Mein Verhältnis zum integrierten Lesebändchen


Neckischer Anblick (Foto: Bernhard Huber)

Neckischer Anblick (Foto: Bernhard Huber)

Es gibt Dinge, deren Wert unter Dauerbeobachtung steht, zum Beispiel der von Gold, von Aktien oder von Butter. Der Wert anderer Dinge ist uns eher gleichgültig, obwohl sie treu und zu unserem Komfort ihren Dienst verrichten. Dazu gehört das ins Buch integrierte Lesebändchen.

Es gab einmal eine Zeit, da schienen Bücher kein Interesse daran zu haben, tatsächlich gelesen zu werden. Ihr Satzspiegel huldigte einem ausgeprägten Minimalismus, der ganz nahe an der Lupengrenze vorbeischrammte. Es war die Zeit, als „Rowohlts Rotationsromane“ noch auf (billigem und mit der Zeit vergilbendem) Zeitungspapier gedruckt, mit Klebeband zusammengepappt wurden und unter der Marke „rororo“ das Buch für jeden, das „Taschenbuch“ nämlich begründeten.

Heute decken schon Taschenbücher ein Preissegment ab, das den durchschnittlichen Geldbeutel vor Scham rot anlaufen lässt. Sogar die Rede eines gerade amtierenden Bundespräsidenten oder Papstes wird heute zwischen zwei Buchdeckel, gestreckt auf nicht mehr als vierzig Seiten, untergebracht und in unmittelbarer Kassennähe für ganze zehn € angeboten.

Immerhin ist es erfreulich, dass immer mehr Bücher mit einem Lesebändchen ausgestattet sind, und fast möchte ich behaupten, dass heute ein Buch ohne Bändchen eigentlich keines ist. Ihm, dem Lesebändchen, eignet ein so hohes Maß an Nützlichkeit, dass es nicht das geringste mit Luxus zu tun hat. Im Gegenteil! Ein Verlag sollte auch vor zwei oder mehr Lesebändchen nicht zurückschrecken, etwa wenn eine Edition mit einem anmerkungsreichen Anhang versehen ist.

Wenn ich meine Augen über die Hinterteile meiner im Regal aufgereihten Bücher schweifen lasse, erheitern diese von ihnen herabhängenden fransigen Schwänzchen sofort mein Gemüt. Um es auf eine Formel zu bringen: Augenfreundlicher Satzspiegel + Lesebändchen = Lesevergnügen, allerdings mit der folgenden Einschränkung:
Leider lassen die Bücher, was ihre grafische Aufbereitung anlangt, sehr zu wünschen übrig. Ich rede von den Illustrationen, ein Genre, dem sich so herausragende Künstler wie Alfred Kubin oder Gustave Doré gewidmet haben. Waren etwa die kleinen Manesse-Büchlein in dieser Hinsicht einmal wahre Kleinodien, so beschränken auch sie sich heute auf die Präsentation der Buchstaben. Das ist zu wenig. Denn die Bildersprache ist nicht allein Sache der Comics. Aber, liebe Verlage, das mit dem Lesebändchen macht ihr echt dufte.

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3 Kommentare zu “Mein Verhältnis zum integrierten Lesebändchen

  1. kowkla123 sagt:

    man nimmt es als gewöhnt so an,schönen Sonntag, Klaus

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