Zettel am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür


Ich gehöre zu den unermüdlichen Don Quixotes, die gegen die Windmühlen der Werbeindustrie ankämpfen. Darum frage ich bei jedem Vertrag nach dem durchzustreichenden Passus, der in die Datenweitergabe zu Werbezwecken einwilligt, darum klebt am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür ein Zettel, der den Einwurf von Werbung und kostenloser Zeitungen untersagt, und darum habe mich in die Robinsonliste eingetragen, deren Eintrag ich – fällt mir soeben mit Schrecken auf – demnächst verlängern muss. Apropos, mir ist immer noch nicht klar, worin die Rechtssprechung den Unterschied zwischen Werbekatalogen und werbefinanzierten kostenlosen Zeitungen sieht, den ich auf meinem Zettel am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür dennoch im guten Glauben an die Zurechnungsfähigkeit der Juristen berücksichtigt habe.

In diesem Umfeld von Werbebelästigungen mache ich auch bei der Bild-Zeitung, die in gefühlt zunehmender Häufigkeit kostenlose, von mir an der Ladenkasse zu bezahlende Ausgaben zu den Haushalten befördern lässt, keinen Unterschied. Die vorletzte dieser Ausgaben wurde mir trotz des in fast schon mit ihren Überschriften konkurrierender Schriftgröße gefassten Zettels am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür – Sie erinnern sich – vom Postboten der Deutschen Post eingeworfen. Diese Bild-Zeitungsausgabe sendete ich prompt mit dem Vermerk „Annahme verweigert. Zurück an Absender“ zurück; ohne Porto, versteht sich. Auch wenn die Bild-Zeitung unter uns selbstgerechten Bildungsspießbürgern einen Ruf eigener Art hat, so ist die geschilderte Behandlung dieser kostenlosen Ausgabe nicht das Ergebnis einer unsachlichen Diskriminierung, sondern meines Zettels am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür, von dem ich Ihnen, glaube ich mich zu erinnern, schon erzählt habe.

Dies alles galt aber nur bis heute. Heute ist mir in dem Wust der Werbezeitungen, die im Treppenhaus abgeladen werden und meist eh nicht bis in meine Wohnung gelangen, die WM-Ausgabe der Bild-Zeitung aufgefallen. Da bin ich dann doch schwach geworden und habe sie sogar eigenhändig in meine Wohnung getragen. Ich brauche nämlich wieder Zeitungspapier zum Einwickeln meines Bioabfalls, das im Zeitalter elektronischer Medien bei mir immer seltener geworden ist. Vielleicht entferne ich doch eines Tages meinen Zettel am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür, wie ich auch mittlerweile ein geläuterter Anhänger der Mülltrennung bin. Letzteres habe ich aber schon an anderer Stelle kundgetan und werde es auch die nächsten Tage wieder kundtun.

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6 Kommentare zu “Zettel am Briefkastenschlitz meiner Wohnungstür

  1. oldboyrap sagt:

    Puh, das ist ja Quälerei. Wäre ich Bioabfall, würde ich mich weigern, in eine Bild eingewickelt zu werden. 😀

  2. kowkla123 sagt:

    Gute Antwort des oldboyraps, schönes Pfingstfest

  3. Ich habe trotz „Nein-danke“-Schild am Briefschlitz ein Exemplar bekommen, es ungelesen zusammen gefaltet und in den Papiermüll gestopft…

    • klugwurst sagt:

      Die Papiertonne ist wahrscheinlich die gesündeste Art, mit den Werbezusendungen umzugehen, wenn es nicht irgendwie ums Prinzip ginge…

  4. Die Idee mit der Rücksendung ist super! Ansonsten bin ich da mit oldbyrap…*gg* 😉

  5. Leyla sagt:

    Ich mag Deine Art zu schreiben – es ist erfrischend, dass man hier im ach so überfluteten Internet auch mal einen denkenden Menschen antrifft. Sehr erfrischend. Und amüsant. 🙂

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