Hildegard von Bingen – eine Mystikerin des Mittelalters


Hildegard von Bingen wurde im Sommer 1098 in Bermersheim vor der Höhe (Ort der Taufkirche) oder in Niederhosenbach (Wohnsitz des Vaters zur Zeit ihrer Geburt) geboren und sie ist am 17. September 1179 im Kloster Rupertsheim bei Bingen gestorben. Sie war Benediktinerin und gilt als erste Mystikerin des Mittelalters. Dennoch war ihre Mystik nicht typisch für die des Mittelalters. Sie konnte weite Seelsorgereisen unternehmen, wie ihren Berichten zu entnehmen ist. Das allerdings war im Mittelalter für sie als Frau sehr ungewöhnlich und sie konnte es nur, weil ihre Umwelt ihr prophetisches Selbstverständnis geteilt hat. Man nennt sie als Mystikerin auch „Tischgenossin Gottes“.

Drei theologischen Werke machten Hildegard im Mittelalter bekannt. Ihr Hauptwerk Scivias („Wisse die Wege“) ist eine Glaubenslehre. Dort sind Weltbild und Menschenbild untrennbar mit dem Gottesbild verbunden. Der philosophisch-theologische Text wird in 26 Visionen dargestellt und geht im Wesentlichen mit der damaligen offiziellen Kirchenlehre einher. Das zweite Werk Liber Vitae Meritorum („Buch der Lebensverdienste“) ist eine mit Visionen beschriebene Ethik, in dem 35 Laster und Tugenden verglichen werden. Das dritte Buch Liber Divinorum Operum („Buch der göttlichen Werke“) ist Hildegards Vision über Welt und Mensch. Die Schöpfungsordnung wird hier folgendermaßen beschrieben: Der Leib und die Seele, die Welt und die Kirche, die Natur und die Gnade sind alle in der Verantwortung der Menschen.

Zu ihren Werken zählen auch die Korrespondenzen zu hohen geistlichen und weltlichen Würdenträgern des frühen Mittelalters wie Bernhard von Clairvaux. Ihre offenen Worte und Ermahnungen gegenüber König und Papst sind im Mittelalter besonders zu beachten. Ihre Herkunft und auch die Besetzung höchster Kirchenämter durch Verwandte (wie ihr Bruder Hugo als Domkantor von Mainz) machten es ihr möglich, dass ihre Worte angehört wurden.

Bereits zu ihren Lebzeiten wurde sie als Heilige verehrt. Aufgrund von Fragen der Kompetenzen über die Heiligsprechungen im Allgemeinen wurde Hildegard erst 1584 in das Martyrologium Romanum (Verzeichnis der offiziell Heilig gesprochenen der römisch-katholischen Kirche) aufgenommen. Sie ist bis heute eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Zu den aktuellen Entwicklungen über Hildegard von Bingen lesen Sie den nächsten kulturellen Wochenrückblick am kommenden Sonntag.

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9 Kommentare zu “Hildegard von Bingen – eine Mystikerin des Mittelalters

  1. kowkla123 sagt:

    liebe monika, da es schon so spät ist und ich wenig zeit habe, kommentiere ich das gelesene nicht8ist mir übrigens ganz gut bekannt die frau bingen9 und sende erstmal nur ganz herzliche grüße, klaus

  2. Catio sagt:

    Naja, die Hildegard hat uns eine Menge Unsinn beschert, unter anderem auch die Esoterik der Heilsteine und die wirkungslose Hildegard-Medizin, siehe : http://blog.gwup.net/2010/08/27/hildegard-medizin-der-teufel-erschaudert/

    Allerdings ist es heutzutage ja nichts Neues, dass QuacksalberInnen für eine angebliche Wissenschaftlichkeit geehrt werden, die sie gar nicht hatten. Denn Hildegards Zuordnung von Halbedelsteinen zu angeblichen Heilwirkungen ist sogar 2008 vom Landgericht Hamburg untersagt worden. Siehe hierzu auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Heilstein#Rechtliche_Beurteilung_von_Heilsteinen

