Filmkritik: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)


Dialoglastiger Grenzgang zwischen Fiktion und Realität

Es ist mir nicht entgangen, dass „Birdman“ ein paar Oscars (vier, glaube ich) bekommen hat, und den für die Kamera kann ich ganz gut nachvollziehen. Aber sonst? Hollywood soll ja in der Krise stecken.

Riggan Thomson, einst Superstar der „Birdman“-Reihe, möchte es allen noch einmal so richtig zeigen. Sie sollen erkennen, dass er nicht nur das Zeug zum „Birdman“ hatte, sondern ein richtiger Schauspieler ist. Deshalb kniet er sich regelrecht in die Produktion des Stücks „What We Talk About When We Talk About Love“. Die Proben verlaufen alles andere als harmonisch, was sein Zutrauen zu sich und zu dem Erfolg des Stücks nicht gerade stärkt. Immer wieder denkt er ans Aufhören. Dann liegt da noch seine berufliche und familiäre Vergangenheit wie ein dunkler Schatten über seinem Leben. Ganz besonders belastet ihn Birdman, der als sein Alter Ego immer wieder dazwischengrätscht, bis er tatsächlich die Bodenhaftung verliert – und fliegt.

„Birdman“, der am New Yorker Broadway spielt, knöpft sich das Blockbuster-Gehabe der Traumfabrik am anderen Ende der USA vor. Der dialoglastige Film gehört in die (von mir soeben erfundene) Kategorie der „Die-Welt-ist-eine-Bühne-Filme“, in dem die Grenze zwischen Fiktion und Realität in dem Sinne thematisiert wird, dass die eine der anderen andauernd in die Suppe spuckt. Es ist anzunehmen, dass Michael Keaton als Ex-Batman seine Erfahrungen mit dem Blockbuster-Starrummel in die Rolle des Riggan Thomson eingebracht hat. Dass einem „Birdman“ so gut gefallen kann wie der Oscar-Jury, die ihn reichlich mit Oscars bedenken zu müssen glaubte, verstehe ich natürlich, obwohl das für einen Anti-Blockbuster-Film paradox ist. Vielleicht hat „Birdman“ in den Herzen und Hirnen der Hollywood-Magnaten auch nur nostalgische Gefühle wachgerufen, so dass sie nicht gemerkt haben, dass „Birdman“ den sarkastischen Abgesang auf die glamouröse Kassenschlager-Vergangenheit des Superstar-Kinos intoniert hat. Weil mich das nicht sonderlich interessiert, habe ich schon während der Vorstellung angefangen mich zu fragen, in welchen von den Filmen ich gehen könnte, die im Vorprogramm für „demnächst“ angekündigt worden sind.

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Ein Kommentar zu “Filmkritik: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

  1. kowkla123 sagt:

    meinen Glückwunsch zum Frauentag, alles Gute, Klaus

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