Mein Verhältnis – zu Papst Benedikt XVI.


Die nachfolgenden Gedanken wurden vorgestern niedergeschrieben. Da Papst Benedikt XVI. heute Mittag erklärt hat, Ende Februar zurücktreten zu wollen, sollen sie schon jetzt ins Internet gestellt werden, obwohl das eigentlich für später vorgesehen war.

Die katholische Kirche hat das Problem, dass sie „eine“ ist, um den „einen“ Glauben an den „einen“ Gott zu wahren, dass es im Prinzip aber auch so viele Wege zum Heil gibt wie Menschen, wie Joseph Ratzinger sagte, als er noch nicht Papst war. Das ist eine ungeheuere Spannung, die es zu erkennen und für den, der den Glauben der katholischen Kirche teilt, auszuhalten gilt.

Diese Spannung ist nicht neu, auch wenn sie so sehr ausgeprägt, dass man meinen möchte, die Wörter „Kirche“ und „Skandal“ wären austauschbar. Die Öffentlichkeit scheint sich nur noch dafür zu interessieren, was man der Kirche pauschal negativ auslegen kann. Dass man dabei aber immer auch Menschen in Mithaftung nimmt, die in „totaler Redlichkeit“, wovon der Papst bei seinem letzten Deutschlandbesuch gesprochen hat, ihren Glauben zu leben versuchen, gerät aus dem Blick. Dabei sind auch diese Menschen Kirche. Verkaufsträchtige Schlagzeilen lassen sich offenbar nur einer selektive Wahrnehmung der Wirklichkeit abgewinnen.

Dass sich Papst Benedikt XVI. seinem Kammerdiener gegenüber, der ihn hintergangen hat, in vorbildlicher, geradezu rührender Weise verhalten hat, hat man kaum wahrgenommen. Nicht nur dass er den Familienvater, nachdem er verurteilt worden ist, begnadigt hat, hat er ihm auch noch zu einer neuen Stelle verholfen.

Ich frage mich einmal mehr, wie unsere Welt heute aussehen würde, wenn ein gewisser George W. Bush den Angriff auf das World Trade Center nicht mit einem ominösen Krieg gegen den Terrorismus beantwortet hätte.

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12 Kommentare zu “Mein Verhältnis – zu Papst Benedikt XVI.

  1. Leider ist es doch immer so: Schlechte Nachrichten sind einfach bessere Nachrichten. Warum auch immer.
    Das Problem bei der Kirche ist in meinen Augen, dass sie ein Ideal propagiert, dem sie selbst nicht gerecht werden kann.

    • emsemsem sagt:

      Das „Ideal“, das die Kirche propagiert, ist die Botschaft Jesu. Die aber ist aus meiner Sicht weniger ein Ideal, sondern eine Auf- und Herausforderung. Ich denke da nur an die Bergpredigt. Wer aber kann behaupten, der gerecht zu werden? Entscheidend ist, dass man sich immer wieder neu darum bemüht und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. Vorausgesetzt natürlich, man nimmt die Herausforderung an.

  2. klugwurst sagt:

    Den Papst haben viele nicht wirklich verstanden. Seine Haltung war und ist von Demut geprägt. Außerdem war er sehr um den Glauben bemüht. Die Beobachter haben oft alle seine Äußerungen in engen instutionellen Schemata interpretiert, was „lediglich“sein eigener persönlicher Ausdruck seines Glaubens ist. Der Rücktritt ist in meinen Augen daher auch weniger ein Ausdruck eines neuen modernen fu ktionalen Amtsverständnisses, sondern seiner Art der Demut.

    • emsemsem sagt:

      Ich glaube auch, dass das Wort „Demut“ für dieses Pontifikat prägend ist. Demut heißt ja nichts anderes als das zu tun, wozu Gott einen berufen hat. Niemand muss über sich hinauswachsen, auch ein Papst nicht.

