Mein Verhältnis – zum Gitarrensolo in „Time“ (Pink Floyd)


Foto: Bernhard HuberDas Gitarrensolo in dem Stück „Time“ auf Pink Floyds Album „The dark side of the moon“ ist einfach atemberaubend, umwerfend, schön, und wieder nichts als wunderschön. Es ist, als hätten alle Gitarren der Welt dafür zusammengelegt, um den ultimativen Sound zu erzeugen, und David Gilmour spielt es dann auch noch mit einer unerhörten Selbstverständlichkeit, als wäre es ihm einfach zugeflogen.

Dieses Solo war und ist für mich der Höhepunkt schlechthin auf diesem an Höhepunkten so reichen Album. Bis heute übt es eine wohltuende Macht über mich aus. Es lässt mich meine Seele spüren, als würde sie auf eine kurze Sightseeing-Tour in die Ewigkeit mitgenommen, von der sie zutiefst beglückt zurückkehrt.

Mir ist keine Live-Version bekannt, die an diesen im Studio eingefangenen musikalischen Geniestreich heranreicht und der natürlich keineswegs spontan entstanden ist. Denn nur in der Studio-Fassung beginnt dieses Solo mit seinem fulminant dazwischengrätschenden Einstieg.

Als „The dark side of the moon“ 1973, also vor 40 Jahren, veröffentlicht worden ist, hat ein Radiosender (entweder Bayerischer oder Österreichischer Rundfunk) die erste Seite komplett gespielt. Ich war sofort total fasziniert von dem, was der Lautsprecher dieses simplen Mono-Geräts von sich gab, ganz besonders von diesem einzigartigen Gitarrensolo. Dabei war es eigentlich keine Überraschung. Denn es gab durchaus musikalische Vorboten von Pink Floyd, etwa in dem zärtlichen „Fat old sun“ (auf „Atom heart mother“), dem elegischen „Echoes“ (auf „Meddle“) oder in „Mudmen“ (auf „Obscured by clouds“). Allerdings blieb es dem Solo in „Time“ vorbehalten, endgültig das Tor zu einer eigenen Soundsphäre aufzustoßen.

Ich bin sicher, mein Verhältnis zur Musik wäre ein anderes, wenn dieses Solo damals nicht meinen Weg gekreuzt hätte und mich seither nicht immer wieder für ein paar Augenblicke in himmlische Sphären entführen würde.

Es gibt übrigens noch ein anderes Solo von David Gilmour, das eine ähnliche Faszination auf mich ausübt: in dem Stück „Comfortably numb“ – aber nur, wie ich einschränken möchte, in der Live-Version auf dem Album „Delicate sound of thunder“. So viel Kritik muss sein. Sonst könnte man noch meinen, ich wäre ein Pink Floyd-Fan.

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4 Kommentare zu “Mein Verhältnis – zum Gitarrensolo in „Time“ (Pink Floyd)

  1. kowkla123 sagt:

    das ist auch was für mein Gehör und mein Gemüt, schönen Freitag, Klaus

  2. fiftytwo sagt:

    … wenn ich mich recht erinnere Club16 oder Zündfunk in Bayern 2 und zwar die Sondersendungen Samstag nachmittags. 30 Minuten nonstop Musik vom Feinsten. Bei mir war das Aha-Erlebnis Meddle von Pink Floyd (One of these Days und Echoes) und kurz darauf Jethro Tull mit Aqualung. Auslöser für eine umfangreiche Plattensammlung. Dark Side war damals meine 8. Platte, kam 74 bei uns in der Provinz in den Plattenladen (2 oder 3 Exemplare) und wurde gleich von mir abgefangen. Monoplattenspieler mit Handauflegung und 12Watt Musikleistung – aber die Musik war trotzdem geil. Durchgehender Herzschlag und dann dieses Wahnsinnssolo. Ich kann Deiner Beschreibung und Deinen Empfindungen nur beipflichten! Viel Spass !

    • emsemsem sagt:

      Dein Kommentar ruft Erinnerungen wach. Zum Glück wurden damals hin und wieder LPs ausführlicher im Radio gespielt. Der Zündfunk war zwar nur eine Viertelstunde, aber in diese Zeit passten zwei, drei Titel, etwa von ZZ Top. Dabei erfuhr man nebenbei, wie man diesen Bandnamen aussprechen musste. Dass „Dark side of the moon“ sogar in Mono leidlich funktionierte, war besonders erfreulich, wenn ich daran denke, dass das Gitarrensolo in „Aqualung“ in Mono kaum zu hören war. Ähnlich verhielt es sich mit dem in „Look at yourseln“ von Uriah Heep. Deshalb war für mich klar, dass ich mir mit Ferienjobs so schnell wie möglich einen Stereo-Plattenspieler verdienen musste. Es war ein Dual, der um die 500 Mark gekostet hat. Eine irre Summe für meine Verhältnisse, aber endlich konnte ich „Aqualung“ und „Look at yourself“ richtig hören, und natürlich Pink Floyd.

      Ich habe etwa 1977 sogar einmal einen Club 16 moderiert.

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