Der Zusammenhang zwischen Demut, Hochmut und Mut


Bei theomix habe ich ein interessantes Zitat zum Verhältnis von Demut und Mut gelesen. Das hat mich dazu animiert, dieses Thema weiter zu recherchieren. Im Rahmen dieser Recherche bin ich auf folgendes Zitat gestoßen: „Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut.“ Dies schrieb Theodor Fontane (1819-1898) und er hat somit den Mut zwischen Hochmut und Demut gesetzt.

Definitionen: Mut, Demut und Hochmut

Zuerst möchte ich hier, wie bei vielen anderen Artikeln auch, die Begrifflichkeiten klären, da bei vielen eine falsche Definition vor allem von Demut im Kopf ist. Demut kommt von diomuoti (‚dienstwillig‘, also eigentlich ‚Gesinnung eines Dienenden‘). Martin Luther übersetzte damit das griechische Wort tapeinophrosyne bzw. das lateinische Wort humilitas aus der Bibel. Im Christentum wird somit eine Analogie zwischen dem Verhältnis Gott-Geschöpf und dem von Herrn und Knecht gezogen.

Mut dagegen stammt vom altgermanischen Wort muod (erregt sein, nach etwas trachten). Daher bezeichnet das Wort Muth bis zum 19. Jahrhundert die Hoffnung auf ein gutes Ende. Deswegen ist man auch frohen Mutes, wohlgemut und ähnliches. Diese Ausdrücke sind auch heute noch bekannt. Den Wagemut hat das Wort in Zeiten des Krieges hinzugefügt bekommen. Die Kühnheit verschmilzt nun den Wagemut (das Wagnis eingehen, aber mit der Hoffnung auf guten Ausgang) mit Tapferkeit (Durchhaltewillen).

Hochmut ist ein abgeleitetes Kompositum von Mut und bedeutet Übermut und Arroganz, in der Antike beispielsweise gegenüber Göttern. Ein Sprichwort kommt in diesem Zusammenhang aus der Bibel. Sprüche 16,18 liefert die Grundlage zu „Hochmut kommt vor dem Fall“.

Das Dreieck der Hochmut, Demut und des Mutes

Dieses Dreieck hat einiges gemeinsam und kann im Zusammenhang sehr wohl gesehen werden. Ich gehe nun darauf ein, was Fontane gesagt hat. Mut als Zwischenform zwischen Hochmut und Demut zu sehen, ist nicht schlecht, denn es verdeutlicht, dass Mut sich zwar absetzt, aber doch die beiden nicht ersetzt. Hochmut ist eines der 7 Todsünden im Christentum, denn es ist eine Sünde gegen den Nächsten. Wie kann man ihr aber entgegenwirken? Vermutlich, indem man den Mut hat, demütig zu sein. Demut wird in der heutigen Gesellschaft immer weniger praktiziert. Die Demut bedeutet aber nicht Erniedrigung, wie einige glauben. Die Größe, der wir dienen, hebt uns gleichzeitig hoch. Somit bringt uns Hochmut zum Fall und Demut erhebt uns. Doch zum Demut braucht man heutzutage auch viel Mut, weil die Gesellschaft eine Leistungsgesellschaft ist, in der nur das höher, schneller, weiter zählt.

Advertisements

16 Kommentare zu “Der Zusammenhang zwischen Demut, Hochmut und Mut

  1. kowkla123 sagt:

    ist aber ein schwieriges Thema, Hochmut ist negativ, Demut ok, anber Mut gut, wie das zusammen gehen soll, ich weiß es nicht, KLaus

  2. Susanne Haun sagt:

    Danke, Monika, für deine gute Recherche und Erklärung.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Demut so sehe wie du.
    Für mich ist sie stark negativ besetzt.
    In dem Sinn wie keinen eigenen Willen haben, anderen gehorchen ohne nachzudenken oder keinen Forscherdrang haben.
    Respekt und Höflichkeit sind für mich bessere Wörter für das was du unter Demut beschreibst.
    Wechselt der Sinn von Wörtern trotz des Wortstammes nicht auch manchmal?

