Mein Verhältnis – zum Tod


Foto: Bernhard HuberNach vielen Jahren habe ich wieder einmal „Der Ackermann aus Böhmen“ von Johannes von Tepl gelesen. In diesem Büchlein aus dem Mittelalter überschüttet ein Ackermann den Tod mit Flüchen und bitteren Beschimpfungen, weil ihm der seine Frau Margaretha weggenommen hat. Ist in dieser Schrift der Tod direkt das Ziel der Anklage, verschiebt sich bei Clive Staples Lewis (auf den die Narnia-Trilogie zurückgeht) in seinem Essay „Über die Trauer“ der Akzent. Er hadert nur indirekt mit dem Tod seiner Frau. Als Mann des Intellekts hat er mehr Probleme damit, vom Gefühl der Trauer überwältigt zu werden.

Foto: Bernhard Huber

Die Geistesgeschichte ist voll von Versuchen, uns den rechten Umgang mit dem Tod zu lehren. So versuchten die Stoiker, ihm mit der „Ataraxie“ (Unerschütterlichkeit, Gelassenheit) die Stirn zu bieten, was für mich eher nach Verdrängung klingt als nach einer aufrechten Auseinandersetzung. Sokrates verfiel auf einen anderen Kniff: Er erklärte die Angst vor dem Tod einfach für unbegründet, weil man ja nicht wissen kann, was er mit sich bringt. Das klingt ein bisschen nach Münchhausen, der sich selber aus dem Sumpf zieht. Und kürzlich hat die ARD ihr gesamtes Programm auf Tod getrimmt, weil sie meinte, dieses Thema sei tabubehaftet. Offenbar kennt die ARD ihr eigenes Programm nicht, das nicht an Leichen spart.

Ich gestehe, dass auch ich, obwohl ich als gläubiger Christ an das Wunder der Auferstehung der Toten glaube, meine liebe Not mit dem Tod habe. Aber ich trage eine Gewissheit in mir, die sich vor Jahren aus heiterem Himmel eingestellt hat. Beim Flanieren über den Münchner Marienplatz ging mir plötzlich der tröstende Sinn des Satzes „Der Tod gehört zum Leben“ auf. Denn wenn der Tod zum Leben gehört, hat das Leben das letzte Wort. Aber als Leben ist es dann eben ein letztes Wort, das Zukunft hat. Denn nur das Leben hat Gegenwart und Zukunft. Der Tod hat nur Gegenwart und Vergangenheit.

Daraus schöpfe ich Hoffnung, so dass ich mich, Tod hin oder her, eines Lebens erfreuen kann „wie’s ohne Beispiel ist auf dera Welt“ (Kurt Wilhelm, Der Brandner Kaspar, München 1987, S. 98)

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13 Kommentare zu “Mein Verhältnis – zum Tod

  1. kowkla123 sagt:

    es ist schwierig sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, hatte auch mal so meine Gedanken dazu, als ich schwer erkrankte, mit Abstand heute, ist es mir nicht leicht, davon zu reden, möge es ein guter Tag für dich sein, Klaus

  2. Ich glaube das geht allen so. Es ist nicht leicht, auch wenn er zum Leben gehört. Zumindest bei uns. Buddhisten und Hindhus zum Beispiel, sehen das noch etwas anders, Und manchmal ist der Tod auch gnädig, befreit von großem Leid.
    Meinen Frieden schließen könnte ich mit einem Tod, wie in dem Buch „Die Bücherdiebin“, dort ist er Erzähler und hat mehr „Herz“, als mancher Mensch. Menschen die mit sich im Frieden sind, können ohne Kummer mit ihm mitgehen. Und das ist wahrscheinlich auch die Lösung. Und als Trost, irgendwann gibt es ja vielleicht ein Wiedersehen.

    Herzliche Grüße
    Ute

    • emsemsem sagt:

      Wir kennen den Tod nur von einer Seite und ich frage mich, ob er wirklich von Leid „befreit“. Denn er setzt nicht dem Leid ein Ende wie eine Operation, er setzt dem Leben ein Ende. Da aber entfaltet für mich der zitierte Satz, dass er zum Leben gehört, seine Wirkung. Außerdem erstaunt mich immer wieder die Beobachtung, mit welcher Macht das Leben geradezu nach sich selbst giert. Wo findet man nicht Zeichen von Leben?

