Filmkritik: …und Äktschn!


Nach der Erinnerung kommt die Geschichte.

Hans Pospiech (Gerhart Polt) ist Filmproduzent. Er sieht sich in der Tradition der Großen Hollywoods. Schließlich haben die wie er auch in Garagen angefangen, ehe sie zu den legendären Mogulen mit den großen Studios geworden sind.

Dokus, Dramen und Dokudramen sind seine Spezialität. Für diese bislang von keinerlei Erfolg gekrönten Leidenschaft hat er sogar seine Ehe geopfert. Ein bisschen Geld bringt ihm der Verkauf von ererbten Nazi-Memorabilien. Den Ruin vor Augen, bietet sich ihm überraschend die Chance seines künstlerischen Lebens. Die Sparbank, deren Kunde (mit gesperrter EC-Karte) er ist, lobt einen mit 30.000 € dotierten Preis aus: die Goldene Klappe. Dafür will er das Privatleben Adolf Hitlers verfilmen. Sofort trommelt er eine Crew zusammen, die sich sehen lassen kann, jedenfalls in Neufurth. So besetzt er die Eva Braun mit der Chefin seiner Stammkneipe (Gisela Schneeberger). Mit diesem hochfliegenden Vorhaben hofft er, eine Lücke in der Aufklärung über die Hintergründe der Nazi-Zeit schließen zu können. Dass dieser Film die Goldene Klappe bekommt, ist für den Leiter der Sparbank von Anfang an eine ausgemachte Sache. Sie bringt ihm schließlich Geld, und Hans Pospiech bringt sie endlich Anerkennung in Neufurth. Endlich am Ziel seiner Produzententräume angelangt, schreitet er sogleich zu neuen Taten: Wer war der Sohn Gottes privat?

Wie so oft bei Polt, bleibt einem das Lachen, wozu es in dieser Groteske reichlich Anlass gibt, zeitweise im Halse stecken. Es wird einem bewusst, dass die Erinnerung an die Zeit der mörderischen Nazi-Diktatur durch den Tod der letzten Zeitzeugen mehr und mehr verblasst und bald nur noch Teil der Geschichte und derer, die sie erforschen, ist. So werden wir es wohl auch noch erleben – und wir erleben es ja bereits –, dass Hitler als harmlos scheinende Comedy-Figur verramscht wird. Eine bizarre Entwicklung, der sich auch dieser Film nicht entgegenstemmen kann.

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4 Kommentare zu “Filmkritik: …und Äktschn!

  1. kowkla123 sagt:

    manchmal sollte man sich erinnern, Klaus

    • emsemsem sagt:

      Ja, man sollte. Aber es gehört zum Gang der Dinge, dass Erinnerung verblasst, was einen natürlich nicht von einem verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit entbindet.

  2. Ich freue mich auf den Film.

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