    • Monika sagt:

      Guten morgen Susanne,

      die Recherche habe ich gerne gemacht. Demut selbst wurde in der Gesellschaft oft als negativ bewertet. Demut bedeutet eigentlich im christlichen Sinn nichts anderes, als sich anzunehmen wie man ist und somit Gott zu dienen, wie die Definition des Wortes aussagt. Somit hat man hier auch einen eigenen Willen. Respekt und Höflichkeit dagegen würde ich in gewissem Maße hier einflechten. Sie können aber den Wortumfang von Demut nicht erfassen, da Demut sich mit einem selbst beschäftigt und Respekt und Höflichkeit dagegen mit anderen.
      Es hat mich gefreut, wenn ich hier ein Thema angestoßen habe, das zur Dikussion führt.

      Viele Grüße

      Monika

      • Susanne Haun sagt:

        Ich denke, es ist sehr wichtig, auch vor sich selber Respekt zu haben. Aus verschiedenen Gründen, Erziehung oder Umfeld, in dem wir geboren werden, bekommen wir eine bestimmte Wertschätzigkeit uns selbst gegenüber mitgeliefert. Es lohnt sich, über unsere Meinung, wie wir uns sehen, nachzudenken. Nichts ist schlimmer als sich selber gegenüber respektlos zu sein. Denn wir können nur Zufriedenheit und Glück ausstrahlen und anderen geben und helfen, wenn wir selber glücklich und zufrieden sind!

  3. theomix sagt:

    Danke fürs verweisen! Ich plädiere für den Mut als zentrale Tugend. Demut ist umstritten, klingbt oft zu sehr nach der von dir abgewiesenen Selbst-Erniedrigung. Hochmut will niemand haben, den haben immer nur andere.

    Mut tut gut, gerade den ChristInnen, sie war jahrhundertelang unterentwickelt.

    Weitere These: Wer dann den Mut von Gott ableitet, wird nicht hochmütig, sondern in guter Weise demütig, weil er/sie weiß: Alles kommt von Gott…

    • Monika sagt:

      Guten Morgen,

      ich habe durch Deinen Artikel die Idee für diesen Artikel bekommen.
      Demut wurde im Laufe der Zeit zur Selbst-Erniedrigung gemacht. Somit ist die These von Dir fast deckungsgleich zu meiner, nämlich Mut zur Demut zu haben, da alles von Gott kommt und man sich dann selbst annimmt.

      Viele Grüße

      Monika

  4. Guten Morgen Monika,
    Demut war bis jetzt für mich auch eher negativ besetzt. Deine Defination von Demut empfinde ich allerdings gut und kann sie so annehmen. Respekt (gegenüber anderen) gehört für mich da auch dazu.
    Sich selbst und andere so anzunehmen wie man ist (sie sind) und damit zu „dienen“, ja genau.
    Genau das verhindert auch Hochmut, meine ich. Hochmut ist für mich sehr negativ, Menschen aber von Anbeginn an zu eigen. Davor ist auch die Kirche selbst und ihre hochrangigen Vertreter nicht gefeit. Und das nicht erst heute.
    Was den Mut betrifft, empfinde ich ihn als positiv, sofern es der Mut ist, anderen zu helfen, gegen Misstände und Ungerechtigkeiten anzugehen. Oder Neues zu erforschen. Was wären wir ohne Leute wie Humboldt…
    Danach kommt aber gleich wieder der Hochmut zum Zuge und viel zu wenig Demut, die neu entdeckte Schöpfung Gottes auch zu bewahren und sie zu achten.
    Mut im Sinne von Wagemut, gegen andere zu kämpfen, meist um des eigenen Vorteils wegen, empfinde ich als negativ. Krieg und Gewalt hinterlassen auf allen Seiten nur Leid und Verlierer.
    Stimmt, liebe Monika, diese drei Begriffe hängen mehr zusammen, als ich gedacht hätte.
    Und stimmt, mit „schneller, höher, weiter“ in unserer heutigen Zeit, spielt Demut in deinem Sinne, wohl eine immer kleinere Rolle. Ich kann mich des Gefühls aber nicht erwehren, dass dies uns Menschen und der übrigen Schöpfung nicht gut bekommen wird. Und sehr oft kommt mir der Mensch, auf Grund seines Verhaltens, gar nicht als Krone der Schöpfung vor.
    In dem Sinne, das war ein sehr interessantes Thema, über das es sich lohnt nachzudenken…
    Ich wünsche dir einen ganz schönen Sonntag
    Ute

