Filmkritik: Vor der Morgenröte


Es mangelt an dramaturgischer Konsistenz

Fragen der Art, wer einen Film gemacht hat, wer darin welche Rolle spielt und was dergleichen sonst noch wichtig zu sein scheint, interessieren mich nur beiläufig. Dass mich jedoch das Plakat für „Vor der Morgenröte“ nicht vergebens lockte, lag ausnahmsweise an einem Mitwirkenden: Josef Hader. Er, den ich lediglich als Satiriker und Kabarettisten kannte, fiel mir in dem Film „Der Tote am Teich“ (vor kurzem auf Arte) auf. Und wie! Da wollte ich schon sehen, wie er sich in anderem filmischen Zusammenhang so macht.

Er spielt Stefan Zweig im amerikanischen Exil, in das er vor den Nazis flüchten muss. Hier wird er verehrt und kann sich seiner schriftstellerischen Arbeit (etwa der berühmten „Schachnovelle“) widmen. Aber er fremdelt auch mit seiner Situation, weil ihm das ferne, dem Chaos ausgelieferte Europa auf der anderen Seite der Welt sehr nahe ist.

Der Film erzählt in Episoden und macht das auf verstörende Weise. Denn einerseits bemüht er sich, mit eindrucksvollen Bildern anzusprechen, durchbricht andererseits aber permanent die sich auf diese Weise im Zuschauer aufbauende Gestimmtheit. Der Film wirkt wie ein Puzzle, dessen Teile kein Bild ergeben. Etwas mehr dramaturgische Konsistenz hätte ich mir schon gewünscht.

Die filmische Ästhetik ist zuweilen hervorragend, hält aber auch nicht den ganzen Film über. Dennoch gehe ich so weit zu sagen, dass alleine schon die Anfangsszene, über der und auch das in souveräner Schönheit Filmtitel, die Namen der Macher usw. gelegt werden, für sich genommen ein Genuss ist, aber eben auch die Hoffnung weckt, dass es so weitergeht, was jedoch nicht der Fall ist – bis auf den Epilog. Was den anlangt, frage ich mich, was ihn zu einem solchen macht. Für mich ist ein Epilog etwas, das nach Abschluss einer Geschichte nachgeschoben wird, etwa nach dem Motto „Zehn Jahre später“. Doch hier wird vom Suizid Zweigs und seiner Frau im brasilianischen Exil erzählt, und der ist kein Nachtrag zu Zweigs Leben.

Fast hätte ich es vergessen: Josef Hader gibt auch hier eine beeindruckende Vorstellung.

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