Filmkritik: Hail, Caesar!


Nicht schlecht, nicht gut.

Hollywood ist ein Name, der in der Filmbranche einen gewissen Ruf hat. Insofern kann man verstehen, dass Filme nicht nur in, sondern auch über Hollywood gemacht werden, und wenn einer wie Hail, Caesar! dabei herauskommt, der nicht gerade zu den Langweilern gehört, ist das nicht schlecht. Aber gut ist es deshalb auch nicht gleich. Jedenfalls frage ich mich, was dieser Film soll.

Ich stelle mir vor, wie die Brüder Joel und Ethan Coen eines lauen Abends auf der Terrasse gemütlich beieinander sitzen.
„Na, wie wär’s“, sagt der eine, „sollten wir nicht mal wieder einen Film machen?“
„Hab keine Lust“, sagt der andere.
„Wie du meinst.“
Nach einer Pause geht es wieder los: „Woody Allen macht dauernd einen Film.“
„Ja, in Variationen.“
„Ich weiß zufällig, dass George [Clooney] gerade frei ist. Mit dem drehst du doch so gerne.“
„Wie ich dich kenne, hast du den schon engagiert.“
Undsoweiter, undsofort.

Am Ende der Ideenkette sitze ich im Kino und bestaune George Clooney, wie er Baird Whitlock spielt, der seinerseits einen römischen Soldaten in dem komparsenüberfluteten Monumentalfilm, wie sie in 1950ern so gerne gedreht worden sind, spielt. Ein Hauch Asterix liegt in der Luft. Während in den anderen Studios Cowboy-, Tanz- und Wasserballettfilme für die zahlenden Massen produziert werden, fällt es zunächst gar nicht auf, dass Baird entführt wird, um vom Studio 100.000 Dollar zu erpressen. Es soll auch gar nicht auffallen. Bei den Entführern handelt es sich schließlich erstens um Kommunisten und zweitens um Studio-Angestellte, die sich ungerecht behandelt fühlen. Das könnte der Heile-Welt-Welt Hollywoods ernsthaften Schaden zufügen. Eddie Mannix, der am Anfang und am Ende des Films beichtet und dazwischen den Rosenkranz betet, ist der PR-Mann, der das zu verhindern hat – und das Lösegeld übergibt.

Was am Ende bleibt, ist das hübsche Wort „Fischarsch“, das die Darstellerin einer Wassernixe für ihr grünes Schwanzflossenkostüm verwendet, und die Frage, warum der Film-Erzähler seinen Job eigentlich so aufdringlich ironisch erledigen musste.

Mitzuteilen wäre noch, dass exakt am Beginn der Vorstellung zwei ältere Damen den Vorführraum enterten. Weil das Licht, wie sich das für ein Kino gehört, schummrig war und es keine taschenlampenbewehrten Platzanweiser mehr gibt, stolperten sie eher herein als dass sie gingen. Über so viel Düsternis erstaunt, teilten uns allen, die das gar nicht wissen wollten, mit, dass die doch einen Knall hätten. Bis sie ihre Plätze gefunden haben, entgingen wertvolle Filmsekunden meiner ungeteilten Aufmerksamkeit, und bis sie sie endlich eingenommen haben, weitere gewiss nicht weniger wertvolle.

Am Ende war schließlich dieser vielleicht 14 Jahre alt seiende Jüngling, der sich, nicht weniger exakt wie das Eintreffen der beiden Damen am Filmbeginn, auf und davon machte, als die erste Zeile des Nachspanns, der aufgehenden Sonne vergleichbar, die Leinwand zu streifen begann. Ob das ein Fluchtreflex war oder daran lag, dass er sich während des ganzen Films mit Knabbern und Trinken beschäftigte, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, scheint mir aber dennoch ebenfalls erwähnenswert zu sein.

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2 Kommentare zu “Filmkritik: Hail, Caesar!

  1. kowkla123 sagt:

    bin ja schon lange nicht im Kino gewesen, schönen Sonntag

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