Mein Verhältnis zu Gottesbeweisen


Das Wort „Beweis“ vermittelt den Eindruck unbedingter Gültigkeit. Richtig daran ist, dass dies das Ziel einer sauberen Beweisführung ist. Falsch daran ist, dass jeder Beweis dieses Ziel erreicht. Das gilt für Beweise, die bei Gericht vorgebracht werden, bei mathematischen Beweisen und natürlich auch bei den Gottesbeweisen. Sie alle überzeugen oder eben nicht.

Kann man alles beweisen?

Kann man alles beweisen?

Die Gottesbeweise können auf eine lange Tradition in der Philosophiegeschichte zurückblicken. Sie gehören also nicht, wie man meinen könnte, zum Themenspektrum der Theologie. Sogar ausgewiesene Atheisten nehmen sich der Gottesbeweise an, ganz einfach deshalb, weil sie an die Grenzen des menschlichen Denkens führen. Es handelt sich um so etwas wie gedankliche Experimente, bei denen wissenschaftliche Methoden, etwa aus der Mathematik, zum Einsatz kommen. Immanuel Kant hat den Gottesbeweisen eine derart nachhaltige Abfuhr erteilt, dass sich nach ihm das Interesse daran merklich abkühlte. Gleichwohl ist ist es nie ganz erloschen.

Ich will hier nicht auf die verschiedenen Kategorien der Gottesbeweise eingehen, zumal ich für mich nicht in Anspruch nehmen kann, sie alle vollkommen zu verstehen. Ich bin nur einfach fasziniert davon, dass der Mensch dank seines Verstandes und seiner Vernunft in der Lage ist, sich sogar eines Themas, das jeden Vorstellungsrahmen sprengt, anzunehmen: nämlich Gott. Es wäre allerdings ein Trugschluss zu meinen, Gottesbeweise, selbst wenn sie noch so „überzeugend“ sind, könnten einem die Glaubensentscheidung abnehmen. Gott übersteigt jedes menschliche Wissen. Franz Rosenzweig formulierte es (in Der Stern der Erlösung) so: „Von Gott wissen wir nichts. Aber dieses Nichtwissen ist Nichtwissen von Gott.“ Es bleibt uns also nichts anderes übrig als an Gott zu glauben oder nicht. Beides aus Mangel an Beweisen.

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5 Kommentare zu “Mein Verhältnis zu Gottesbeweisen

  1. kowkla123 sagt:

    so ist es, da hat die Kirche aber Glück gehabt, schönen Samstag, Klaus

  2. Muriel sagt:

    Naja. Also, sämtliche mir bekannten Gottesbeweise können bestenfalls als Beleg dafür dienen, dass der Mensch (zumindest der eine, der den jeweiligen Beweis formuliert) eben nicht in der Lage ist, sich des Themas anzunehmen …

    • emsemsem sagt:

      Auch wenn Kolumbus Amerika nicht entdeckt hat, so war er doch in der Lage, dieses Ziel anzupeilen. Mit anderen Worten: Da bin ich ganz anderer Meinung. Allerdings darf man sich von Gottesbeweisen keine Wunder erwarten.

      • Muriel sagt:

        Es kommt vielleicht darauf an, was man unter „in der Lage sein sich eines Themas anzunehmen“ versteht. Für mich würde dazu gehören, dass man sich unter Verzicht auf elementare Denkfehler damit auseinandersetzen kann und zu einer einigermaßen schlüssigen Argumentation findet.

        • emsemsem sagt:

          Das denke ich auch. Das Wort „Argumentation“ ist dabei vielleicht hilfreich. Denn obwohl man von „Gottesbeweisen“ spricht, geht es letzten Endes um Argumente, die mehr oder weniger plausibel sind. Das aber unter vollem Einsatz der dem Menschen zur Verfügung stehenden denkerischen Möglichkeiten.

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