Mein Verhältnis zu Jean Paul


Ein schwerer Brocken: Jean Paul.  (Foto: Bernhard Huber)

Ein schwerer Brocken: Jean Paul. (Foto: Bernhard Huber)

Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon über Jean Paul hergemacht und versucht habe, ihn zu lesen. Notgedrungen habe ich mir dadurch einige Kenntnisse über sein Werk angeeignet, die den Eindruck erwecken könnten, ich hätte Jean Paul tatsächlich gelesen. Habe ich aber nicht. Lesen und lesen sind schließlich zweierlei, und bei Jean Paul vielleicht sogar dreierlei.

Meine wiederholten und wiederholt gescheiterten Versuche der Annäherung an diesen quirligen Schreiber, was nebenbei nicht wenig frustrierend, aber auch herausfordernd ist, weshalb ich immer wieder neue unternehme, diese Versuche erklären sich wohl auch damit, dass ich so manches an Jean Paul schätze.
Schon allein, dass er eine nachhaltige humoristische Duftmarke in unserer Literatur gesetzt hat, nimmt mich für ihn ein. Seine Romane sind voll von „Abschweifungen“, was bedeutet, dass er eine ausgeprägte Neigung zum Erzählen hat, und Geschichten, die so erzählt werden, dass man schier vergisst in einem Buch zu lesen, stehen bei mir traditionellerweise ganz besonders hoch im Kurs.

Dann ist Jean Paul ein veritables Gegengewicht zu dem „Giganten“ der Weimarer Klassik. Mit Goethe hatte er es nicht so (und Goethe mit ihm wohl noch weniger). Nicht zuletzt sind da noch die Titel seiner Werke, die gefallen oder zumindest neugierig machen, ob es sich um die „Flegeljahre“, „Schulmeisterlein Wutz“, „Leben des Quintus Fixlein“ oder „Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz“ handelt.

„Na“, wird sich nun mancher denken, „was willst du dann noch? Dann schnapp Dir doch diesen Jean Paul und lies ihn einfach!“ Aber genau das will mir nicht gelingen, ihn „einfach“ lesen. Dazu bräuchte ich eine ganz besondere Form der Muße, die mir jedoch fehlt. Eine Muße, die so beschaffen ist, dass sie mir das Gefühl gibt, ich hätte alle Zeit der Welt, eine Muße, die jede Uhr sprengt. Eine solche Muße aufzubringen ist mir jedoch unmöglich. Jean Paul aber bröckchenweise zu lesen, etwa in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück und dann abends noch ein Weilchen, wenn man ein solches erübrigen kann, geht zwar rein technisch durchaus, ist allerdings gerade bei diesem Autor kein Genuss. Da stolpert man sich nur von Satz zu Satz, und allmählich beginnt man mit sich und seinen geistigen Fähigkeiten zu hadern. Weil man glaubt, nichts zu verstehen glaubt man auch, immer wieder von vorne anfangen zu müssen, während man zugleich immer mehr in einem unübersichtlichen Sprachgetümmel unterzugehen droht. Aber bei Büchern aller Art ist es nun einmal so: Man will nach vorwärts bis zum Ende lesen und nicht nach rückwärts an den Anfang.

Mein Verhältnis zu Jean Paul ist also ein einziges Miss- besser Unverhältnis, was ich sehr bedauere. Denn ich schätze ihn ja, wie gesagt.

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2 Kommentare zu “Mein Verhältnis zu Jean Paul

  1. kowkla123 sagt:

    hab mich mit ihm nicht so befasst, ein schönes Wochenende wünsche ich

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