Mein Verhältnis – zur Liebe


Dieses Buch, eigentlich ein Büchlein, ist ein Juwel. Ich habe die Taschenbuchausgabe von 1974 vor mir, die damals zu einem Preis von 2 Mark 80 zu haben war. Zum ersten Mal bin ich durch den Religionsunterricht darauf aufmerksam gemacht worden, und bis heute bin ich ihm und dem Autor zu größtem Dank verpflichtet. Es sind vor allem vier aphorismusartige Sätze darin, die mich seither begleiten. Ich rede von dem Buch „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm.

Wer wissen will, was Liebe ist, wird in diesem Büchlein fündig wie in kaum einem anderen. Aus der Bibel wissen wir, dass dem obersten Gebot, Gott mit aller Kraft zu lieben, eines gleich kommt: den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Die Antwort auf die Frage, wer denn der Nächste sei, beantwortet Jesus mit dem berühmten Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Es besagt, dass, wer den Nächsten liebt wie sich selbst, zwischen sich und dem Mitmenschen keinen Unterschied macht. Es geht nicht darum, über sich hinauszuwachsen, im Gegenteil. Es geht darum, in sich hineinzuhorchen, sich selbst zu erkennen und dementsprechend den anderen, der vor dieselbe Aufgabe gestellt ist, als seinesgleichen anzuerkennen, ihn also wie sich selbst zu lieben. So weit so gut.

Was Erich Fromm geleistet hat, ist mir verdeutlicht zu haben, dass Liebe keine bloße, oberflächliche romantische Verzückung oder Schwärmerei des Augenblicks ist, die kommt und geht, die uns hat statt dass wir sie haben. Ihm verdanke ich die Erkenntnis, dass ich mir die Liebe als Grundhaltung zu eigen machen muss, dass sie einer Entscheidung nach den Möglichkeiten meiner Vernunft bedarf.

Die Sätze von denen die Rede ist, lauten: „Die kindliche Liebe folgt dem Grundsatz: ‚Ich liebe, weil ich geliebt werde.‘ Die reife Liebe dagegen folgt dem Grundsatz: ‚Ich werde geliebt, weil ich liebe.‘ Die unreife kindliche Liebe sagt: ‚Ich liebe dich, weil ich dich brauche.‘ Die reife Liebe sagt dagegen: ‚Ich brauche dich, weil ich dich liebe.‘“ (Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, Ullstein Buch Nr. 258, Frankfurt/M-Berlin-Wien 1974, S. 63)

Das erklärt, warum Standesbeamter und Pfarrer nicht einfach nach der Liebe des Brautpaares fragen, sondern nach dessen Bereitschaft und Willen, den anderen in guten wie in schlechten Tagen zu lieben.

Die Sätze Erich Fromms haben mir zu einem immer tieferen Verständnis der Liebe und damit des Menschen verholfen. So wurde mir erst kürzlich einmal mehr klar, warum ich mich freue, Christ zu sein: Das göttliche Gebot der Liebe ist, wie die Hoffnung und der Glaube, prinzipiell von jedem Menschen erfüllbar. Man braucht kein Gelehrter zu sein. Gott verlangt nichts Außergewöhnliches, wenn er Liebe verlangt. Ob ich ohne Erich Fromm zu dieser Erkenntnis vorgedrungen wäre?

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13 Kommentare zu “Mein Verhältnis – zur Liebe

  1. theomix sagt:

    Die gleiche Ausgabe habe ich auch, ein bisschen später, aber immerhin. War gut und wichtig zu lesen…

  2. Guten Abend Monika,
    ein sehr interessantes Thema hast du da wieder aufgegriffen.
    Um es vorrauszuschicken, ich bin sicher, so wie du die Dinge angehst und über sie nachdenkst, wärst du auch allein drauf gekommen. 🙂
    Ja in dem Buch gibt es viele Wahrheiten.
    Die wichtigste ist für mich, die mit der Nächstenliebe. Das habe ich auch sehr lange falsch verstanden. Die Nächstenliebe reicht in die meisten Bereiche unseres Lebens hinein. Sie ist auch wichtig, wenn die Schwärmerei und die Schmetterlinge im Bauch weg sind. Den anderen zu achten (und zu lieben). Genau das bringt für mich die innige Zweisamkeit und eine eigentlich noch schönere Art der Liebe.
    Ebenso die Liebe zu den Eltern, sie später genauso zu lieben, auch wenn man sie nicht mehr braucht oder sie einen gar selbst brauchen. Und vielleicht auch nicht mehr die gewohnte Liebe vergeben können, weil sie dement sind, zum Beispiel.
    Und stimmt, Liebe kann jeder geben.

    Man kann nicht jeden „lieben“ im wahrsten Sinne des Wortes, aber ihn achten und vielleicht versuchen zu verstehen, warum er gerade so handelt. Und das dies sein Weg ist, wenn es vielleicht auch manchmal der Falsche ist. In manchen Fällen gelingt mir das allerdings auch nicht. Wie bei sehr gewalttätigen Menschen und oder den „Rechten“. Sie deswegen zu beschimpfen oder ihnen „Gewalt“ anzutun, liegt mir allerdings fern. Ich halte auch nichts von der Todesstrafe, das steht uns nicht zu, finde ich. Und wir sind nicht unfehlbar, schon oft hat es Unschuldige getroffen.

