Filmkritik: Die Unfassbaren 2


Zu Symbolschwangerschaft neigender Kokoloresthriller mit transzendentalem Ehrgeiz

Selbst der aufgeklärteste Mensch dürfte der Magie noch etwas abgewinnen, während ihn das metaphysische Geschürfe nach Begriffsinhalten anödet. Verständlich, denn der Magier vermag es, das Mögliche unmöglich und das Unmögliche möglich zu machen, und sei es nur scheinbar. Der Metaphysiker hingegen fischt weitgehend im Trüben und freut sich über alles, was sich an seinem Angelhaken festbeißt.

Nachdem er die Chinesische Mauer durchschritten und auch sonst das eine oder andere Überirdische scheinbar gemacht hatte, versucht David Copperfield jetzt der Filmbranche als Koproduzent der „Unfassbaren“ seinen magischen Stempel aufzudrücken. Denn in dieser exzessiven Anhäufung von Illusionen wird auf Teufel komm raus getrickst. Auch die Bibel wird zum Zauberkasten umfunktioniert. Einer der Protagonisten glaubt sogar, dem lieben Gott den Rang ablaufen zu können, weil er Gravitation Gravitation sein und es nach oben regnen lässt. Dann schon lieber Bob Dylan zuhören, der die gescheiterte Gravitation in eines seiner Lieder eingebaut hat.

Zur Klarstellung: Kapiert habe ich das ganze Spektakel nicht. Auf der einen Seite sind da vier „Reiter“, die sich vermutlich deshalb so nennen, weil sie schon im ersten Teil so hießen. Hinzu kommt so etwas wie ein Ober- oder Vorreiter, der nicht zu den Vieren gehört, weil es dann nicht mehr vier wären und sich die Assoziation mit den vier apokalyptischen Reitern der Bibel nicht mehr so aufdringlich anempfehlen würde. Aber es geht nun einmal reichlich apokalyptisch zur Sache, wenn am Jahres- und am Filmende die Bösen auf der Londoner Themse vor der es krachen lassenden Öffentlichkeit enttarnt werden und das „Auge“, eine Art Geheimbund, der über die Reiter wacht, sein Logo auf das Firmament projiziert, wie das Batman schon mit dem seinen gemacht hat. Natürlich denkt man da an das Auge Gottes, das Kunst- und Kulturgeschichte überliefern.

Auch mit dem Apostel Thomas treibt das Drehbuch sein Spielchen. Denn einer der vier Reiter hat einen speziellen Feind, seinen Zwillingsbruder. Der Name besagten Apostels leitet sich aus dem aramäischen Wort für Zwilling her. Er hat die Berichte über die Auferstehung Jesu zunächst angezweifelt und handfeste Beweise verlangt – und bekommen.

Ernst nehmen muss man das ganze biblische Unterfutter natürlich nicht. Die Erfinder dieser wirren Story waren halt der Meinung, sich einfach nach Belieben an der Bibel schadlos halten zu können, ohne dabei auf Urheberrechte achten zu müssen. Der Hinweis „Nach biblischen Motiven“ wäre da schon fair gewesen. Macht man sonst ja auch. Das FBI ist übrigens ebenfalls mit von der Partie, um die bösen Schlingel am Ende von der Themse weg in Gewahrsam zu nehmen.

Eingerahmt wird das alles von einem Blick in rundes Treppenhaus, was wir als Symbol für ein Auge wahr- und bereitwillig hinnehmen sollen. Gekünstelt, würde ich sagen. Vielleicht sollten wir auch nur darüber belehrt werden, dass es auf den Blickwinkel ankommt. Eine Binsenweisheit, würde ich dazu sagen.

Schön war‘s trotzdem, weil man in gut zwei Stunden einen Trip von Amerika über Macau nach London hinlegt und wirklich schöne Aufnahmen der überreich illuminierten Städte zu sehen bekommt. Außerdem lasse ich mich von den David Copperfields dieser Welt gerne an der Nase herumführen. Klasse sind auch die Aufnahmen der über den Wolken fliegenden Jets. Ich würde den Film mit Lob geradezu überhäufen, wenn er weniger auf biblische Motive gesetzt hätte und origineller gewesen und vor allem mit dem Humor nicht so sparsam umgegangen wäre. Denn so ein Film braucht unbedingt Humor, damit das Chaos der Erzählung nicht so auffällt.

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5 Kommentare zu “Filmkritik: Die Unfassbaren 2

  1. kowkla123 sagt:

    bin ja leider kein Kinogänger, wünsche einen guten Tag in der Hoffnung, alles kommt gut bei dir an

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