Filmkritik: Gänsehaut


Ironie für die einen, Spannung für die anderen. Vergnügsam für beide.

Dieser Film passt in die von mir geschaffene Kategorie „vergnügsam“. Ginge ich in meiner losen Folge von Filmkritiken systematisch vor, würde ich ihm von drei möglichen Punkten zwei, vielleicht sogar zweieinhalb geben. Alle drei hätte er nicht verdient. Dazu ist die Idee nicht neu genug. Ich erinnere mich zum Beispiel an „Die Pension der verlorenen Seelen“, eine Geschichte von Robert Bloch, der auch den Roman zu dem Hitchcock-Film „Psycho“ geschrieben hat. Darin wechseln Figuren aus der in der Antike beginnenden Ahnenreihe irdischer und halbirdischer Sagengestalten und Monster vom Lager der Fantasie in das der Realität, in der sie ein gewisser Margate einsammelt, um ihnen ein angenehmes Leben zu ermöglichen, wie es das Gut Aiderbichl für verstoßene Tiere tut.

In „Gänsehaut“, Adaption einer höchst erfolgreichen Jugendbuchreihe, entkommen Gespenster, Zombies, monströses Ungeziefer, ja sogar eine mörderische Flut roten Glibbers ihrer tristen Buchstabenexistenz in den von R.L. Stine (gespielt von Jack Black) geschriebenen Büchern, um die beschauliche Realität der im amerikanischen Delaware gelegenen Stadt Madison ins Chaos zu stürzen. Sinnigerweise hält eine Marionettenpuppe, die grantig wird, wenn man sie Puppe nennt, die Fäden des Geschehens in Händen. Um die Rückkehr ins geschriebene Wort unmöglich zu machen, verbrennen die Unwesen ihre papierene Herkunft, was als rettende die Idee nahelegt, dass R.L. Stine eine neue Geschichte schreiben muss, die sie wieder zu harmloser Literatur verwandelt und dem Film zu einem guten Ende verhilft.

Wie gesagt, ist die Idee nicht besonders originell, die Umsetzung ist es hingegen schon, auch wenn mit Klischees und Zitaten, etwa aus „Ghostbusters“ oder aus „Gullivers Reisen“, nicht gespart wird. Doch das kommt der Selbstironie nur zugute, die diesen Film zum Vergnügen macht – vor allem für die erfahrenen Kinobesucher, wie man einschränkend hinzufügen muss. Denn ein neben mir sitzender Jüngling im frühen Teenie-Alter vermittelte den Eindruck von Angespanntheit und konnte mit meinem Lachen nicht nur wenig anfangen, sondern war deswegen auch einigermaßen genervt. Für die Wahrnehmung der Ironie des sich vor ihm abspielenden Filmgeschehens fehlte ihm die nötige Erfahrung. Das wird kommen. Vielleicht hat er sich auch nur darüber gewundert, dass sich meine Wahrnehmung des Films von der seinen so deutlich unterschied. Dann hätte er immerhin für sein hoffentlich lange währendes Leben etwas gelernt. Auch das wäre ein Pluspunkt für „Gänsehaut“.

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