DAX-Höchststand?


Der Leitindex DAX knackt die Marke von 9000 Punkten und alle Börsianer jubeln, meldeten sinngemäß einige Medien. Hohe Kurse sind in den Börsenteilen meist gute Kurse. Die angebliche Vermittlung von Finanzwissen driftet häufig in Binsenweisheiten des Boulevardjournalismus ab. Zwar wurden bei der Meldung des neuen Höchststandes vom Freitag (25. Oktober) auch differenzierte Töne laut. Die Süddeutsche beispielsweise warnt vor Risiken. Doch irgendwie ist die Auskunft, höhere Rendite bedeute höhere Risiken, auch nicht sonderlich verständnisfördernd.

Es gibt trotz einiger ausgefeilter Theoriegebäude in den Wirtschaftswissenschaften immer noch keine in sich schlüssige Gesamtsicht darauf, wie sich die Kurse und aus welchen Gründen entwickeln. Dennoch gibt es einige Teilaspekte, die ein differenziertes Bild abgeben. Wir wollen einen kleinen Ausschnitt betrachten, den Zusammenhang von Zinsen und Kursen.

Nehmen wir einmal an, wir wüssten über die Zukunft einer Firma SuperPerformer Bescheid und wüssten ganz genau, welche Dividende sie ausschüttet. Außerdem nehmen wir an, dass es keine Inflation gibt. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass SuperPerformer nur im kommenden Jahr pro Aktie eine Dividende von zehn Euro ausschüttet. Wie hoch ist der Kurs einer solchen Aktie? Die Antwort lautet erst einmal, dass dies noch keiner wissen kann. Preise sind in einer Marktwirtschaft immer Hilfsmittel, um Güter tauschen zu können. D. h. um einen Kurs ermitteln zu können, benötigen wir noch ein anderes Finanzprodukt.

In den meisten finanztheoretischen Modellen wird ein festverzinsliches Wertpapier, das eine sichere Verzinsung liefert, eingeführt. Solche Papiere gibt es in der Wirklichkeit nur näherungsweise. Diese Modellannahme kann sehr problematisch sein, da sich im Zuge der Finanzkrise einige vermeintlich sichere Staatsanleihen als risikobehaftet herausgestellt haben. Da wir aber uns eh in einem sehr kleinen Modellausschnitt befinden, nehmen wir auch dies an. Das festverzinsliches Wertpapier können wir uns wie ein Sparkonto vorstellen, das nach einem Jahr das heutige Guthaben und einen gewissen Zins gutschreibt.

Nehmen wir an, der Zinssatz beträgt null Prozent. D. h. bei einem Startguthaben von zehn Euro haben wir nach einem Jahr weiterhin zehn Euro auf dem Konto. Zehn Euro im nächsten Jahr bekommen wir auch als Dividende von SuperPerformer. D. h. es ist egal, ob ich zehn Euro ein Jahr lang auf dem Sparkonto lasse oder mir eine Aktie von SuperPerformer kaufe. Damit ist aber auch klar, wie viel die Aktie von SuperPerformer wert ist, nämlich zehn Euro. Dies sind genau die zehn Euro, die ich auf mein Sparkonto legen müsste, um in einem Jahr über die Dividendenhöhe von zehn Euro verfügen zu können.

Steigern wir uns nun im Komplexitätsgrad und nehmen an, dass der Zins 100% beträgt. Wie hoch ist dann der Kurs der Aktie von SuperPerformer? Wieder leitet sich die Antwort daraus ab, wie viel wir auf unser Sparkonto legen müssten, um in einem Jahr zehn Euro, das ist die Dividendenhöhe der Aktie, erhalten zu können. Wenn wir fünf Euro auf das Konto buchen, beträgt unser Guthaben in einem Jahr genau zehn Euro, da wir zusätzlich zu unserem Guthaben noch fünf Euro Zinsen gutgeschrieben bekommen. Und damit ist klar, dass die Aktie fünf Euro wert ist.