    Interessant ist jedenfalls, dass Hildegard von Bingen ausgerechnet jetzt in Hochzeiten des esoterischen Quacksalberns auf breiter Ebene die Ehre der Kichenlehrerin zuteil wird – welch ein Zufall. Auch lesenswert: http://blog.gwup.net/2012/10/07/hildegard-von-bingen-zwischen-dinkel-und-dunkel/

    Und das schlimmste zum Schluß: Dat Hilde hat unsere Bäckereien rund 800 Jahre nach ihrem Tod schon wieder mit dem schlechtschmeckenden und ertragsschwachen Dinkelgetreide verseucht… 😉

    • emsemsem sagt:

      Lieber Catio, Sie reden von Esoterik, von Hildegard-Medizin, von Quacksalberei, von schlechtschmeckendem (und ertragsschwachem) Dinkel. Nur nicht davon, worum es in dem Beitrag geht. Dass Hildegard schon seit Jahren von Kreisen missbraucht wird, die nur an einem vermarktbaren Namen (noch dazu von jemandem, der sich nicht dagegen wehren kann) interessiert sind, sollte doch auch Ihnen nicht entgangen sein.
      Ich vermute, dass das ominöse Heilsversprechen, das das Landgericht Hamburg zum unlauteren Wettbewerb erklärt hat, mit Hildegard von Bingen ungefähr so viel zu tun hat wie die Bachblüten-Therapie mit Johann Sebastian Bach.
      Ich teile Ihre Auffassung, dass es kein Zufall ist, dass Hildegard von Bingen jetzt zur Kirchenlehrerin erhoben worden ist. Denn so etwas geschieht nicht spontan, sondern nach einer intensiven Prüfung des Lebens und Werks eines Menschen. Sie können sicher sein, dass der derzeitige Papst niemandem diesen Titel verleihen würde, nur weil er in Esoterik-Kreisen aus Gründen des wirtschaftlichen Umsatzes besonders beliebt ist. Und Hildegard würde das wohl posthum auch selber als Hohn empfinden.

      • Catio sagt:

        Lieber emsemsem, HvB mag zwar theologisch eine Bedeutung haben, aber das gilt nur für religiöse Kreise und deren Anhänger. Ausserhalb dieser Szene – und ich beziehe mich da auf den Blog-Titel „Welt der Kultur“ – ist Hildegard zur Zeit vor allem durch ihre früher spirituell genannten, heute eindeutig esoterischen Ansätze bekannt, und dazu gehören auch die sogenannten Heilsteine. Immerhin beschrieb sie im Buch von den Steinen diverse Anwendungsmöglichkeiten von Halbedelsteinen und Edelsteinen als göttliche Heilquelle bis hin zur Vertreibungsunterstützung des Teufels. Sie war damit den damals vermeintlichen als göttlich, heute als esoterisch geltenden Ansätzen näher als J.S.Bach den Bachblüten. Natürlich gibt es in esoterischen Kreisen nicht nur reine auf HvB begründete Heilsteinlehren, insofern bezieht sich das Gerichtsurteil natürlich nicht speziell auf die Lehre der Hilde. Aber immerhin dürfen Heilsteine nicht mehr verkauft werden mit dem Zusatz, wogegen sie helfen sollen, auch dann nicht, wenn dies im Original in Hildes Buch steht. Insofern hat auch sie damit eine späte gerichtliche Schlappe erlitten – wenn man es genau nimmt. Hilde würde im Sarkophag rotieren, wenn sie das wüsste. 😉
        Geschichtlich und kulturell sehe ich HvB ausgenommen ihrer Beschreibungen von Pflanzen (auch wenn diese inzwischen längst überholt sind) und ein wenig geistliche Musik (die wie viele andere Kompositionen zu Recht in Vergessenheit geraten ist und derzeit im Zuge der Altes-Wissen-Ist-Gut-Entdeckermarotte wieder ausgegraben und als „besonders wertvoll weil alt“ präsentiert werden) als eher unwichtig an. Sie war eine Nonne, die aufgrund von Privilegien sich bestimmte Rechte herausgenommen hat, unterstützt von einer neurologischen Krankheit, die sie zugegebenermaßen selbst nicht erkennen konnte und in der sich ihre vermeintlichen Visionen begründeten. Mit diesen angeblich göttlichen Visionen sicherte sie sich gegen Kritik ab. Was jedoch sind visionäre Beschreibungen noch wert, wenn die Menschheit von der Erkenntnis eingeholt wurde, dass Spiritualität und Transzendenz reine Produkte unseres Gehirns und Visionen Fehlerprodukte unserer Nerven sind?
        Und zum erneuten Ansatz zur Heiligsprechung ist die Merkwürdigkeit anzumerken, dass HvB ja schon vor 700 Jahren heilig gesprochen werden sollte und die Vorbereitungen dazu im Streit endeten. Danach hat nie wieder jemand den Versuch unternommen, die Dame heilig zu sprechen, nicht einmal der siebte deutsche Papst Hadrian VI. Erst jetzt ist HvB wieder in das Bild der Öffentlichkeit gerückt; zuerst mit Dinkel (durch die Ernährungsspezialisten, die auch „altes Wissen“ suchen), dann mit Naturheilkunde bis hin zu Heilsteinen und letztendlich der unsinnigen Hildegard-Medizin. Und deshalb sehe ich es nicht als Zufall an, dass gerade jetzt sich der deutsche Papst an eine deutsche „Mystikerin“ aus dem Mittelalter erinnert, deren „altes Wissen“ derzeit in aller Munde ist.

