Sterbehilfe – eine Frage der Ethik


Sterbehilfe (s.a. den Artikel Sterbekultur und Sterbehilfe ist ein Thema, das, auch wenn es gesetzlich geregelt ist, zu vielen Diskussionen führt. Die aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten, die passive dagegen erlaubt, solange der Wille des Patienten berücksichtigt wird oder eine Person in der Patientenverfügung eingesetzt wurde, der er vertraut.
Soweit die Theorie in der Gesetzgebung. In einigen Ländern ist unter bestimmten Auflagen die Sterbehilfe erlaubt. Die Befürworter sind überzeugt, dass es,wenn ein würdiges Leben nicht mehr möglich ist, berechtigt ist, dem Leben eines anderen Menschen ein Ende zu setzen. Doch damit gehe ich vor den Definitionen zu tief in die Materie.

Definitionen

Bevor ich in die Diskussionen eingehen möchte, werde ich die Begriffe definieren, die hierfür notwendig sind. Auf dieser Grundlage werde ich mich dann weiter mit dem Thema beschäftigen.
Bei der Sterbehilfe gibt es grundsätzlich zwei Arten. Sterbehilfe allgemein bedeutet, dass mit diversen Mitteln einem anderen Menschen geholfen wird, dem Leben ein „würdiges“ (?) Ende zu bereiten. Ich habe „würdiges“ mit einem Fragezeichen versehen, denn auch darum geht es in der Diskussion. Doch nun möchte ich auf die zwei Arten der Sterbehilfe eingehen.

  1. Bei aktiver Sterbehilfe werden dem Patienten aktiv Mittel verabreicht, die einen Vorgang im Körper in Gang setzen, der zum Tod führt. Das wird meist auch verwechselt mit assistiertem Suizid (man gibt dem anderen die Gelegenheit, sich das Mittel selbst zuzuführen, aber man legt nicht selbst Hand an).
  2. Die passive Sterbehilfe dagegen ist die Verweigerung zum Zugang zu lebensnotwendigen Maßnahmen, sei es Maschinen, Medikamente oder andere Mittel. Hier stirbt der Patient eines natürlichen Todes, weil kein neuer Vorgang in Gang gesetzt wird. Doch die Möglichkeiten zum Weiterleben werden ihm nicht mehr gegeben.

Diskussion um ein würdiges Leben und die Patientenverfügung

Das Motiv für Sterbehilfe ist unterschiedlich. Einige sind der Meinung, dass ein unwürdiges Leben als Pflegefall schon berechtigt zur Sterbehilfe, da der Mensch sonst unnötig leidet, wie bei Tieren. Doch da muss man einen Unterschied machen, denn ein Mensch ist kein Tier. Hier wird, wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann, der freie Wille und die freie Entscheidung über das Leben oder dem Tod einem anderen überlassen. Wer definiert würdiges Leben? Wird wirklich der Wunsch des Patienten beachtet, auch bei einer Patientenverfügung und einer passiven Sterbehilfe, die ja in diesem Maß in Deutschland erlaubt ist? Das kann letztlich keiner beantworten, denn, wenn in der Patientenverfügung eine Person zur Entscheidung eingesetzt wurde, dann ist damit noch nicht der Wille des Patienten festgestellt. Zudem ist die Frage, ob der Patient in dieser Situation nicht doch lieber mit allen Möglichkeiten das Leben weiter leben möchte. Daher ist seine Entscheidung vorher, als er meist noch gesund war, nicht unter den Gesichtspunkten getroffen worden, die die entscheidende Situation ausmacht.
Wenn jemand, der aus welchen Gründen auch immer ein Pflegefall wird, ein würdiges Leben erfahren kann, warum verweigert man ihm diese Möglichkeit. Viele Pflegefälle geben mit ihrem Mut, ihrer Lebensfreude und ihrem Mut anderen Menschen ein großes Vorbild.

