Die ethische Frage von Hinrichtungen und Todesstrafe


Ein Blick in den Waldfriedhof in München

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Hinrichtungen sind in noch in einigen Ländern als Strafe für Verbrecher zugelassen wie in China und vielen anderen undemokratischen Staaten. Sogar in Amerika werden Menschen zur Todesstrafe hingerichtet. Hier wird mit der Angst der Menschen gespielt, dass die Verbrecher wieder eine grausame Tat verüben, wenn sie aus dem Gefängnis entlassen werden würden. Doch ist hier wirklich das Motto: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ anzuwenden oder ist das nicht doch zu grausam und zu ungerecht? Die Todesstrafe hat schon eine lange Geschichte, wenn man sich vor Augen führt, dass schon Sokrates zum Tode verurteilt wurde wie viele andere zuvor auch. Sokrates wurde auch nur wegen der Missachtung der Götter und dem verderblichen Einfluss auf die Jugendlichen verurteilt. Wie weit darf man dann gehen, wenn die Todesstrafe zugelassen wird? Wo sind die Grenzen?

Wenn die Todesstrafe zugelassen wird, dürfte sie nicht bei leichten Delikten angewandt werden oder bei den Grundbedürfnissen der Menschen, wie wenn jemand für die Freiheit seines Landes kämpft. Dort aber haben die Machthaber eine zu große Macht, als dass man es verhindern könnte, dennoch ist es ethisch nicht tragbar. Um ein Beispiel aus der Geschichte zu nehmen: Die Hinrichtungen und Todesstrafen der Nationalsozialisten im Dritten Reich sind ethisch nicht tragbar, da zum Beispiel die Geschwister Scholl für die Freiheit der Menschen im Land gekämpft haben, aber auch nur mit Worten. Diese Hinrichtungen kann man eindeutig als willkürliche klassifizieren und leider kommen sie heutzutage auch noch oft genug vor.

Die Todesstrafen in Amerika dagegen sind anders geartet. Sie sind auf Grundlage eines Gesetzes zu sehen als Vergeltung für für ein begangenes Verbrechen. Dabei gibt es dennoch wichtige Einwände gegen die Todesstrafe. Für die Todesstrafe wird behauptet, dass diese die Verbrecher abschrecken würde, aber noch keine Statistik konnte dies beweisen. Zudem wurden schon einige zu Unrecht hingerichtet, weil die Beweise gegen sie ausgelegt worden sind, obwohl sie die Tat nicht begangen haben. Somit ermordet man Menschen, die unschuldig sind. Das Motte, dass Gleiches mit Gleichem bezahlt werden muss, wird auch angeführt für die Todesstrafe. Dennoch kann man auch hier antworten, dass es Mord ist, einen Menschen hinzurichten, denn nur Gott hat das Leben gegeben und nur Gott kann das Leben wieder nehmen. Die Frage, wer einen Menschen verurteilen darf, ist noch dazu eine andere ethische komplizierte Frage. Doch da kann man sagen, dass man zunächst auf das Gemeinwohl der Menschen sehen muss und deren Sicherheit im Auge behalten muss. Deswegen braucht die Strafe aber nicht die höchste sein, nämlich die Todesstrafe. Die Todesstrafe ist nämlich nicht mehr rückgängig zu machen bei einem Justizirrtum, denn diese kommen vor, und sie lässt dem Verbrecher nicht die Möglichkeit, seine Tat einzusehen und zu bereuen. Die Todesstrafe offenbart hiermit also keine Mitmenschlichkeit.

Daher sind beide Formen, die Hinrichtungen und die Todesstrafen, zu verurteilen, denn bei beiden werden Menschen ermordet aus mehr oder weniger triftigen Gründen, doch kein Mensch darf über das Leben anderer verfügen, ebenso wenig wie die Hinrichtungen bei Militärgerichten oder Fahnenflucht zu verurteilen sind.

