Filmkritik: Pets (als Nachtrag) und Mother‘s Day


Ein nachgeschobenes „vergnügsam“ und ein Lorbeervorschuss

„Es waren vier.“ – „Drei.“ – „Vier.“ – „Drei.“ – „Vier.“ – „Drei.“ Und so weiter: Gespräche dieser kategorischen Art könnten stundenlang andauern, ohne dass etwas Vernünftiges dabei herauskäme. Nicht einmal ein Kompromiss ist möglich. Weil dies selbst für die Gesprächspartner unersprießlich ist, empfiehlt es sich, insbesondere für den, der mit seiner Meinung in der Minderheit ist, das Ende der Unterhaltung anzustreben. Das war ich in diesem Fall.

Es ging um die Frage, für wie viele Filme wir uns im August dieses Jahres ins Kino begeben haben. Ich besann mich auf vier, die beiden Mehrheitsmeinungsvertreter waren davon überzeugt, es seien drei gewesen. Natürlich wäre es ein Leichtes gewesen, sie in die Schranken zu verweisen, wenn ich den Titel des vierten Films in die Runde geworfen hätte. Nur fiel mir der beim besten Willen nicht ein.

Doch nun, da wir nach dem Ende eines weiteren Films im Kinofoyer beisammen stehen, kann ich die kleine Erinnerungslücke schließen schließen und ich sage, cool auf ein paar Bilder an der Wand deutend: „Es waren doch vier.“ Jetzt gehen den beiden die Augen auf. „Pets“ heißt der vierte Film und der soeben gesehene ist damit der fünfte.

Das bedeutet, dass meine letzte Filmbetrachtung unvollständig war, weshalb ein paar nachträgliche Worte zu „Pets“ fällig sind. In diesem flotten Animationsfilm zeigen allerlei Haustiere, wer der Herr im Haus ist, wenn Herrchen und/oder Frauchen tagsüber ihren außerhäuslichen Verpflichtungen nachgehen und ihre tierischen Lebensbegleiter allein lassen. Protagonist ist ein Terrier namens Max, der mit all den anderen Tieren in einem mehrstöckigen Wohnhaus in Manhattan die allerbesten Verbindungen unterhält und auch klever auszuleben weiß. Deshalb sieht er in Duke, den ihm sein Frauchen eines Tages als Spielkamerad präsentiert, eher einen Konkurrenten denn einen Freund. Noch dazu gehört er einer zotteligen und deutlich größeren, also mehr Futter verwertenden Hunderasse an.

Keinen Kontakt hingegen hat Max mit der Unterwelt New Yorks, die Snowball, das ehemalige Kaninchen eines Zauberers, anführt. Snowball sinnt mit seiner bunt zusammengewürfelten Bande auf grausame Rache an den Menschen, weil sie von ihnen so schnöde behandelt und ausgemustert worden sind, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan haben. So ist New York, von den geschäftigen Menschen unbemerkt, Schauplatz von allerhand Turbulenzen, die sich jedoch am Ende des Tages, abgesehen vielleicht von zu Bruch gegangenem Geschirr, in Wohlgefallen auflösen, wenn die Menschen wieder heimkommen und glauben, den ganzen Tag über vermisst worden zu sein. Immerhin haben die überstandenen Abenteuer die Freundschaft zwischen Max und Duke begründet.

„Pets“ verspricht vom Start weg Spaß und Kurzweil, was ihm in gefühlten 50 Minuten durchaus gelingt. Dafür gibt es ein „gut“. Die restlichen 40 Minuten ziehen sich allerdings ein wenig in die Länge. Der Grund: weitgehende Vorhersehbarkeit des Geschehens. Dafür gibt es ein „ausreichend“. Mein Gesamturteil lautet somit „befriedigend“ oder weniger lehrerhaft ausgedrückt: vergnügsam.

Jetzt aber schnell zu „Mother‘s Day“, meinem fünften Sommerurlaubsfilm: Was früher für die werbende Zunft die Heile-Welt-Familie war, ist heute die Patchworkfamilie. Klar, dass die auch die Kategorie der romantischen Filmkomödien anreichert. Die Patchworksituation ergibt sich in „Mother‘s Day“ allerdings daraus, dass sich verschiedene, voneinander getrennt lebende Familienformen ein heiteres Stelldichein geben, wobei die alleinerziehende Sandy als Mutter von zwei Söhnen das dramaturgische Epizentrum bildet. Was alle eint, ist der bevorstehende Muttertag, der gediegen vorbereitet sein will und nicht ein einziges Mal, dem Filmtitel zum Trotz, „Mother‘s Day“ genannt wird. Sogar die Familie des verwitweten Bradley macht da keine Ausnahme, insofern er dem Gedenken an die Verstorbene gewidmet wird. Dabei kommt sogar eine Karaoke-Maschine zum Einsatz. Aber auch sonst legt man sich bei der materiellen Ausstattung der Festlichkeiten keinerlei Zurückhaltung auf. Wo gefeiert wird, da fällt der Müll, will sagen: jede Menge Plastik vom Geschirr bis zur ausladenden Dekoration. Mit anderen Worten: „Mother’s Day“ kommt ganz ohne sozialkritischen Einschlag aus, was ja auch nicht sein muss.

Der Film schafft es, dass man als Zuschauer trotz des Tohuwabohus der Beziehungen die Übersicht behält und man alle irgendwie sympathisch findet. Die können aber auch sowas von innig dreinschauen. Keiner schlägt aus der menschelnden Art. Wenn nun plötzlich Cary Grant in seinem Hausboot durchs Bild schipperte und dann auch noch Fury, Lassie, Flipper und meinetwegen auch Skippy das Känguru um die Ecke kämen und ihren Auftritt hinlegten, wäre das zwar völlig surreal, ließe sich aber ohne weiteres in die Szenerie integrieren. Dem cineastischen Wohlbehagen würde das keinen Abbruch tun. Vor allem aber würde es mich nicht wundern, wenn die Parallelität der Tatsache, dass Bradley alleine für zwei Töchter und Sandy für zwei Söhne sorgt, eine Fortsetzung dieser Patchworkkomödie nach sich zöge. Dafür bekommt die Filmindustrie von mir ein Vorschusslorbeerblatt.

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