Mein Verhältnis zu einem ganz bestimmten Konzert der Rolling Stones


Das sind meine Freikarten für die Stones 1982 in München. Trotz des abgetrennten Kontrollabschnitts ist ihr Markenzeichen zu erkennen: die Zunge. (Foto: Bernhard Huber)

Das sind meine Freikarten für die Stones 1982 in München. Trotz des abgetrennten Kontrollabschnitts ist ihr Markenzeichen zu erkennen: die Zunge. (Foto: Bernhard Huber)

Nach 50 Jahren gehören die Rolling Stones zweifellos zum Inventar der Rockmusik. Trotzdem werden auch ihnen die Karten für ihre aktuelle Tournee nicht gerade aus den Händen gerissen, kein Wunder, wenn man liest, dass dafür an die 600 Dollar verlangt werden – regulär und nicht auf dem Schwarzmarkt.

Ich gehöre zu denen, die sie einmal live gesehen haben, und zwar am 11. Juni 1982 im Münchner Olympiastadion. Außerdem gehöre ich zu denen, die dafür nichts zahlen mussten, und das kam so:

Ein Hörfunk-Sender des Bayerischen Rundfunks (es war wahrscheinlich Bayern 3) hatte damals Freikarten zu vergeben, was er allerdings von einer eigenartigen Bedingung abhängig machte: Man sollte einen vierzeiligen Vers dichten. Da mir das Verseschmieden schon damals nicht ganz fremd war, hatte ich recht rasch die erforderlichen vier Zeilen auf einer Postkarte notiert, die ich unverzüglich abschickte. Zwei oder drei Tage später fand sich prompt ein Kuvert der BR-Abteilung „Leichte Musik“ im Briefkasten, der die „Mit besten Empfehlungen“ übersandten Karten enthielt.

Das Konzert habe ich bis heute in bester Erinnerung. Es war erstens einmal eine gute Gelegenheit für mich als Student, meine jetzige Frau richtig groß auszuführen. Außerdem staune ich bis heute darüber, welche Präsenz diese Band von der ersten bis zur letzten Sekunde auf der Bühne zeigte. Dabei war das Vorprogramm auch nicht gerade von Pappe. Neben der damals ganz gewaltig angesagten Band J.Geils Band trat Peter Maffay auf, der eine durchaus beeindruckende Show hinlegte, obwohl ihn das Publikum, das in ihm den Schlagersänger sah, anfangs nicht gerade willkommen hieß. Als aber der Veranstalter, der kürzlich verstorbene Fritz Rau an die Toleranz der Versammelten appellierte, konnte sich Maffay durchaus Respekt verschaffen. Aber dann kamen die Stones, die von der ersten Sekunde an souverän klar machten, wem der Abend gehörte.

Ich habe das Konzert allerdings auch deshalb nicht vergessen, weil es ganz schön laut war. So laut, dass sich mein rechtes Ohr noch Tage danach etwas pelzig anfühlte, weshalb ich Rockkonzerte seither meide. Schließlich will ich außer Rockmusik auch noch andere akustische Signale aus meiner Umwelt wahrnehmen.

Ach ja, der Vierzeiler, dem ich das alles verdankte, lautet im bayerischen O-Ton:

De rollenden Stoana
kemman auf Minga.
Und kriag i koa Kartn,
dann daad a ma stinga.

Ins Standarddeutsche übertragen:
Die rollenden Steine
kommen nach München.
Und krieg ich die Karten nicht,
dann wäre ich stinkig.

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6 Kommentare zu “Mein Verhältnis zu einem ganz bestimmten Konzert der Rolling Stones

  1. das liest sich so, als wäre es gestern gewesen.

    600 Dollar für ein Konzert..du meine Güte, wer soll das bezahlen. Für das gemeine Volk i st das Konzert jedenfalls nicht.

    Mich juckt es allerdings nicht..ich war noch nie Fan von den Rolling Stones, aber warm das so ist, das weiß ich nicht, den ich höre Rockmusik immer noch gern und bei Bedarf auch laut. Mir
    liegen geschmacklich eher die 2.und 3. Platzierten in der Beliebtheit.

    LG Ostseemaus

    • emsemsem sagt:

      Ich kann es selber kaum glauben, dass das schon so viele Jahre zurückliegt, habe aber immer noch eine riesige Freude an der Erinnerung. Ich bin auch kein Fan der Stones, höre einige ihrer Sachen immer noch ganz gerne. Vor allem aber finde ich es erstaunlich, dass die Band immer noch mitmischt.

      • ja..das finde ich auch. Jaggers Tanzstil auf der Bühne sieht immer noch drahtig, obwohl sein Gesicht schon 1 000 Falten schlägt ;-). Aber sie mischen immer noch ganz vorn mit…Respekt.

        Die Rock´n Roller mitt ihrer Handgemachten Musik können wirklich bis zur Rockerrente und darüber auf der Bühne spielen. Sie haben es im Gegensatz zu den Schlagersängenr – die ja auch wieder im Kommen sind – da etwas leichter,, bis in´s hohe Alter am Ball der Rockbühne zu bleiben und das auch ohne Schönheits-OPs ;-D

  2. kowkla123 sagt:

    etwas, was mich nicht so locken würde, aber Geschmäcker sind so verschieden, eine gute Woche, Klaus

    • emsemsem sagt:

      Hier ging es ja nicht nur um die Rolling Stones, sondern auch um die Umstände, wie ich zu den Freikarten gekommen bin. Ebenfalls eine schön Woche und alles Gute!

  3. kowkla123 sagt:

    wünsche dir einen guten Tag, Klaus

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