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21 Kommentare zu “Die ethische Frage von Hinrichtungen und Todesstrafe

  1. Susanne Haun sagt:

    Ich denke genauso, kein Mensch hat das Recht, über Leben und Tod eines anderen zu entscheiden.

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Susanne,

      leider sehen das nicht alle so. Wie Erik Schüler in seinem Artikel geschrieben hat, fordern einige für Kinderschänder die Todesstrafe.

      Viele Grüße

      Monika

  2. Noch nie ist ein Mordopfer wieder lebendig geworden, weil man den/die Täter/in hingerichtet hat. Zudem ist die Rechtsprechung vor allem in den USA zuweilen sehr zweifelhaft, ja, anrüchig, gar verbrecherisch – es werden großenteils Mitmenschen, die sich keinen adäquaten Rechtsbeistand leisten können, und sozialen Unterschichten entstammen, zum Tode verurteilt. Eines der besten Beispiele ist der Fall Debbie Mielke, die vor zwanzig Jahren allein aufgrund der weder schriftlich noch durch andere Aufzeichnungen festgehaltenen Aussage des örtlichen Sherriffs zum Tode verurteilt worden ist, und deren Hinrichtung inzwischen mehrmals verschoben wurde…

  3. kowkla123 sagt:

    man sollte sie abschaffen, ich glaube, das Leben ist für manche Schwerverbrecher und Mörder oft schwerer zu ertragen, als der Tod und das ist gut so, schönen Sonnabend für dich vom KLaus

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Klaus,

      leider wird das oft übersehen, dass die Gewissensbisse der Menschen manchmal eine viel härtere Strafe sein können. Ich kann ja verstehen, dass sich die Menschen vor Serienmördern schützen will. Dafür gibt es aber meiner Meinung nach genug Gefängnisse.

      Viele Grüße

      Monika

  4. Karin Braun sagt:

    Wie kann ich jemanden das Leben nehmen, nachdem ich gerade per Gesetz festgestellt habe, dass er dieses Recht nicht hat. Meiner Meinung nach ein Unding. Was mich vor allem stört ist die Grundlage der Todesstrafe. Die ist nämlich Vergeltung und was ist das für ein Ansatz? Gar keiner!
    Zu Amerika. Dieses ach so demokratische Land ist keinen deut besser, zivilisierter oder menschlicher als andere Länder. Amerikaner unterhält weiterhin den Folterknast Guantanamo, in dem Menschen ohne Anklage, ohne Urteil gefoltert und festgehalten werden, nur auf eine waage Vermutung hin. Die Verhältnisse in amerikanischen Gefängnissen sind unter aller Sau. Unter anderen werden medizinische Experimente an Gefangenen durchgeführt.
    Auf die gesamte Welt gesehen, ist unsere ethische, moralische Entwicklung leider nicht mit der technologischen gewachsen.
    Alles Liebe Karin

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Karin,

      danke für den ausfürhlichen Kommentar.
      Ich würde sagen, dass jede Vergeltung unlogisch ist. Und die Begründung dafür meistens auch. Hier sieht man das deutlich. Man darf zwar nicht morden, mordet aber mit der Todesstrafe selbt.
      Ich habe Guantanamo nicht erwähnt, da es eine andere Thematik als die Todesstrafe ist, aber Du hast Recht, dass auch hier sehr viele offene Baustellen sind, die viele Amerikaner nicht sehen wollen.
      Ich denke, dass die technologische Entwicklung zu schnell gekommen ist, so dass der menschliche Verstand sich nicht damit auseinander setzen konnte, was für Möglichkeiten und Gefahren diese in sich bergen.