  3. Vielleicht war er vielen einfach zu konservativ, z.B. Ökumene, Pius-Brüder…etc. Und die Menschen haben von ihm einfach etwas anderes erwartet? Was er mit seinen „Ansichten“ oder Deutung des Glaubens, aber gar nicht erfüllen konnte.

    Medien stürzen sich immer auf irgendwelche Skandale, nicht nur bei der Kirche. Davon abgesehen, dass sicher viele von den Ereignissen enttäuscht sind. Vielleicht wäre auch etwas mehr Offenheit angebracht und nicht gleich wieder die Hälfte unter den Tisch kehren wollen?
    Wenn alles seine Ordnung hat, gibt es auch nichts auszuplaudern.
    Aber das ist nicht nur bei der Kirche so!
    Allerdings,immer dogmatisch.“Wasser predigen“ und dabei immer selbst „Wein trinken“, ist unglaubwürdig.
    „Vorleben“ ist die beste Predigt. Jesus hat es bewiesen…
    Ansonsten gilt immer noch… „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.
    Manchmal werfen auch (hochrangige) Kirchenvetreter.

    Ich denke die meisten können sehr wohl unterscheiden, dass dies nicht alle sind. Nur jeder Skandal zerstört noch mehr Vertrauen.Sind noch hohe Würdenträger betroffen, ist der Vertrauensverlust umso größer.

    Dein letzter Satz beschäftigt mich auch. Aber auch die Frage, warum segnen dann hohe kirchliche Würdenträger die Waffen dafür? Ich spreche hier ausdrücklich nicht von der katholischen Kirche, Bei ihr ist das aber auch immer möglich gewesen, angefangen mit den Kreuzzügen. Das widerspricht allem, was die Kirche sonst propagiert. Auch und gerade im Zusammenhang mit dem letzten „Skandal“ um Vergewaltigung, Pille danach und Nicht-Behandlung..

    Herzliche Grüße
    Ute

    • emsemsem sagt:

      Ich denke, Kritik ist immer notwendig. In der Bibel steht ja, man solle alles prüfen, und das Gute bewahren. Wenn ich als Katholik die Kirche kritisiere, gilt diese Kritik immer auch mir selber, weil ich Teil dieser Kirche bin. Das scheinen Katholiken manchmal zu vergessen. Kritik von außen ist natürlich auch geboten. Doch ich habe den Eindruck, was immer dieser Papst gesagt hat, es wurde ihm im Munde umgedreht. Als er beispielsweise meinte, Kondome allein lösen das Aids-Problem in Afrika nicht, wurde es so gedeutet, als hätte er das „Kondomverbot“ wiederholt. Dabei hat er nur gesagt, was ein Arzt dem Diabetiker sagt: Tabletten allein helfen Dir nicht, du musst auch Deine Lebensweise ändern.
      Noch ein Wort zu Deinem Stichwort „Vorleben“. Jesus hat tatsächlich gelebt, was er sagte. Es ist also beides nötig: das Wort und die Tat, wobei Jesus im Konfliktfall dem Wort den Vorzug gegeben hat. Er sagte nämlich, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, mit Blick auf die Pharisäer: Tut, was sie sagen, und nicht, was sie tun. Die Wahrheit geht also vom Wort aus, muss sich aber im Tun erweisen, auch in der Kirche.

      Im übrigen kann ich mir vorstellen, dass der Papst, wenn er sich nun zurückzieht, selber sehr selbstkritisch aus dem Blickwinkel des Glaubens auf seine Jahre als Pontifex zurückblicken wird.