In unserem sehr einfachen Beispiel sieht man, dass der Kurs der Aktie keine Aussage darüber trifft, wie gut es der Firma geht. Der Firma geht es sogar gleich gut, da sie immer die gleiche Dividende ausschüttet. Dies liegt erst einmal an dem einfachen Modell. In komplizierteren Modellen kann durchaus ein Zusammenhang zwischen dem Zins und der Realwirtschaft hergestellt werden. Der Zusammenhang ist aber diffizil und nicht so leicht zu durchschauen. Wichtig ist mir aber die Kernbotschaft: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Kursen und wirtschaftlichem Aufstieg. Die aktuell hohen Aktienkurse sind vor allem in dem niedrigen Zinsniveau begründet.

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5 Kommentare zu “DAX-Höchststand?

  1. bertrandolf sagt:

    Die Rechnung verstehe ich nicht wirklich, vielleicht ist sie zu simpel für mich 😀

    Meinst du mit dem Wert der Aktie, den Mehrwert über den handelsüblichen (absolut) sicheren Marktzins?

    Die Kernbotschaft verstehe ich schon. Bei einem Marktzins von 0% macht es Sinn sich nach anderen Produkten, die vielleicht Risiko beherbegen, aber auch eine Gewinnaussicht über 0% haben, umzusehen. Die heutigen realen Zinsen sind meist zwischen 0% und wegen der Inflation manchmal sogar im Minus. Entweder das Geld verliert auf dem Sparbuch wert oder es wird in Aktien angelegt, wo ein Kursgewinn verbucht werden könnte.

    Deswegen wählen viele die 2te Alternative. Und weil viele Aktien kaufen, steigen auch die Kurse. Und weil die Kurse steigen, kaufen noch mehr Aktien(prozyklischer MArkt). Dadurch bilden sich Blasen und das Risiko steigt immens, das irgendwann Kursverluste kommen und alle Aktien verkaufen wollen. Zumindestens in der Theorie, heutzutage spielt der Hochfrequenzhandel noch eine sehr große Rolle.

    • klugwurst sagt:

      Du bist ja dem Artikel meilenweit voraus. Das Beispiel ist wirklich ganz, ganz einfach gedacht. Es ist von jeglichem Risiko abstrahiert worden (die eine Dividende von 10 Euro steht heute schon fest; danach hört die Firma SuperPerformer der Einfachheit halber zu existieren auf). Es ging mir auch nicht um Spekulationsblasen.

      Wenn es eine risikolose Aktie in dieser Welt gibt (gibt es natürlich nicht) und es gibt das beschriebene Sparbuch, so wird der Preis der Aktie so lange hochgetrieben werden, bis er genau bei zehn Euro liegt und die Aktie damit die gleiche Verzinsung von 0% abwirft.

      Analog ist bei 100% Verzinsung der Kurs der Aktie zu hoch. Alle würden sonst ins Sparbuch gehen. Damit die (risikolose!) Aktie gehandelt wird, muss der Kurs auf 5 Euro sinken, damit sie die gleiche Verzinsung wie das Sparbuch abwirft.

      Dies beschreibt anschaulich, wie es bei diesen niedrigen Zinsen ein sehr hohes Zinsänderungsrisiko gibt. Steigen nämlich die Zinsen und bleiben die sonstigen wirtschaftlichen Rahmendaten vollkommen identisch, werden die Aktienkurse sinken.

      Ist die Aktie risikobehaftet, wird die Aktie unter normalen Umständen noch mehr kosten als in meinem Beispiel. In einem spekulativen Überschwang kostet sie sogar zu viel, wie du schon herausgearbeitet hast.

      • bertrandolf sagt:

        „(die eine Dividende von 10 Euro steht heute schon fest; danach hört die Firma SuperPerformer der Einfachheit halber zu existieren auf)“

        Ja genau, das hat mich richtig verwirrt. Ansonsten die Auszahlbeträge gleichgesetzt und max. Einkaufskurs = K0 und 1 Investitionsentscheidung. Dachte sonst immer sofot an umgelenkte Kapitalströme und Gewinnmaximierung. So habe ich das Problem noch nie betrachtet, auch nicht schlecht.

  2. kowkla123 sagt:

    danke für den Kursus, aber ich selber bin zu feige, um zu spekulieren,einen guten Sonntag wünsche ich, Klaus

    • klugwurst sagt:

      Feigheit ist sicherlich der falsche Ausdruck. Vernunft trifft es besser. Als Kleinanleger ist man zu langsam gegen die professionellen Anleger, um nennenswerte Gewinne erwarten zu können.

      Danke, wünsche ebenso einen schönen Sonntag, Martin.

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