Terror – Ein Theaterstück mit Umfrage


Das Theaterstück „Terror“ von Ferdinand von Schirach liegt festgebunden beim Piper-Verlag vor. Es beschäftigt sich mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2006, das den Abschuss von Flugzeugen mit Tatunbeteiligten an Bord als unvereinbar mit dem Grundgesetz verbot. An einem fiktiven Mordprozess wird dieser Rechtsspruch diskutiert. Ein Major der Bundeswehr schießt ein von einem Terroristen gekapertes Passagierflugzeug ab, das Kurs auf das Fröttmaninger Fußballstadion genommen hat. 164 Menschen – der Terrorist wird nicht mitgezählt – sterben dabei, die 70.000 Fußballfans überleben. Das Publikum wird als Schöffen in den Prozess einbezogen. Am Ende beeinflussen die Zuschauer mit einer Umfrage den Ausgang – Verurteilung oder Freispruch.

Das Theaterstück behandelt populärwissenschaftlich ein komplexes und umstrittenes Thema der Rechtswissenschaften. Es vereinfacht seiner literarischen Gattung gemäß sehr stark. Die Fiktion will bei mir daher nicht aufgehen; vielleicht wirkt das Stück auf der Bühne besser.

Ferdinand von Schirach, Terror. Piper. 2. Auflage 2015. 16€

Nachtrag: Im Klappentext, der von von Schirach selbst stammt, wird ausgeführt: „Im Theaterstück rechtfertigt der Verteidiger das Töten damit, dass wir uns im Krieg befänden, und jetzt sprechen Politiker tatsächlich von Krieg.“ Gemeint ist die Kriegsrethorik nach den Anschlägen in Paris vom 13. November 2015. Dies irritiert mich aus zwei Gründen. Zum einen sind Schriftsteller keine Propheten. Zum anderen wurde nicht erst nach den Anschlägen vom 13. November 2015 von Krieg geredet, sondern mindestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Siehe erstens.

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