Methodischer und unmethodischer Atheismus


Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen wie die Physik haben sich einem sogenannten methodischen Atheismus verschrieben. D. h. es wird die Annahme eines Gottes als Methode wissenschaftlicher Forschung ausgeschlossen. Da Gott nur methodisch ausgeschlossen wird, sagen also die Erkenntnisse dieser wissenschaftlichen Disziplinen nichts über die Gottesfrage aus.

Trotz dieser Beschränkung versuchen verschiedene Wissenschaftler im Rahmen populärwissenschaftlicher Publikationen ihre gewonnenen Erkenntnisse auf die Gottesfrage zu übertragen. Dabei verlassen sie ihre Disziplin. Diese Tatsache wird häufig aus Gründen der Vermarktung und einer unsachlichen Polemik gegen Religionen unter den Tisch gekehrt. Der Atheismus der Wissenschaftler ist als eine eigene Disziplin zu sehen, die derzeit noch in den Kinderschuhen steckt und nach meinen Beobachtungen noch einige methodische Mängel aufweist. Dies möchte ich in einem Vergleich mit den theologischen Wissenschaften darlegen.

Theologische Wissenschaften greifen die Erkenntnisse aller wissenschaftlicher Disziplinen, die ihren Forschungsgegenstand wie beispielsweise die Bibel betreffen, auf. Diese Erkenntnisse werden ganzheitlich betrachtet und analysiert, um in diesen das Wirken Gottes zu erkennen.

Der Atheismus der Wissenschaftler versucht auch wissenschaftliche Erkenntnisse ganzheitlich zu betrachten und daraus Erklärungsmuster zu entwickeln, die gegen die Existenz Gottes sprechen. Dabei gibt es aber Berührungsängste mit einigen Disziplinen. So findet nach meinem Kenntnisstand kein systematischer Austausch mit den Religionswissenschaften und den theologischen Wissenschaften statt., während umgekehrt sogar bei Heiligsprechungsverfahren Gutachten von Atheisten eingeholt werden.

Beispielsweise ist der berühmte Physiker Stephen Hawking der Ansicht, dass das Universum eine spontane Schöpfung des Nichts sei. Dass aber das Nichts dann Gott sein könnte, wird nicht weiter reflektiert. Dabei werden Erkenntnisse des altgriechischen Philosophs Aristoteles ausgeklammert. Denn für diesen ist der unbewegte Beweger Gott.

Um ein ernsthaftes Gegenprogramm zur Theologie zu werden, müssen die Methodiken des Atheismus, dem sich verschiedene Wissenschaftler verschrieben haben, noch deutlich verbessert werden. Dass beispielsweise fast ausschließlich wissenschaftliche Disziplinen, die sich aus methodischen Gründen atheistisch verhalten, einbezogen werden, ist eine große Schwachstelle. Dadurch klingen die Hawkings und Dawkinses derzeit nur zirkulär: Es gibt keinen Gott, weil es keinen Gott gibt.

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3 Kommentare zu “Methodischer und unmethodischer Atheismus

  1. kowkla123 sagt:

    ich bleibe es auch, KLaus

  2. Benjamin Steiner sagt:

    Eine Gottes-Hypothese wird deshalb aus der wissenschaftlichen Forschung ausgeschlossen, weil man nichts darüber sagen kann. „Gott“ ist etwas, was man weder belegen noch widerlegen kann. Sprich: Ausgedacht. Eine Behauptung, wo ich nicht einmal einen Bruchteil belegen kann, ist ausgedacht. Die Wissenschaft kann sich mit allem beschäftigen was es gibt, bei Gott ist eben das Problem, dass das nicht der Fall ist. Oder kann mir jemand vorschlagen, wie man Gott in die Wissenschaft eingliedern kann?
    Gott als eine „Ursache des Universums“ im Übrigen ist nichts weiter als dieser Ursache einen Namen zu geben. Dieser „Gott“ hat rein gar nichts mit dem literarischen Wesen zu tun, das ein antikes Volk durch die Wüste gelotst haben soll, sich dann in einen Menschen inkarniert hat und an einem Kreuz gestorben ist. (Und sich dazu noch darüber aufregt, wenn am Sabbat gearbeitet wird.) Seien wir doch mal realistisch: Wenn wir auf das Universum als Ganzes blicken, stellen wir fest, dass jede mögliche Ursache des Universums rein GAR NICHTS mit den halbstarken Affen am Rande der Milchstraße zu tun hat.
    Über die Ursache des Universums wissen wir nichts, die GRUNDbehauptungen der Bibel (Adam und Eva, Sintflut, Wasser in Wein verwandeln etc.) sind WIDERLEGT, denn diese Dinge kann man historisch und naturwissenschaftlich nachprüfen.
    Phantasiewesen sind Phantasiewesen, ob Jahwe, Allah, Zeus oder Harry Potter. Sie haben nicht die Fähigkeit, die Entstehung des Universums zu beschreiben und zu erklären, auch wenn es keine andere Erklärung gibt.

    Es muss berücksichtigt werden, dass es auch Richard Dawkins im Grunde genommen nur darum geht, die Unwissenheit über die Entstehung unseres Universums nicht für religiöse Unterdrückung und Bevormundung hier auf der Erde zu missbrauchen. Darüber sind wir uns doch einig, oder?

    • emsemsem sagt:

      Die These, man könne Gott weder „belegen noch widerlegen“, ist fragwürdig. Jedenfalls gibt es unter dem Stichwort „Gottesbeweise“ bis in unsere Tage hinein philosophische Versuche in beide Richtungen. Sogar Atheisten haben die Möglichkeiten ihres Denkens dieser Frage gewidmet und durchaus „Belege“, die für oder gegen die Existenz Gottes sprechen, entwickelt. Etwas anderes ist die Frage, ob und warum sich jemand entscheidet, an Gott entweder zu glauben oder nicht. Jedenfalls wäre ein nach allen Regeln der Wissenschaft bewiesener Glaube keiner mehr.

      Wenn nun aber weder Gottes Existenz noch seine Nicht-Existenz nicht bewiesen werden kann in dem Sinne, dass man „zwingend“ an ihn glauben muss oder nicht, dann ist die Wissenschaft, die den Atheismus allein als Methode zulässt, einseitig. Sie müsste einen methodischen „Theismus“ auch zulassen.

      Dass wir über die Ursache des Universums nichts wissen, ist eine kühne Behauptung. Natürlich war niemand von uns persönlich dabei. Aber ich halte den Menschen für fähig, mit wissenschaftlichen Methoden Licht in das Dunkel des Anfangs zu bringen. Außerdem ist gerade das wesentlich für die Wissenschaft, nach Erkenntnis auch von solchen „Realitäten“ zu streben, die sich dem unmittelbaren Erleben entziehen. Nebenbei: Es ist ein Widerspruch zu behaupten, wir wüssten nichts über die Entstehung des Universums, und zugleich mythische Erzählungen der Bibel (etwa im Buch Genesis) für widerlegt zu erklären. Man kann denselben Sachverhalt nicht gleichzeitig wissen und nicht wissen.

      Unterdrückung und Bevormundung lehne ich selbstverständlich auch ab. Aber es ist ein irrationales Vorurteil zu meinen, das passiere nur mit theistischem und nicht auch mit atheistischem Vorzeichen. Niemand kann unter Zwang glaubwürdig an Gott glauben so wie niemand ein Spiel gewinnen kann, wenn er es nicht nach den vereinbarten Regeln spielt.

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