Die Würde des Menschen und der Bezug auf das Grundgesetz

Wenn auch aktive Sterbehilfe in Deutschland erlaubt werden würde, würde das dann nicht Missbrauch Tür und Tor öffnen? Zudem stellt sich die Frage, ob dann die Würde des Menschen trotz dem Grundgesetz noch unantastbar ist. Wer schließt aus, wenn der Patient nicht mehr reden kann, dass die Sterbehilfe nicht aus finanziellen oder anderen Gründen angewandt wurde? Sterbehilfe zu bekommen, ist jedoch leicht, wenn man Geld ausgibt und zum Beispiel in der Schweiz die Hilfe der Dignitas in Anspruch nimmt. Ob man das möchte, muss jeder für sich entscheiden.

Als abschließende Betrachtung möchte ich noch bemerken, dass das Grundgesetz und die Würde des Menschen in Anbetracht der Geschichte (vergleiche dazu im Internet oder in Büchern die Thematik Euthanasie und Sterbehilfe im Nationalsozialismus, die dort leider gängige Praxis war) und der Überzeugung des christlichen Weltbildes verfasst wurde. Das Christentum lebt den Glauben, dass keiner außer Gott über Leben und Tod anderer Menschen entscheiden darf. Das ist auch hier ein wesentlicher Faktor. Dadurch entstand die Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Dies wird aber durch die Sterbehilfe in gewissem Maß ausgehebelt, da meist der Patient sich nicht mehr dazu äußern kann. Diese offenen Fragestellungen und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen begleitet uns auch bei vielen anderen Themen, wie Hirntod, Abtreibung, Todesstrafe, Selbstmord unter anderem.

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11 Kommentare zu “Sterbehilfe – eine Frage der Ethik

  1. Wenn ich mich aufgrund einer tödlichen Krankheit, dem drohenden Verlust meines Verstandes, oder aus welchen Gründen auch immer, dazu entschließen würde, meinem Leben ein Ende zu bereiten, dann wird dadurch doch meine Würde nicht verletzt…
    Das ist ein sehr heikles Thema, ich weiß. Ich empfinde es aber als weitaus würdeloser für viele Betroffene, wenn sie, zu keiner eigenständigen Lebensregung mehr fähig, nur noch mehr von Maschinen, den „Segnungen“ der modernen Medizintechnik, am Funktionieren, denn Leben kann man so etwas ja wohl kaum noch mehr nennen, gehalten werden…

    • Monika sagt:

      Guten Morgen,

      einerseits hast Du ja in gewisser Weise recht, aber auch wieder nicht. Manchmal wird ja über einen anderen entschieden, wenn nachgedacht wird, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt werden.
      Dennoch denke ich, dass viele noch zu Lebensregungen, wie Du es nennst, fähig sind. Sie können es nur nicht in der Art ausdrücken, wie Außenstehende es sehen.

      Viele Grüße

      Monika

  2. kowkla123 sagt:

    wir hatten das Thema wohl schon mal, es ist unwahrscheinlich schwer darüber zu diskutieren, mein Wille wäre, ab von den Geräten, wünsche schönen Mittwoch, Klaus

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Klaus,

      das ist die Frage, ob es noch Dein Wille ist, wenn es soweit ist. Den Lebenserhaltungstrieb darf man dabei nicht unterschätzen. Ich rede hier aber nicht nur vom Willen des Betroffenen, sondern auch von den Ärzten, die ohne den Patienten, weil er nicht mehr ansprechbar ist, darüber entscheiden, ob sie die lebenserhaltenden Geräte ausschalten oder nicht.

      Viele Grüße

      Monika

  3. Ein Thema, zu dem es vermutlich schrillionen unterschiedliche Meinungen gibt. Und jede ist auf ihre Weise richtig. Denn wer will per Gesetz definieren, wo der Lebenswille aufzuhören hat oder wie lange er noch durchhalten muss? Meines Erachtens bedarf es gar nicht unbedingt vieler Geräte, um an einen Punkt anzukommen, an dem man sich wünscht, gehen zu dürfen. Nicht aus Trotz, nicht aus einer Laune heraus, sondern weil klar ist, dass beispielsweise eine schwere Erkrankung körperliche und/oder seelische Folgen hat, die niemals überwunden werden können. Dann gibt es eben nur noch die Möglichkeiten, sich endlos weiter zu quälen oder einen Schlussstrich zu ziehen. Schön, wenn man bei diesem Schlussstrich nicht alleine sein muss und offiziell Hilfe/Beistand bekommen kann/darf. Wenn der Grad der Verzweiflung jedoch groß genug ist, dürfte auch das unwichtiger werden, als der Wunsch, es endlich zu beenden. Egal wie, egal wo und egal ob allein oder mit Beistand.