      Herzliche Grüße

  4. kowkla123 sagt:

    ich sage kurz und trocken, trotz alledem finde ich, hat diese Entscheidung auch etwas von Größe oder nennt es Demut, aber ich bin zufrieden, dass es auch sowas noch gibt, einen wunderschönen Tag, KLaus

  5. Was hat dieser Pontifex bewegt – außer dass er seinen verräterischen Kammerdiener begnadigt hat? Nicht viel, nicht viel Gutes, das ist meine Meinung.
    1. Er hat als Oberhaupt der Katholischen Kirche die Ermittlungen in den ungezählten Missbrauchsfällen schleifen lassen, und keineswegs nachdrücklich voran getrieben, wie es seine christliche, ja, menschliche Pflicht gewesen wäre.
    2. Er hat sich mit einem offenkundig rechtsradikalen Bischof, einem Holocaust-Leugner ausgesöhnt. Ich glaube nicht, dass die Nachkommen und letzten Überlebenden des Völkermords an den Juden dafür viel Verständnis aufbringen.
    3. Er hat sich gegen eine Annäherung der Evangelischen und Katholischen Kirche gestellt.
    4. Er hat die Rechte der sogenannten Laien in der Katholischen Kirche massivst eingeschränkt, und diese Menschen zu kostenlosen und unmündigen Handlangern degradiert.
    5. Unter seiner Führung wurden in Rom sowohl die sehr fragwürdige Ausbildung zum Exorzismus, als auch die Inquisition wieder ins Leben gerufen.
    6. Mit seiner überaus konservativen Haltung ist er mit verantwortlich für die weit über 800.000 Austritte aus der Katholischen Kirche…
    Ich wünsche dem zurück getretenen Papst noch einige von Frieden und Ruhe erfüllten Jahre. Und der Katholischen Kirche endlich, endlich einmal eine vom wahren Glauben und Geiste Gottes erfüllte, starke Persönlichkeit, die diese inzwischen sehr fragwürdig gewordene Institution entweder auflöst, oder aber konsequent zu ihren Wurzeln zurück führt.

    • Davon abgesehen finde ich diese Begnadigung des Kammerdieners nicht sonderlich spektakulär bzw. christlich. Das gehört quasi zum alltäglichen Verhalten eines jeden halbwegs zivilisierten und altruistisch veranlagten Menschen, dass man jenen vergibt, die einen verleumdet oder verraten haben – ich bin mir ganz sicher, dass wir alle hier dies schon mehr als einmal getan haben… Wenn die Eltern eines gewaltsam getöteten Kindes dem Mörder verzeihen können – das nötigt mir Respekt ab! Und das ist auch in der Tat überaus beispielhaft…

      • emsemsem sagt:

        Zu Deinem vorigen Kommentar, der ein beeindruckendes „Sündenregister“ enthält, kann ich hier nicht differenziert genug eingehen. Also beschränke ich mich auf den Hinweis, dass es bei der Wahrnehmung und Bewertung dessen, was man wahrnimmt, auf die Position ankommt, die man grundsätzlich einnimmt. So kann jeder zwar das gleiche sehen, nicht aber dasselbe.

        Auf Deinen zweiten Kommentar möchte ich aber gerne eingehen. Auch ich finde an der Begnadigung des verurteilten Kammerdieners durch Papst Benedikt XVI. nichts Spektakuläres. Aber selbstverständlich war sie auch nicht. Als Papst hatte halt er die Vollmacht, ihn zu begnadigen, und er tat es.
        Aus christlicher Sicht ist es ebenfalls nichts Spektakuläres, dass der Papst ihm auch noch zu einer neuen Stelle verholfen hat. Aber es ist schon weitaus weniger selbstverständlich. Ob er ihm darüber hinaus auch verziehen hat, weiß nur er und Gott. Allerdings bin ich nicht wie Du der Meinung, dass das Verzeihen „respektabler“ ist, je größer das zu verzeihende Unrecht ist. Denn auch in kleinen Dingen erschöpft sich das Verzeihen nicht in einem oberflächlichen „Schon gut“. Es muss wirklich von Herzen kommen, um ehrlich zu sein, und das kann auch in alltäglichen Dingen sehr schwer fallen. Was den Papst anlangt, so hat mir an seinem Verhalten dem Kammerdiener gegenüber imponiert, dass in dieser für ihn kleinen, für den Diener aber großen Geste der schlichte und fromme Mensch Josef Ratzinger sichtbar geworden ist. Vermutlich hat mich sein Rücktritt deshalb auch nicht sonderlich überrascht.

        Herzliche Grüße

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