Mein Verhältnis zur Frage, wann wir eigentlich leben


Noch immer weiß niemand, wann genau sich die Moderne in die Post- und diese in die Postpostmoderne gewandelt hat. Bis heute hat es nicht einmal die Opposition für nötig befunden, die Bundesregierung mit einer diesbezüglichen parlamentarischen Anfrage unter Druck zu setzen.

Deshalb und weil manche Kulturhistoriker auch die Postpostmoderne schon wieder für überholt ansehen, dürften vermutlich selbst Star-Philosophen wie Peter Sloterdijk und sein Kontrahent Richard David Precht vor der Frage kapitulieren, in welchem Zeitalter wir heute leben. Eine Postpostpostmoderne wäre nicht nur reichlich fantasielos, sie wäre auch zuviel Post auf einmal.

Dass unter diesen Umständen nicht wenige Menschen die Orientierung verlieren und in jedem Ereignis, das sie nicht einordnen können, entweder den Klimawandel am Werk oder gleich den Weltuntergang anbrechen sehen, kann nicht verwundern. Dass sie jedoch glauben, sowohl der einen als auch der anderen Katastrophe in einem Bunker entrinnen zu können, in dem sie es sich im Notfall neben Konserven gemütlich machen würden, verwundert durchaus, es sei denn, wir haben es mit einem Science-Fiction-Fan zu tun.

Der taucht für die Dauer eines Romans oder eines Films nur vorübergehend in die fiktive Welt denkbarer Unmöglichkeiten ein. Eine davon besteht darin, dass die Apokalypse nicht das Ende markiert, sondern den Auftakt der Postapokalypse, in der das Leben nur noch ein langweiliges Über-Leben ist. Weil dem buchstäblich der Boden unter den Füßen abhanden gekommen ist, spielt sich der postapokalyptische Daseinskampf häufig in Raumschiffen ab, die endlose Bahnen durch das Universum ziehen. Das postapokalyptische ist also wie das gegenwärtige ein Leben in der Schwebe. Das macht die Antwort auf unsere Frage nur noch dringlicher: Wann leben wir heute eigentlich?

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2 Kommentare zu “Mein Verhältnis zur Frage, wann wir eigentlich leben

  1. Pfeffermatz sagt:

    In der Präapokalypse, oder?

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