Kommentar zu den Waffenlieferungen


Die Politik ist rat- und planlos angesichts der Massaker, die in Syrien und im Irak verübt werden. Besonders als die Miliz Islamischer Staat mit ihren Morden, Vergewaltigungen und Christenverfolgungen für Schlagzeilen sorgte, war das Ausmaß der Ohnmacht offenkundig. Da die Politik aber immer zumindest den Anschein von Handlungsfähigkeit erwecken muss, waren die USA im Bündnis mit arabischen Ländern auch ohne UN-Mandat zu Luftschlägen in Irak und Syrien bereit. Diese Luftschläge sind aber nur wenig wirkungsvoll, wenn es keine Bodentruppen gibt. Da bei der Entsendung eigener Soldaten die westlichen Länder Ermüdungserscheinungen zeigen, war die Idee der Waffenlieferung an die Kurden geboren. Die Waffenlieferungen stellen in meinen Augen eine dumme Idee dar.

Zunächst sollte nicht ganz vergessen werden, dass der Islamische Staat seine schweren Waffen zumindest teilweise erbeutet hat. Waffen für die Kurden werden mit einiger Sicherheit auch anderen politisch unerwünschten Gruppierungen in die Hände fallen. Die Unterstützung mit Waffen muss also unbedingt einhergehen mit einer ausreichenden Sicherung der Waffen, damit sie nicht in die falschen Hände geraten. Die internationale Gemeinschaft darf nicht den bequemen Weg gehen, sondern muss auch den Einsatz von eigenen Truppen zur Kontrolle über das Kriegsgerät beschließen.

Und damit wird auch die Planlosigkeit westlicher Politik offenbar. Die Unterstützung ausgewählter Konfliktparteien wird das derzeit wichtigste Ziel, nämlich die Wiedererlangung eines staatlichen Gewaltmonopols, nicht erreichen können. Selbst wenn in diesem Knäuel von Konfliktparteien, die wir, die wir mit der dortigen Kultur alles andere als vertraut sind, kaum kennen, eine von uns unterstützte den Sieg über die anderen davontragen könnte, wäre die Siegerin nicht dazu in der Lage ein anerkanntes Gewaltmonopol aufzubauen. Denn sie war ja eine Konfliktpartei und wird damit weiter angefeindet werden, selbst wenn sie auf Rache verzichten würde. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass der bequeme Weg ohne eigene Truppen Waffen zu schicken, in die Irre geht.

Wir dürfen uns nicht weiter Stellvertreterkriege verstricken. Wir müssen uns selbst aufmachen, die Konfliktparteien zu trennen. Und wir brauchen den Mut zur Feindesliebe, wenn wir dieses Ziel erreicht haben werden.

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4 Kommentare zu “Kommentar zu den Waffenlieferungen

  1. kowkla123 sagt:

    jede Form von Waffenhandel sollte verboten werden, beste Grüße, Klaus

  2. Waffenlieferungen haben noch nie einen Konflikt gelöst, einen Krieg beendet, ganz im Gegenteil. Ganz leicht lässt sich dieses daran erkennen, daß ein Großteil der IS mit Kriegsgerät ausgerüstet ist, welches seinerzeit von den Amerikanern in den Irak gebracht worden ist… Wie man Waffen sichern soll, damit sie nicht in Feindeshände geraten, ist mir allerdings rätselhaft… Außerdem bekämpft man mit Lieferungen von Rüstungsgütern lediglich die grauenhaften Wirkungen – und verstärkt diese noch dazu – und keineswegs jene Ursachen, die dazu geführt haben. Das ginge einzig und allein mit Verhandlungen, mit viel diplomatischem Geschick, Reden, Zuhören und einer ungemein großen Portion Toleranz.

  3. Feli sagt:

    Die aufgezählten Gräuel gibt es seit Jahren, und zwar durch die Schiiten an den Sunniten. Was den Westen jetzt entsetzt, sind die Morde an eigenen Bürgern, nicht die Morde eines Diktators am eigenen Volk.

    Weiterhin hat der IS die Erbeutung von Waffen kaum nötig; sie werden sie ganz regulär kaufen. Deutschland ist Europas größter Exporteur an Waffen, der größte Importeur dieser Waffen ist Saudi-Arabien. An Geld, diese Waffen zu bezahlen, mangelt es dem IS nicht. Wer aus dem Westen fragt schon danach, woher das Öl stammt (falls das überhaupt kontrollierbar ist). Welcher fanatische Sammler fragt danach, ob Altertümer geschmuggelt sind und wer das Geld dafür erhält.

    Geld regiert die Welt und sobald die Moral nicht mit wirtschaftlichen Interessen konform geht, muss sie auf der Strecke bleiben.

    • klugwurst sagt:

      Nach einem Artikel der FAS von vergangenem Sonntag, den 16.11., sind Waffen und Munition in „unbegrenzten Mengen“ von dem IS im Juni von einem irakischen Waffenlager in Mossul erbeutet worden. Dass der Waffenhandel besonders bedeutsam für die Ausrüstung des IS ist, ist mir bisher in den Nachrichten nicht aufgefallen.

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