Mein Verhältnis zu „13“ von Black Sabbath


13 und weise geworden: Black Sabbath (Foto: Bernhard Huber)

13 und weise geworden: Black Sabbath (Foto: Bernhard Huber)

„Gelobt sei, was hart macht“, lässt Nietzsche seinen Zarathustra predigen. Ich bin nicht dieser Meinung, aber der Satz eignet sich ganz gut als Einstieg in die Welt des Heavy Metal. Denn in dieses Schublade gehört das neue Album „13“ von Black Sabbath.

Ich bin kein Heavy Metal-Fan, weil ich überhaupt kein „Fan“ bin. Ich höre die Musik, die mir interessant erscheint, und wenn sie mir gefällt, höre ich sie öfter. „13“ habe ich schon öfter gehört, und inzwischen gefällt mir die CD so gut, dass ich ihr hier die Ehre erweisen möchte. 13 ist ein herausragendes Kunstwerk, jawohl das ist es.

Nicht nur, dass die Musik bisweilen geradezu symphonische Qualitäten hat, die orchestral arrangiert bestimmt bestens funktionieren würde; auch die Texte sind von einem überwältigenden Raffinement. Nicht zu vergessen die Gestaltung des Covers. Allerdings schränke ich ein: Ich behaupte das, ohne mich in Musiktheorie auszukennen oder genügend von der Muttersprache Shakespeares zu verstehen. Ich behaupte das als leidenschaftlicher Interessent des Guten.

Als erstes Beispiel führe ich das Stück „God is dead“ an. Darin wird die Frage nach Gott gestellt und in der Schwebe gehalten. Aber es wird auch deutlich, dass Zweifel an Gott letztlich Zweifel des Menschen an sich selber sind. Besonders gelungen finde ich, dass das titelgebende „God is dead“ sowohl eine Feststellung als auch, merklich gemacht durch eine Hebung, als Frage verstanden werden will, vielleicht auch als eine Aufforderung an Gott, endlich für Klarheit zu sorgen.

In dem Track „Methademic“, in dem vor den Designerdrogen gewarnt wird, finden sich die Zeilen: „You try to stop, but it controls you. Your love affair with it won’t last. You’re on a suicidal ride of self-destruction, and in the end you’re gonna crash.“ Was so einfach wirkt, ist schon alleine des sprachlichen Klanges wegen genial. Hier wird gedichtet nach allen Regeln der poetischen Kunst.

Dass diese CD mehr als Entertainment bietet, sieht man auch an den textlichen Anspielungen. Der Bitte, die Jesus vom Kreuz herab vortrug: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ verleiht Black Sabbath eine unerhörte Tiefe, indem sie in scheinbar blasphemischer Weise paraphrasiert wird: „Dear father, forgive me. I know just what I’m doing.“ Also: Vater vergib mir, ich weiß genau, was ich tue. Wenn man bedenkt, dass der Mensch, der Gott um Vergebung bittet, weiß, dass er wieder sündigen wird, lässt sich der Songtext auch so deuten: Vater, vergib mir, ich bin ein Sünder. Wie dem auch sei: Ich bin sicher, Gott wird vergeben. Denn eine ehrlichen Herzens vorgetragene Bitte verhallt nicht ungehört bei ihm.

Ach ja, auch die Widmung hat es mir angetan, und zwar die von Sänger Ozzy Osbourne, der „13“ seinem Sohn Jack zueignet mit der selbstkritischen Bemerkung: „Er ist der Mann, der ich immer sein wollte.“ Man möchte es nicht für möglich halten: Väterliche Gefühle auf einem Heavy Metal-Album, das ich schon heute als Klassiker einstufe, nicht des Heavy Metal, sondern der Musik überhaupt.

P.S.: Muss ich betonen, dass man an diesem Album nur dann Freude haben kann, wenn man an Rockmusik generell interessiert ist, und dabei auch vor Heavy Metal nicht zurückschreckt? Muss ich nicht. Aber so ist es nun einmal.

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Ein Kommentar zu “Mein Verhältnis zu „13“ von Black Sabbath

  1. kowkla123 sagt:

    interessant,,aber ich bin auch kein Fan davon, schönen Dienstag, Klaus

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