      Viele Grüße

      Monika

  5. Das sehe ich auch so…zumal schon sehr oft auch nach gültigen Gesetzen ( ob nun rechtmässig oder nicht) unschuldige Menschen hingerichtet wurden. Für ein demokratisches Land, wie es die USA eigentlich ist und anderen Ländern immer beibringen will, empfinde ich es zutiefst undemokratisch und unmenschlich.
    Bei Fällen, wie dem der jungen Frau in Indien, schlagen allerdings zwei Herzen in meiner Brust. Aber wir haben nicht das Recht, anderen das Leben zu nehmen und indische Gefängnisse sind die wahrscheinlich die noch härtere Strafe. Davon mal abgesehen, dass sie vielleicht noch leben könnte, hätte sie rechtzeitig Hilfe bekommen. Und das hat sie nicht.Da müsste man die ganzen „Nichthelfenden“ (auch Polizei) auch einsperren. Eigentlich zu verurteilen ist das Frauenverachtende System in Indien. Und das ist schon uralt und wird sich so leicht nicht drehen lassen.
    Liebe Grüße
    Ute

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Ute,

      ich bin ganz Deiner Meinung.
      Zu Indien möchte ich noch sagen, dass es genau diese Problematik ist, die ich hier ansprechen möchte. Einerseits darf so ein Verbrechen nicht ungestraft bleiben. Andererseits ist die Todesstrafe auch hier ein Urteil über einen Leben. Das darf man nie vergessen. Es ist so, als ob der Mensch selbst urteilt, wer leben darf und wer nicht. Auch bei Mördern dürfen wir uns nicht auf die gleiche Stufe mit ihnen stellen. Die Todesstrafe hält nämlich nachfolgende Täter nicht ab. Ich selbst möchte nicht über das Leben eines anderen Menschen entscheiden.

      Viele Grüße

      Monika

  6. erikschueler sagt:

    Absolut richtig erfasst!
    Kleine Kritik darf mir aber erlaubt sein. Sokrates war ein Mann von Größe und voller Werte. Den Menschen durch seine eigene Art zu leben zu überzeugen, dass er falsch lebt und etwas verändern muss, das ist die Kunst der Mäeutik. Positive Manipulation in seiner höchsten Form.
    Ich habe mich auch mal in meinem Blog dazu ausgelassen, aber mit der rechtlichen Problematik (http://2012missionphoenix.wordpress.com/2012/10/14/todesstrafe-fur-diese-schweine/).

    • Monika sagt:

      Guten Morgen erikschueler,

      vielen Dank für den Link auf Deinen Artikel. Er ist wirklich sehr interessant und ich schließe mich Deinem Urteil an, dass Todesstrafe (und da gehe ich etwas weiter) egal für welche Tat undemokratisch ist. Dass Sokrates die Kunst der Mäeutik beherrschte, habe ich nicht erwähnt, weil das nicht unter den Anklagepunkten war, weshalb er hingerichtet wurde. Die Mäeutik dagegen ist eine Methode, die er angewandt hat.

      Viele Grüße

      Monika

      • erikschueler sagt:

        Ohne diese Erwähnung hätte ein Leser, der unbewandert ist auf dem Gebiet, gedacht, dass Sokrates wirklich die Jugend verführt hätte oder der gleichen. Und nur darum ging es mir. Ich bin Hobbyphilosoph, deshalb habe ich das nochmal erläutert.

  7. klugwurst sagt:

    Glücklicherweise ist die Todesstrafe nach dem Grundgesetz ganz eindeutig abgeschafft. Ein wichtiger Grund hierfür ist die Würde des Menschen, die auch bei Verbrechern unantastbar ist. Außerdem steht dies noch einmal in dem späteren Artikel 102.

    Dieser Passus ist deshalb so wichtig, weil beispielsweise die Bayerische Verfassung bis 1998 eine Todesstrafe vorgesehen hat. Außerdem soll sich nach Umfragen zu dem Thema regelmäßig eine Mehrheit für diese Bestrafung finden, was durch die verfassungsrechtliche Beschränkung aber glücklicherweise bisher keinen Eingang in die Gesetzgebung gefunden hat.

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