Mein Verhältnis zum Social Freezing


Als das Wünschen noch geholfen hat, war der Klapperstorch für die demographische Entwicklung verantwortlich, und er hat seine Sache nicht schlecht gemacht. Plötzlich hat das Wünschen nicht mehr geholfen, weil der Mensch zu wünschen aufgehört und wirtschaftlich zu denken begonnen hat. Auf einmal war der Storch Monopolist, und schwupp hat ihm das Kartellamt die Lizenz entzogen. Seither fühlt sich niemand mehr fürs Kinderkriegen zuständig. Sogar bei Amazon, wo man sonst jeden Schnickschnack bekommt, kann man keine bestellen, und Apple und Facebook legen fürs Gegenteil sogar einen Batzen Geld auf den Tisch ihrer jungen Mitarbeiterinnen.

Denn Mitarbeiterinnen bringen einen großen Nachteil in die Firma mit: Sie sind Frauen, und weil es immer noch nicht gelungen ist, den Kinderwunsch in den Menschen abzustellen, sind gerade sie es, die plötzlich einen auf schwanger machen, sich mir nichts, dir nichts auf die Gesetzeslage berufen und Mutterschutz beanspruchen. Dann sind sie über Wochen und Monate ein einziges innerbetriebliches Minusgeschäft. Ihrem löblichen Beitrag zur Steigerung der Nettoreproduktionsrate steht der unverantwortliche zur Absenkung des Bruttoinlandsprodukts gegenüber.

Also tun die Ideenfabriken Facebook und Apple das Übliche: Sie zücken ihre gewinngefüllten Geldbeutel und übernehmen die Kosten, wenn junge Mitarbeiterinnen sich das mit dem Kinderkriegen noch einmal überlegen, es auf jeden Fall verschieben und ihre Eizellen einfrieren. So können sie sich weiterhin für ihre Firma aufarbeiten, während ihre Fortpflanzungsfähigkeit zur späteren Anwendung auf Eis liegt, für die in einem anderen Gefrierschrank irgendwo auf der Welt ein paar Samenzellen ebenfalls vor sich hin frosten.
Die Klapperstorch-Story hat mehr mit dem Leben zu tun als die renditegeilen Datenriesen aus dem Silicon Valley.

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6 Kommentare zu “Mein Verhältnis zum Social Freezing

  1. Beim Gedanken an das sogenannte Sozial Freezing friert’s mich, es läuft mir eiskalt über den Rücken…

  2. kowkla123 sagt:

    nicht sehr erbaulich das Ganze, beste Grüße, Klaus

  3. Schrecklich, dass die Welt so ist. Aber so lange die Welt so ist, ist es tatsächlich ein Stück Freiheit für Frauen…

    • emsemsem sagt:

      Das bezweifle ich. Die Wirtschaft hat es im Verbund mit der Politik verstanden, die Abhängigkeit von der Erwerbsarbeit als Freiheit aussehen zu lassen. (Das beginnt man allmählich zu begreifen.) Außerdem will mir die Rede von einem „Stück Freiheit“ nicht so recht behagen. Denn eine solche Freiheit wäre nicht von vorne herein als gut einzustufen, weil man dazu das Stück Unfreiheit, das noch verbliebe, berücksichtigen müsste.

      • Ich stufe das auch nicht als gut ein. Ganz im Gegenteil. Ich würde mir wünschen, dass Arbeit und Familie nicht in Konflikt miteinander stehen und dass sich Deutschland an anderen Ländern ein Vorbild nimmt die diesbezüglich bessere Politik betreiben.
        In Amerika scheint es aber so zu sein, dass die Frauen sich an die Firmen gewandt und darum gebeten haben, dass es ihnen bezahlt wird. Da ist es sehr freundlich von den Firmen, die ja nicht verpflichtet sind, dieser Bitte nachzukommen. Mich würde nteressieren, wie sie auf die andere Forderungen wie einen Firmenkindergarten reagiert hätten.
        Ich finde es schrecklich, dass Frauen darum bitten, da sie das Gefühl haben eine Familie sei so erstmal nicht möglich. Aber innerhalb des kleinen Rahmens dieser Vereinbarkeit, so wie er zu Zeit abgesteckt ist, ist es tatsächlich ein Stück Freiheit. Und mit deinem Argument liegst du ganz richtig: Mit der restlichen Unfreiheit muss man sich abfinden.

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