      Herzliche Grüße

      • Na ja, zumindest befreit er zum Beispiel von Schmerzen im irdischen Leben. Was dann kommt, liegt nicht in unserer Hand. Ich hoffe auf Gutes oder wenigstens „Nichts“. Und stimmt, wenn es auf das Ende zugeht, kann der Lebenswille unbändig sein. Aber der hilft wohl nur dann, wenn die Lebensuhr noch nicht abgelaufen ist. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern für alles Lebendige.
        Und ich glaube, Menschen, die in ihrem Leben noch nicht alles „geregelt“ haben, wie sich mit jemandem versöhnt, tun sich schwer zu gehen. Das meinte ich mit „mit sich im Frieden sein“.
        Und jeder hofft wohl auf einen gnädigen Tod, ohne viel Leid vorher. Ich denke, davor haben die Meisten mehr Angst, als vor dem Tod selbst. Das kann ich jedenfalls von mir so sagen.
        Herzliche Grüße

        • emsemsem sagt:

          Der Theologe Ladislaus Boros hat den Tod als eine personale Entscheidung es Menschen gesehen. Für mich ist das kaum nachvollziehbar. Wie soll man sich das vorstellen. Die Frage ist aber, ob das Einwilligen in den Tod dem entspringt, dass man mit sich und der Welt im Frieden ist oder, hat man in Wirklichkeit resigniert. Außerdem dürfte es so viele Arten des Sterbens geben wie es Menschen gibt. Rilke spricht in seinem „Stunden-Buch“ vom „eigenen Tod“. Dass die Menschen vor möglichen Schmerzen am Lebensende Angst haben, glaube ich auch. Deshalb ist es gut, dass es die Palliativmedizin gibt.
          Mich reizt es noch, etwas zu Deiner Alternative „Gutes“ oder „wenigstens Nichts“ zu sagen. Auf nichts würde ich niemals hoffen.

          Herzlichen Dank für Deine Rückmeldungen und viele Grüße

          • Das ist ein Thema, worüber man wohl ewig reden könnte. Was du schreibst, ist auch wieder richtig. Ja sicher beides, aufgeben oder auch in Frieden.

            Auf nichts hoffe ich eigentlich auch nicht, erschiene mir allerdings noch besser, als irgendwelche nicht so schönen Dinge.

            Wir werden es irgendwann erfahren…hoffe natürlich nicht so bald, denn das Leben ist ja schon schön.
            Und jedem der es braucht, die Palliativmedizin.Das ist leider noch nicht immer der Fall…
            Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag
            Ute

  3. Kiyachan sagt:

    Der Tod. Ein Genosse, dem ich lieber aus dem Weg gehe. Ich befürchte, es gibt gar kein Allheilmittel, sich mit dem Gedanken an den Tod zu versöhnen. Selbst Christen hadern mit ihm – denkt an Jesus, der im Garten Gethsemane betete, Gott möge diesen Kelch an ihm vorübergehen lassen. Irgendwie muss jeder persönlich irgendwann seinen Frieden damit machen. Und wenn es durch eine stoische Haltung funktioniert: Wieso nicht? Über eine Sache erhaben zu sein, sich seine Gefühle rational erklären zu können, hilft manchen anscheinend durchaus.

    • emsemsem sagt:

      Ich will niemandem seine stoische Haltung zum Tod, so er über sie verfügt, absprechen. Ich bleibe ihr gegenüber jedoch skeptisch, weil ich nicht stark genug bin, sie bis zuletzt durchzuhalten. Da setze ich lieber auf eine gläubige Haltung, die eher meinen Kräften entspricht.

      Herzliche Grüße

  4. Seitdem ich beruflich viel Zeit mit alten und sehr alten Menschen verbringe, hat der Tod für mich viel von seinem einstmaligen Schrecken verloren. Es ist wahr, er gehört zum Leben dazu – und er ist sicherlich nicht das Ende von Geist und Seele, dazu ist der Mensch viel zu sehr mehr als die Summe seiner Teile…

    • emsemsem sagt:

      Ich habe als Kind immer wieder im Leichenschauhaus in offenen Särgen aufgebahrte Tote gesehen und immer wieder die Totenruhe gespürt. Das hat mir viel Trost gegeben.

  5. andrea sagt:

    Wir sollten wenn es uns gelingen sollte den TOD als unseren FREUND anzu-nehmen….LG ANDREA und für dich einen schönen TAG..LG ANDREA:))

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