        • emsemsem sagt:

          Lieber Catio, ich lasse Ihnen den Glauben, dass „die Menschheit von der Erkenntnis eingeholt wurde, dass Spiritualität und Transzendenz reine Produkte unseres Gehirns und Visionen Fehlerprodukte unserer Nerven sind.“ Immerhin fordert Gott, um diese Transzendenz beim Namen zu nennen, bis heute gläubige wie ungläubige Geister heraus, die die Dimensionen von „Gottesbeweisen“ abzuschreiten versuchen, nicht zuletzt, weil sie die Möglichkeiten des menschlichen, genauer des logischen Denkens ausloten wollen (http://www.suhrkamp.de/buecher/gottesbeweise-_29546.html).

          Ich kann Ihnen versichern, dass nicht wenige Menschen diese Grenze zu übersteigen versuchen, indem sie sich zum Glauben an Gott entschließen. Das Schöne daran ist, dass man dazu keine besondere Qualifikation braucht. Es genügt, Mensch zu sein. Blaise Pascal hat diesbezüglich nachdenkenswerte Einsichten formuliert.

          Im übrigen möchte ich noch einmal betonen: Ihre Kritik hat mit dem Blog-Beitrag nichts zu tun. Sie geht weit darüber hinaus, und ich kann hier nur ansatzweise darauf eingehen, weil dies einen Blog sprengen würde. Damit möchte ich unseren Disput gerne beenden. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis.
          Viele Grüße

  3. Karin Braun sagt:

    Hildegard von Bingen ist sicher eine interessante Figur. Sogar für uns feministischen Hexen. 🙂 Alles Liebe KArin

  4. kowkla123 sagt:

    ja, sie ist eine sehr interessante Figur, meine Schwiegertochter schwört auf so bestimmte Säfte aus Heilkräutern auf der Basis ihrer Rezepte, aber ich kann mich mit ihren Ansichten nicht so ganz vereinbaren, streitbar ist sie auf jeden Fall, einen schönen Tag, KLaus

  5. […] einem anderem Blog hatte ich auf einen Bericht über die jetzt erneut geehrte Mystikerin Hildegard von Bingen in einem […]

  6. Anna-Lena sagt:

    Es geht im obigen Post um die Bedeutung Hildegards von Bingen und ihre Stellung als Mystikerin und Frau im Mittelalter und nicht um das, was der Kommerz aus ihr gemacht hat und immer noch macht. Das sollte man bei den Kommentaren doch bitte würdigen.
    Ich selber war nach dem Lesen einer Biografie sehr von dieser Frau angetan.

    Gute-Nacht-Grüße
    Anna-Lena

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