Mein Verhältnis zu P. G. Wodehouse


Dieser reine Wein hat mit der "Weinreinbringerin" Robert Gernhardts nichts zu tun. Könnte aber von mir aus. (Foto: Bernhard Huber)

Dieser reine Wein hat mit der „Weinreinbringerin“ Robert Gernhardts nichts zu tun. Könnte aber von mir aus. (Foto: Bernhard Huber)

Auch wenn es sich, was ich natürlich auf meine Kappe nehme, selten dämlich anhört: P. (für Pelham) G. (für Grenville) Wodehouse ist der optimistischste aller Schriftsteller. Seine Inspirationsquelle sind nicht die dunklen Seiten, sondern die Schrullen des Menschen.

In seinen Romanen gibt es keine Gesellschaftskritik, noch nicht einmal gallig-satirische Entlarvungen, es gibt vielmehr eine Menge zu lachen. Deshalb wäre es einer der größten Verluste für die Literatur, hätte P. G. Wodehouse nicht dem Schreiben von Romanen oblegen. Sollte jemals der Fall eintreten, dass dem Nobelpreiskomitee ein Literaturnobelpreis übrig bleibt, den man ausnahmsweise auch posthum verleihen könnte, würde ich ganz deutlich für Wodehouse plädieren, 1. weil überhaupt einmal was Humoristisches prämiert gehört und 2. P.G. Wodehouse gut ist.

Wodehouse benutzt die englische Oberschicht bis hin zum Adel, damit wir an deren Protagonisten unseren Spaß haben und vielleicht erkennen, dass die auch nicht viel anders ticken als wir. Aber auf sowas Philosophisches wie Erkenntnis kommt es Wodehouse gar nicht an.

Dabei muss ich zugeben, dass es mir bei den Wodehouse-Romanen so ging wie bei so vielen anderen auch. Ich lese die ersten Seiten und lege ihn auch schon wieder mit dem unbefriedigenden Gefühl von gepflegter Langeweile nach dem Motto „Alles schon mal dagewesen“ beiseite. Aber weil mir dieses unbefriedigende Gefühl innerlich zusetzt, nehme ich meistens irgendwann erneut den Kampf auf, und wenn ihn einer wie Wodehouse für sich entscheidet, erfüllt mich wonnige Behaglichkeit.

Das liegt vermutlich daran, dass uns Wodehouse von jeglicher Belehrung verschont. Nicht einmal der „Schatten einer Botschaft“, wie er sich selber ausdrückt, fällt auf sein Werk. Dabei steckt in der puren Unterhaltung mitunter mehr von einer Botschaft als in einer puren Botschaft. Was ist außerdem gleich nochmal die Botschaft des „Erlkönig“? Eben. Ach, es wäre dem Nobelpreiskomitee gewiss kein Zacken aus seiner dänischen Krone gebrochen, wenn es P.G. Wodehouse zu Lebzeiten in der Sparte Literatur mit einem Preis bedacht hätte!

Das Personal, das Wodehouse in seinen Romanen antanzen lässt, gehört ziemlich oft der englischen Aristokratie an, hat in jedem Fall keine Geldsorgen. Da ist zum Beispiel dieser angetrottelt wirkende Lord, dessen einziger Lebensinhalt ein Prachtschwein ist, dessen einziger Lebensinhalt es wiederum ist, tüchtig reinzuhauen, um bei einschlägigen Schönheitswettbewerben anzutreten und nach Möglichkeit auch zu gewinnen. Verwandte stehen in der Regel in keinem guten Ruf, weil sie meist einfach so hereinplatzen und die Bequemlichkeiten, auf die man viel Wert legt, aus den Angeln heben. Freunde tauchen ebenfalls stets im ungünstigsten Moment auf, nämlich dann, wenn sie unbedingt und sofort Hilfe brauchen, was ebenfalls zu Lasten der Bequemlichkeit geht. Nicht zuletzt sind da noch die Butler. Was wäre die englische Literatur ohne, die Queen natürlich ausgenommen, das englischste aller Lebewesen! Im Wodehouseschen Werk sind sie diejenigen, die niemals ihren quasiamtlichen Nimbus einbüßen, obwohl sie in ihrem Diensteifer schon auch mal auf Abwege geraten, das freilich nur zu dem Zweck, ihrer Herrschaft zu Diensten zu sein. Dabei muss man grundsätzlich feststellen, dass bei Wodehouse niemand ein Bösewicht ist, so dass die Frage berechtigt ist, ob er nicht doch klammheimlich eine Botschaft transportiert.

Ein Wodehouse-Werk verdient es, besonders herausgehoben zu werden, seine „autobiographischen Abschweifungen“ mit dem deutschen Titel „Reiner Wein“ (erschienen bei Suhrkamp). Dabei definiert er das Wort „Autobiographie“ auf eine völlig neue, nämlich auf eine Wodehouse-gemäße Weise. Man wird nicht mit einer Aneinanderreihung von Zahlen und Fakten gelangweilt, die als zahllose Fußnoten nur ein Chaos im überforderten Gehirn des Lesers anrichten. Im Gegenteil. Gleich am Anfang bringt er, selbstverständlich unter Verwendung zahlloser absurder Fußnoten seine Verachtung für sie zum Ausdruck. Er erzählt auch sein Leben nicht einfach chronologisch geordnet her. Er nimmt sich statt dessen die Fragen eines gewissen J.P. Winkler vor, der für eine Zeitung und für einen Radiosender die Serie „Jenseits der Siebzig“ zu verantworten hat. Das schmeichelt ihm, „denn nicht jeder Hinz und Kunz findet Aufnahme in eine Serie“. Und wenn jemand weder Hinz noch Kunz ist, dann P.G. Wodehouse. Ein Hoch auf ihn!

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2 Kommentare zu “Mein Verhältnis zu P. G. Wodehouse

  1. kowkla123 sagt:

    danke für die Info,alles Gute, Klaus

  2. emsemsem sagt:

    Dir auch alles Gute und herzliche Grüße!

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