Bilder einer Ausstellung


Modest Mussorgski (1839 – 1881) schrieb 1874 den Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ für Klavier. Die Stücke erfuhren eine ungeheure Resonanz und wurden in einer besonderen Art und Weise bis heute von verschiedenen Künstlern und Stilrichtungen rezipiert. In meinen Augen hat Mussorgski alles aus einem Konzertflügel herausgeholt, was herauszuholen ist. Inspiriert wurde die Komposition von einer Gedächtnisausstellung für den Zeichner und Maler Viktor Hartmann, seinen Freund. Daher stammt auch der Titel.

Diese Prägnanz und Fülle an Motiven ließ vermutlich die Behauptung aufkommen, dass der Klavierzyklus unbedingt orchestriert werden muss, als ob die Beschränkung auf ein Instrument ein Makel wäre. Daher sind viele Rezeptionen auch Orchesterwerke. Es gibt aber auch zahlreiche Übertragungen auf andere Soloinstrumente. Bei den Rezeptionen stellt sich mir die Frage, ob sie eine eigene künstlerische Idee mit sich bringen oder nicht. Denn warum sollte man sonst ein so gelungenes Werk mit kleineren Abweichungen mehr oder minder wiederholen?

Die bekannteste Orchesterfassung stammt wohl von Maurice Ravel, sie gilt als eine sehr originalgetreue und wird eigentlich fast immer mit Mussorgskis Zyklus genannt. Bis auf eine Promenade übernahm er alle Teile. Ich persönlich sehe kaum neue musikalische Ideen in der Orchestrierung und finde sie daher sehr eindimensional im Vergleich zu dem vielschichtigen Klavierwerk. Es hätte neuer Gedanken bedurft, um die vielen Instrumente zu rechtfertigen.

In der Rockgeschichte ist unbedingt Emerson, Lake and Palmer zu nennen, die 1971 unter „Pictures At An Exhibition“ ihre Version veröffentlichten. Sie strichen zahlreiche der Stücke des Zyklus, wenn sie ihnen für ihre Dramaturgie nicht geeignet erschienen, komponierten auch einen eigenen Teil und warteten mit Blues Variationen auf. Außerdem ergänzten sie auch Gesangspartien. Sie beließen den Instrumenten wie Gitarre, Schlagzeug und Synthesizer ihre Eigenheiten, anstatt sie den ursprünglichen musikalischen Motiven unterzuordnen. Auf diese Weise schufen sie ein eigenständiges neues Werk. Hier hat sich mir nie die Frage gestellt, wozu diese Orchestrierung nötig ist.

Es gibt noch viele andere Rezeptionen. Sie haben mich eigentlich nie sonderlich interessiert. Viele sind nach meiner Meinung nur um des Effektes willen gemacht, um zu zeigen, dass es auch so geht. Sie sind wohl mehr als Demonstrationen des handwerklichen Geschicks anzusehen. So ist in meinen Augen auch die Heavy-Metal-Version von Mekong Delta aus dem Jahr 1997 zu sehen.

Meine Lieblinge sind schon seit langer Zeit das Original und die Fassung von Emerson, Lake and Palmer. Aber es bleibt abzuwarten, dass ich vielleicht doch noch eine Version aufstöberen werde oder dass vielleicht noch eine neue Version komponiert werden wird, die mir ebenso zusagt.

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4 Kommentare zu “Bilder einer Ausstellung

  1. Der Emil sagt:

    Tomita. Dessen Version ist für mich – neben der origialen Instrumentieung – genial.

  2. kowkla123 sagt:

    nicht so meine Welt, aber trotzdem danke, eine gute Woche wünscht dir KLaus

  3. emsemsem sagt:

    Ich habe vor Jahren einmal ein paar Takte in von einer Saxophon Big Band gehört. Was mich an der Fassung von Mekong Delta beeindruckt, ist, dass die Band zeigt, wozu Heavy Metal in der Lage ist, zumal sie das Stück einmal nur als band und einmal mit Orchester eingespielt hat.

  4. Die Fassung von Emerson, Lake and Palmer kenne ich gar nicht. Danke für’s Erwähnen, ich werde da mit Sicherheit während der nächsten Tage einmal ‚rein hören. 😉
    Ich persönlich finde die Orchestrierung von Ravel so eindimensional jetzt nicht – aber Geschmäcker sind ja auch bei der Musik sehr verschieden…

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