Mein Verhältnis zu C. S. Lewis


Ich schätze Clive Staples Lewis sehr. Jedenfalls prinzipiell. Er geht mir, was Fragen des Glaubens anlangt, zu verstandesmäßig zur Sache. Das liegt vielleicht in seinem Werdegang begründet. 1898 in Belfast geboren, wurde er 1931 Christ, als er bereits die universitäre Laufbahn als Philosoph und Sprachwissenschaftler eingeschlagen hatte.

Meine "Dienst-anweisungen an einen Unterteufel". (Foto: Bernhard Huber)

Meine „Dienst-anweisungen an einen Unterteufel“. (Foto: Bernhard Huber)

Ich halte seine Art der Auseinandersetzung mit dem Glauben durchaus für verdienstvoll, zumal ich der Auffassung bin, dass Glaube und Vernunft wunderbar zueinander passen. Denn beide fordern einander heraus, und beide gehören zur Natur des Menschen. Es ist geradezu spannend, sich mit den Möglichkeiten der „Gottesbeweise“ zu beschäftigen. Kurt Gödel hat sogar einen mathematischen Gottesbeweis entwickelt, den er jedoch erst posthum veröffentlicht wissen wollte, weil er befürchtete, man würde ihn für gläubig halten. So beweiskräftig war er wohl doch nicht, und so beweiskräftig lässt sich Gott auch gar nicht beweisen.

Außerdem traue ich dem Verstand, den ich von der Vernunft unterscheide, nur bedingt über den Weg. Der Verstand ist ebenso klug wie trickreich. Die optischen Täuschungen sind ein beredtes Beispiel dafür. Unser Verstand sammelt im Laufe unserer Lebensjahre nicht nur Erfahrungen, er zieht daraus auch seine Schlussfolgerungen: Er lernt, ohne dass wir irgend etwas dafür tun. Allerdings werden wir samt unserer Vernunft dabei nicht selten von ihm überrumpelt. Ich stelle zum Beispiel fest, dass es mir immer schwerer fällt, Druckfehler aufzuspüren. Mein Verstand gleicht die Wörter, die ich lese, mit denen, die er im Sortiment hat, selbständig ab. Wenn nun ein Wort, obwohl falsch geschrieben, einem weitgehend ähnlich ist, das er kennt, schlägt er trotz des Fehlers nicht Alarm: Die Richtigkeit überwiegt. An einer völligen Wörterbuch-Korrektheit ist ihm nicht gelegen.

Im Prinzip ist das gar nicht dumm. Was bringt es schon, sich mit Druckfehlern herumzuschlagen? Mein Verstand verhält sich wie ein stummer Diener. Er kümmert sich selbständig um geitige Nebensächlichkeiten, damit ich mich im Glauben, alles sei in Ordnung, anderen, wichtigeren Dingen widmen kann.

Man versteht nun gewiss, was ich meine, wenn ich sage, ich traue meinem Verstand nur bedingt über den Weg, auch wenn ich ihn für sein wohlwollendes Schalten und Walten nicht genug loben kann. Er tut eben, was seines Amtes ist. Aber ich darf ihn nicht unbeaufsichtigt lassen und muss ihm immer wieder aufs Neue zeigen, wer der Herr über das Oberstübchen ist: ich.

Hinzu kommt, dass Glaube für mich eine Haltung ist, zu der jeder Mensch fähig ist, ohne dass er dazu spezielle Vorkenntnisse bräuchte. Schlichte Gemüter entscheiden sich ebenso zum Glauben an Gott wie tiefschürfende Denker. Wenn Jesus im Buch Matthäus (11,30) sagt: „Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht“, dann beziehe ich das auf den Glauben: Er drückt nicht und ist leicht, fast so, als wäre er nichts.

Lewis hat viel beachtete Romane geschrieben, allen voran die berühmten (und aufwendig verfilmten) Narnia-Chroniken; seine Klage nach dem Tod seiner Frau ist rührend zu lesen; in seinen Gedanken zu den Psalmen wirft er mit messerscharfer Brillanz Fragen auf, denen ein ernsthaft gläubiger Mensch nicht ausweichen sollte. Ich habe aber stets auch die Menschen im Blick, deren Glaube sich aus blindem Gottvertrauen speist und die Jesus ausdrücklich selig preist, weil sie, wie er sagt, nicht sehen und doch glauben.

Bei Lewis (wie auch bei Chesterton oder bei Sayers) wird kaum etwas der Intuition überlassen. Wenn ich ihn lese, wirkt das auf mich so, als solle die Freiheit des Menschen vom Verstand derart in die Enge getrieben werden, dass es für ihn nur noch einen Ausweg gibt: an Gott zu glauben. Das Herz wäre regelrecht paralysiert. Manchmal habe ich den Eindruck, Lewis schreibt das nur, um zu erklären, warum er nicht anders kann als an Gott zu glauben.

Dennoch schätze ich ihn, wie gesagt, sehr, einfach deshalb, weil auch ihn der Glaube umtreibt und den kritischen Fragen, mit denen es ein gläubiger Mensch zu tun bekommen kann, nicht ausweicht. Außerdem ist er in hohem Maße originell. Schon vor vielen Jahren bin ich auf ihn gestoßen, und zwar in Gestalt des Buches „Dienstanweisung für einen Unterteufel“, eine hübsch illustrierte Ausgabe, die im modernen Antiquariat angeboten worden ist, und diesem Buch sollen nun die letzten paar Zeilen dieses Essays gehören.

Der noch unbedarfte Teufelslehrling Wormwood erhält von seinem Onkel Screwtape Briefe voll mit erfahrungsgetränkten Ratschlägen, wie er sich in die Seele seines „Patienten“ einschleichen und diese schließlich entern kann. Geradezu rührend redet Screwtape seinem Schützling ins teuflische Gewissen, nur ja nicht in seinem Bemühen nachzulassen und eifrig die Seele seines Opfers zu studieren, um sie mit psychologischer Rafinesse zu umgarnen, ohne dass sie merkt, wie ihr geschieht. Screwtape relativiert darin gerade die Kraft der Vernunftgründe, mit denen Wormwood seinen Patienten für sich einnehmen möchte. Denn er analysiert die aktuelle geistige Lage der Menschheit dahingehend, dass an die Stelle der Vernunft Schlagworte getreten seien, gegen die man nicht argumentieren könne. Leider stellt sich Wormwood allen Ratschlägen zum Trotz ausgesprochen täppisch an, so dass der süßelnd-säuselndeTon Screwtapes mehr und mehr unwirsch und fahrig wird.

Diese kurze Beschreibung mag genügen, um das psychologische Genie, das Lewis fraglos eignet, aufzuzeigen. Bei allem Vergnügen verliert er nie den Ernst des Themas aus dem Auge. Im übrigen würde ich mich fast zu wetten trauen, dass sich Lewis selbst von Leuten, die dem Glauben als Atheisten oder als Agnostiker gegenüberstehen, mit Gewinn lesen lässt.

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Ein Kommentar zu “Mein Verhältnis zu C. S. Lewis

  1. kowkla123 sagt:

    Schönen Abend, Klaus

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