles scheint das nicht zu gelten. Sie haben einen Verkaufsrekord nach dem anderen aufgestellt, den sie in der einen oder anderen Disziplin in der Welt der Musik wohl noch halten, und sie gelten als die Wegbereiter der Rockmusik im Bandformat.

Nicht nur Jahrestage, wie kürzlich der 50. des Albums „Revolver“, bieten einen stets willkommenen Anlass, die Beatlesmanie der 60er Jahre einmal mehr kommerziell nachklingen zu lassen. Man kann doch auch, wie vor Jahren geschehen, einfach aus dem Fundus schöpfen und die Nummer 1-Hits auf eine CD brennen, einen feurig-gelben Einser aufs rote Cover setzen, und fertig ist ein weiterer Spitzenplatz in den Charts. Dass sich so viel Geschäftstüchtigkeit zur regelrechten Unverschämtheit auswachsen kann, wird niemanden verwundern. In den Anfangsjahren der CD wurde der Oldie „Abbey Road“ in einem Kaufhaus in München für satte 50 DM angeboten, also weit mehr als das Doppelte von dem, was die Silberlinge damals üblicherweise kosteten. Beatles hin oder her: Sowas kauft man nicht.

Auch die letzte Welle von Neuauflagen ihrer Werke war preismäßig nicht von Zurückhaltung geprägt. Inzwischen ändert sich das allmählich, zumal man häufig genug beobachten kann, dass CDs, für die man frisch nach Erscheinen noch etwa einen Zwanziger berappen muss, nur wenige Wochen später schon für 5€ zu haben sind. Und schließlich: So angesagt sind die Beatles auch wieder nicht, dass man für jedes Lebenszeichen, das sie je auf diesem Planeten hinterlassen haben, die Besitzrechte erwerben muss.

„Nur für kurze Zeit“, wie einem die Werbung allen Ernstes auf die Nase binden möchte, gibt es jetzt in Gestalt einer filmischen Dokumentation über ihre wenigen Tourneejahre wieder eins. Man kenne die Band, lügt diese Werbung dreist weiter, nicht aber ihre Geschichte. Ich trotzdem bei Sauwetter nichts wie rein ins Kino und stelle wie erwartet fest: nichts Neues unter der Beatles-Sonne. Die Geschichte kann ich inzwischen im Schlaf erzählen. Nach Liverpool (Cavern Club) und Hamburg (Star Club) zum Phänomen avanciert, haben sie nach stressreichen Touren, bei denen sie nicht einmal Zeit zum Schnappatmen hatten, 1965 die Schnauze voll. Sie werden zur reinen Studioband, als die sie ihr künstlerisches Potenzial bis zum Anschlag ausschöpfen, wie man auf Alben wie „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ oder „Abbey Road“ bis heute hören kann. Ach ja, den britischen Weltreich-Orden haben sie auch bekommen, und in Amerika wurden ihre Platten verbrannt, weil man da den Satz John Lennons, die Beatles wären jetzt populärer als Jesus, anders als in England in den falschen Hals bekommen hat.

Wenn man die PR-Blähungen ignoriert, hat der Musikliebhaber trotzdem sein Vergnügen an dieser Dokumentation. Ein besonderes Schmankerl ist das sich quasi als Zugabe anschließende Konzert der Beatles im New Yorker Shea Stadium, das ihnen das Touren endgültig vermiest hat. Dabei erlaubt sich der Lausbub John Lennon allerlei sinnloses Gebrabbel in seine Ansagen zu mischen, weil es völlig wurscht ist, was er sagt: Im ohrenbetäubenden Gekreische des Publikums versteht eh keiner was. Aber ihre Musikdarbietung absolvieren die Vier mit umso mehr Bravour. Dabei können sie nicht einmal hören, was der andere gerade spielt.

Wer wirklich hinter die Kulissen der Beatlesmanie schauen will, dem sei die Doku „Im Vorzimmer der Beatles“ empfohlen, in der die Sekretärin Freda Kelly ihren Weg mit den Fab Four ab 1962 schildert. Läuft immer wieder im Fernsehen, natürlich jeweils nur für kurze Zeit.

Advertisements

Hier können Sie in die Diskussion einsteigen. Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s