    Und auch das ist nur eine Meinung von unzähligen.

    • Monika sagt:

      Guten Morgen,

      danke für den ausführlichen Kommentar. Es ist richtig, dass es unzählige Meinungen gibt. Deswegen finde ich es nicht richtig, dass das Gesetz hier auf jeden Fall einzeln eingehen kann. Dennoch sollten es gewisse Schranken geben, die nicht Patienten, die sich nicht wehren können, als Opfer darstellen, indem ihnen die Möglichkeit am Leben genommen wird.

      Viele Grüße

      Monika

      • Guten Morgen, liebe Monika ☼

        Die Vielfalt an Meinungen zu diesem Thema finde ich einerseits sehr interessant und wichtig. Generell finde ich es gut, sich überhaupt mal mit diesem Thema auseinander zu setzen. Andererseits ist es m. E. schwierig, darüber abschließend zu diskutieren. Denn in dem Moment, wenn ein geliebter Mensch oder man selbst in die konkrete Situation gerät, aus gegebenem Anlass über den (nahenden) Tod nachzudenken, ändern sich bisherige Ansichten mitunter sehr schnell. Da kann man sein Leben lang vollkommen überzeugt eine ganz bestimmte Meinung vertreten haben. Wenn man jedoch selbst betroffen ist, direkt oder indirekt, können alle bisherigen Überzeugungen mit einem Schlag vollkommen uninteressant werden. Dann ist es egal, was in Gesetzen steht, „gängige Meinung“ ist oder bisher für einen selbst galt. Erst dann, wenn die Situation wirklich konkret wird, werden die meisten Menschen ihre ganz persönlichen Ansichten zu diesem Thema entwickeln (können). Keine Sekunde früher. Bis dahin ist alles „nur“ Theorie.

        Ich wünsche Dir einen möglichst sonnigen Tag!

  4. Ich bin da schon bei Freiedenkerins Meinung…Allerdings…über den erwähnten (und sicher manchmal gut gemeinten) Missbrauch muss auch nachgedacht werden. So mancher lebt (oder leidet) noch, nicht weil es Gottes Wille ist, sondern dank ärztlicher Kunst und Maschinen. Es ist unheimlich schwer, zu unterscheiden, wann das Leben noch lebenswert ist und wann nicht.
    Ich hab mal eine Dokumentation gesehen, in der ein Mann darum kämpft, dass bei seiner Frau die lebenserhaltenden Maßnahmen nicht abgestellt werden. Die anderen nächsten Verwandten wollten das. Er opfert sich für sie auf. Er hat sie mal zu einem Auftritt von dem Chor
    mitgenommen, in dem sie immer gesungen hat. Sie hatte dort so einen beseelten, glücklichen Gesichtsausdruck, sie muss noch etwas mitbekommen und auch Gefühle haben. Ihr Mann, der immer mit ihr zusammen ist, kennt das sicher und kann es deuten. Bei so jemandem einfach die Behandlung einzustellen, empfände ich als Frevel. Bis wir wissen, was im Wachkoma passiert, darf man das bei solchen Patienten für mein Empfinden, nicht tun.
    Liebe Grüße
    Ute

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Ute,

      vielen Dank für diese Geschichte. In solchen Fällen finde ich es nicht gut, wenn über den Kopf des Patienten entschieden wird. Wir wissen nicht, wie die Gefühle vorhanden sind. Leider kann man als Angehöriger manchmal auch nur wenig tun, um den Patienten zu helfen oder ihnen eine Freude zu bereiten.

      Das Koma sowie der Tod sind Definitionen, bei denen wir nicht wissen, wie genau wir sie definieren, ein anderes Beispiel ist hier der Hirntod.

      Viele Grüße

      Monika

  5. […] Theologin Monika Huber stellt auf ihrem Blog Welt der Kultur die Frage, ob eine Gesetzesänderung überhaupt mit Artikel 1 des Grundgesetzes vereinbar wäre: […]

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