Filmkritik: Grand Budapest Hotel


Pinkelhaftes Getue vs. Stil und Charakter

Grand Budapest Hotel: Ein Film, der so heißt, erinnert einen wie mich erst einmal an einen Roman, der so heißt: Grand Hotel Babylon (von Arnold Bennett). Damit hat es sich auch schon, denn die beiden haben nichts miteinander zu tun. Aber der Film hat, wie man im Nachspann erfährt, mit Stefan Zweig zu tun, von dem ich nun wiederum noch keine einzige Zeile (einschließlich der berühmten Schachnovelle) gelesen habe, so dass ich dazu nichts weiter sagen kann. Ich nehme das einfach zur Kenntnis und hin.

Vornehm ging es hier einst zu, sehr vornehm. Der gestrenge Consierge Monsieur Gustave war um das Wohl der Hotelgäste bemüht und führte als Chef ein entsprechendes Regiment. Unter den Gästen richtete er sein besonderes Augenmerk auf reiche, ältere Damen, denen er auch schon mal sexuell die Aufwartung machte. Die Verwicklungen beginnen, als Monsieur Gustave ein wertvolles Gemälde aus dem Nachlass von Madame Desgoffe und Taxis erbt. Denn die Polizei ermittelt wegen Mordes, und der Verdacht wird von der skrupellosen Familie der Verblichenen auf Monsieur Gustave gelenkt, der sich prompt bald hinter Gittern befindet. Ihm gelingt jedoch mithilfe des Lobbyboys Zero Moustafa die Flucht, so dass er nun selber Ermittlungen anstellen kann, um seine Unschuld zu beweisen. Dabei kommt es zu allerhand bizarren, leicht überdrehten Szenen, wobei auch schon mal ein James Bond-Film als Inspirationsquelle dient.

Viele Jahre später, diese Affäre ist längst ausgestanden, verirrt sich kaum mehr ein Gast hierher. Doch Zero Moustafa, nun der Besitzer, leitet das Hotel im Geiste von Monsieur Gustave so, als wäre die Zeit stehen geblieben. Zwar nagt deren Zahn an dem Gebäude und seiner Ausstattung, aber der Komfort, den es bietet, ist noch immer der Komfort eines Grand Hotels.

Auch wenn das Hotel und das Land Zubrowka, in dem sich die Ereignisse abspielen, fiktiv sind, so ist es der zeitgeschichtliche Hintergrund, obwohl verfremdet, keineswegs. Es ist die Zeit um 1930, in der sich der Schatten einer ominösen Diktatur über die Welt zu legen beginnt. Einer ihrer Ausläufer, die Organisation ZZ (für Zig – Zag), deren Outfit an das der modernen Gothic-Szene erinnert, dringt bereits in das Alltagsleben der Menschen vor, auch in den glamourösen Kosmos des Grand Budapest Hotel.

Obwohl der Film die Noblesse reicher Leute vor luxuriöser Kulisse als pinkelhaftes Getue entlarvt, ist er doch eine Hommage auf ein Benehmen, in dem Stil und Charakter eine Symbiose bilden und das gerade in heiklen Situationen seine Größe zeigt.

Es gibt nur sehr wenige sehr gute Filme, und sehr gut ist dieser Film nicht. Es gibt aber viele gute Filme, und unter denen gehört Grand Budapest Hotel zu den besten.

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3 Kommentare zu “Filmkritik: Grand Budapest Hotel

  1. kowkla123 sagt:

    kenne ich leider nicht, KLaus

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