    In der Hinsicht können wir übrigens noch viel von Tieren lernen. Sie lieben dich um deinetwillen, egal ob du viel oder wenig hast, wie du aussiehst, einfach so, ohne etwas dafür haben zu wollen. Und selbst dann noch, wenn du nicht gut zu ihnen bist. Ist man gut zu ihnen, hat man die treuesten Freunde, die man haben kann.

    In dem Sinne, einen schönen Abend und ein schönes Wochenende
    Ute

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Ute,

      ich kann Dir bei fast allem zustimmen. Nur hast Du den falschen Ansprechpartner gewählt. Den Artikel hat mein Autor und Mitschreiber des Blogs verfasst 😉

      Von Tieren kannn man manches lernen. Doch in der Natur können sie auch blutrünstig, eifersüchtig und vieles andere sein. Man denke nur an die Väter, die ihre Kinder auffressen würden oder an manch brutalen Zweikämpfe wegen der Rangordnung.

      Viele Grüße

      Monika

      • Guten Morgen Monika,
        oh, das ist mir auf dem Handy gar nicht aufgefallen. Dann gilt das Lob natürlich ihm. Und er soll es mir nicht krumm nehmen… sorry!
        Ja, die Natur kann auch sehr grausam sein, allerdings zu anderen Zwecken, als bei den Menschen. Die Kämpfe um die Vorherrschaft gelten nur dazu, damit sich die Stärksten durchsetzen und die Art (Schöpfung) sich bestmöglichst oder auch überhaupt erhalten kann. Und sonst töten Tiere nur wenn.sie Hunger haben, auch wichtig zum überleben, auch wenn es grausam ist. Ich finde, es ist so alles perfekt eingerichtet und ein größeres Geschenk hätten wir nicht bekommen können. 🙂

        Herzliche Grüße zu dir
        Ute

  3. kowkla123 sagt:

    also, echt, diese Sätze sind eine tolle Zusammenfassung zum Thema Liebe:
    „Die kindliche Liebe folgt dem Grundsatz: ‘Ich liebe, weil ich geliebt werde.’ Die reife Liebe dagegen folgt dem Grundsatz: ‘Ich werde geliebt, weil ich liebe.’ Die unreife kindliche Liebe sagt: ‘Ich liebe dich, weil ich dich brauche.’ Die reife Liebe sagt dagegen: ‘Ich brauche dich, weil ich dich liebe.das kann, sollte man sich zu Herzen nehmen, übrigens hat der Mensch im allgemeinen damit immer Probleme und das wird sich so und so nicht ändern, aber helfen kann einem dann solch ein Buch, ein schönes We, KLaus

  4. emsemsem sagt:

    Hallo Klaus, für mich sind das richtige „Hammerzeilen“, um ein Wort von Robert Gernhardt aufzugreifen, der es in Bezug auf Gedichte geprägt hat und damit Zeilen meint, die sich dem Publikum „eingehämmert haben“. Es war wohl 1975, dass ich sie das erste Mal zur Kenntnis genommen habe, und bis heute habe ich sie nicht vergessen.

    Viele Grüße

  5. Ich finde diese Zitate bilden eine gute Diskussionsgrundlage, aber ich brauche irgendwie mehr Kontext. Daher werde ich mich mal mit dem Buch beschäftigen. Vielen Dank für diesen Hinweis!

  6. Barbara sagt:

    Die liebe, ein unerschöpfliches Thema mit dem ich mich auch immer wieder auseinandersetze. Mit der liebe zu meinem Mann, die schon sehr lange anhält, aber sich auch sehr verändert hat, mit der liebe zu meinen Kindern, die manchmal auf eine harte probe gestellt wird 😉 Mit der Liebe zu meinen Tieren, zu meinen Freunden u.s.w. Und ich finde man sollte seinem gegenüber ruhig öfter mal sagen Ich hab dich lieb oder ich liebe dich und auch ein ich mag dich sehr finde ich nicht abwertend. Und ob ich geliebt werde? Ja, da bin ich mir ganz sicher 😉 Und auch mich hat Erich Fromm schon seit vielen Jahren begleitet 😉 Ein schöner, interessanter Blog der auch mal wieder anregt über Liebe nachzudenken und sie nicht einfach nur immer so hin nimmt. Mal herzliche Grüße hier lass, Barbara

    • emsemsem sagt:

      Unerschöpflich und immer wieder überraschend. Im Laufe der Jahre habe ich entdeckt, dass die Liebe eine Sprache ist, die, noch weit mehr als etwa die Musik, wirklich universal ist und auch ohne Worte verstanden werden kann. Ein „Augenblick“ zur richtigen Augenblick kann schon genügen, um „Ich liebe dich“ zu sagen.

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