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Ute,

      es freut mich, dass ich einige zum Nachdenken angeregt habe, denn über das Thema lohnt es sich nachzudenken. Ich würde eigentlich alles unterstreichen, was Du geschrieben hast. Dementsprechend danke ich für die weiteren Ergänzungen zu diesem Thema, auch in Deinem zweiten Kommentar.

      viele Grüße

      Monika

  5. Zur Demut wäre vielleicht noch zu sagen, dass es wichtig ist, immer wieder zu reflektieren, ob das, was ich tue, gut (gottgefällig), auch gegenüber anderen/m ist. Und mit weniger Hochmut auf andere zu schauen und selbst zu meinen, man macht alles richtig. Dann wäre meiner Meinung nach, vieles besser. Und das ist für mich allgemeingültig, egal ob gläubig oder nicht.
    Herzliche Grüße
    Ute

  6. Feli sagt:

    Dem Hochmut Satans setzte Gott Demut entgegen; deshalb ersehe ich Demut zwar als Selbsterniedrigung, aber nicht im negativen Sinne – es ist vollkommene Hingabe.

    Die Vorsilbe „de“ bedeutet Loslösung und Mut ist das Resultat von Besiegen der Angst – also ist Demut eine Gesinnung, die keinen Mut erfordert und keine Angst beinhaltet.

    Es gibt wohl nichts demütigeres als einen Gott, der Mensch wurde.

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Feli,

      danke für die Ergänzung. Sie wirft ein etwas anderes Licht auf meinen Artikel. Meine Frage ist aber: Ist Mut wirklich das Besiegen von Angst? Durch die Wortherkunft, die ich im Artikel beschrieben habe, ist die ursprüngliche Definition von Mut „Hoffnung auf ein gutes Ende“. Somit hat dies meiner Meinung nach im ursprünglichen Sinn nichts mit dem Besiegen der Angst zu tun. Mit der Hoffnung auf ein gutes Ende können wir also demütig sein. Leider hat Mut im Laufe der Zeit eine Wandlung durchgemacht und wird nicht mehr im ursprünglichen Sinn gebruacht, sondern in dem Sinn, den du nennst. Jedoch sollten solche Betrachtungen, meiner Meinung nach, vom Ursprung ausgehen.

      Deinen letzten Satz unterstreiche ich voll und ganz.

      Viele Grüße

      Monika

      • Feli sagt:

        Hallo Monika,

        so gravierend ist der Wandel gar nicht: der Mut, also die Hoffnung auf ein gutes Ende beinhaltet das Besiegen von Angst – denn eine Hoffnung ist keine Gewissheit. Wer sich der Angst ergibt, der resigniert und ist damit mut-/hoffnungslos.

        Lieben Gruß
        Feli

  7. Miro sagt:

    Ich empfinde Demut als ein tiefes, inneres Gefühl des Staunens über die Natur des Lebens.
    Ich freue mich, ein Teil des Ganzen zu sein. Ein sehr gutes, leichtes Gefühl, das sich von selbst einstellt.

    Mut empfinde ich als eine Überwindung von Ängsten im Sinne von einer Mutprobe. Vor einer mutigen Tat, die ich mir nicht ausgesucht hatte, fühle ich mich wie ein Soldat, der in den Krieg ziehen muß. Habe ich mich endlich überwunden und eine mutige Tat vollbracht, fühle ich mich danach zwar erleichtert, aber nicht sicherer oder besser, als davor.

    Hochmut, bei erwachsenen Menschen, empfinde ich als ein höchst riskantes Spiel mit den Kräften der Natur. Natürliche Grenzen überwinden zu versuchen, um Beifall und Bewunderung für eine auserordentliche Leistung zu bekommen. Oft der Anfang von menschlichen Katastrophen.

  8. emsemsem sagt:

    Sehr schön formuliert.

Hier können Sie in die Diskussion einsteigen. Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s