Schicksal oder göttliche Vorsehung



Das Wort Schicksal kommt vom altniederländischen schicksel und bedeutet Fakt. Mit diesem Hintergrund wird das Schicksal auch manchmal Los (althodeutsch, bzw. mittelhochdeutsch (h)lôჳ: Omen oder Orakel) genannt. Es umfasst viele Dinge, Handlungen und vieles andere, das unser Leben prägt oder nachhaltig beeinflusst. Die göttliche Vorsehung spielt dagegen in der christlichen Theologie eine große Rolle. Es wird auch Prädestination vom Lateinischen pradestinatio („Voherbestimmung“) genannt. Das Schicksal des Universums und jedes einzelnen Menschen liegt dabei in Gottes Hand.

Das Schicksal: Ein Begriff ohne Wertung

Schicksal hat zuerst mal keine Wertung in sich. Das Leben wird durch eine höhere Macht geleitet. Somit wird ohne Zutun eines jeden eine Wendung oder etwas Prägendes eintreffen. Das sieht am an den Begriffen Schicksalsschlag oder „Das Schicksal meint es gut mit mir“ oder ähnliches. Von daher ist es unpersönlichen Mächten zu verdanken. Doch man kann sein Schicksal auch meistern oder in die eigene Hand nehmen, so dass es vermeidbar ist. Dabei gibt es drei verschieden Einstellungen gegenüber dem Schicksal:

  • Fatalismus: Man geht regelrecht im Schicksal auf. Der Begriff Fatalist erscheint erstmals 1678 bei Ralph Cudworth. Dabei kann der Fatalismus unterschiedliche Folgen haben, weil das Schicksal unausweichlich ist. Zwei Extreme möchte ich dabei aufzeigen:
    1. Resignation (von lateinisch re-signare das Feldzeichen (signum) senken, kapitulieren): Der Mensch fügt sich in die Aussichtslosigkeit und das Unvermeidliche.
    2. Enthusiatische Verherrlichung des Schicksals (amor fati): Dies sieht man besonders bei Friedrich Nietzsche (1844 – 1900): Mitleid selbst ist demnach eine Verneinung und eine Gefahr, denn es vermehrt das Leiden. Der schöpferische Willen dagegen muss sich selbst oder andere vernichten und bekämpfen. Also ist aktive Mitfreude im Gegensatz zu passivem Mitleid oder grundsätzliche Lebensbejahung (amor fati) die höheren Werte.
  • Glauben an seine Überwindbarkeit: Das erklärt sich eigentlich von selbst. Man überwindet selbst das Schicksal.
  • Völlige Willensfreiheit/Volontarismus: Hier wird der Vorrang seines Willens in Abgrenzung zum Verstand aufgezeigt.

In den meisten Kulturen ist das Schicksal unausweichlich. In der Mythologie wurden sogra Götter dafür verantwortliche gemacht: Fortuna, Tyche, Moiren, Namtura und andere. Diese herrschten über das Universum sowie über das individuelle Leben. Weil das Schicksal vorherbestimmt ist, entwickelte sich daraus die Kunst der Mantik, oder anders ausgedrückt die Kunst des Wahrsagens.

Die göttliche Vorsehung (Prädestination)

In diesem Konzept der christlichen Theologie wird sowohl dem Willen Gottes als auch des Menschen mehr Raum gegeben. Die Prädestinationslehre wird mit Augustinus von Hippo und den Calvinismus verbunden. Dabei wird das Verhältnis von Gottes Allmacht zum freien Willen des Menschen, von Gottes Allmacht zum Ursprung des Bösen (Theodizee-Problem) sowie die Beziehung zwischen Gottes Gerechtigkeit und Gottes Gnade beobachtet. Dabei wird zwischen einfacher und doppelter Prädestination unterschieden.

Die einfache Prädestination begründet ihre Theorie auf der Erfahrung der Gegenwart, der Liebe Gottes sowie dem Glauben an das Geschenk der Gnade von Gott. Das Geschenk erhält der Mensch ohne bestimmtes Zutun. Es ist also von Gottes Willen abhängig, der schon vor der Entstehung der Welt vorhanden war (vgl. Röm 8,29-30).

Die doppelte Prädestination entwickelt diese Theorie weiter. Wenn einige durch die Wahl zum ewigen Leben bestimmt sind, so müssen die anderen durch eine Wahl zur ewigen Trennung von Gott bestimmt sein. Diese doppelte Prädestination lehrte als erster Augustinus von Hippo (5. Jahrhundert) und der bekannteste Vertreter dieser Lehre war Johannes Calvin (im 16. Jahrhundert). Viele katholische Theologen widersprachen und sind der Überzeugung, dass jeder selbst die Verantwortung über sein Handeln und also die Wahl zwischen ewigem Leben und Verdammung hat.

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9 Kommentare zu “Schicksal oder göttliche Vorsehung

  1. kowkla123 sagt:

    ich mache es mal kurz, ewenn ich davon ausgehe, dass es alles vom Schicksal vorher bestimmt ist, gerate ich in die Gefahr, mich einfach hängen zu lassen und abzuwarten, nach dem Motto, es kommt sowieso so und ich muss es hin nehmen, also, warum dann noch einen Kraftakt, ich lebe lieber nach dem Motto, nimm dein Schicksal in deine Hand und lebe dein Leben, KLaus

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Klaus,

      herzlich Willkommen auf meinem Blog. Das ist natürlich eine Gefahr, der wir uns alle ausgesetzt sind, wenn wir sagen, dass alles vom Schicksal bestimmt ist. Die andere Gefahr ist, dass man sich bei der anderen Lebensweise mehr Vorwürfe machen kann. Deswegen würde ich selbst hier keine Pauschalisierungen treffen, für wen was besser ist.

      Viele Grüße

      Monika

    • renate.teupser@gmx.net sagt:

      Ich denke, dass unser gesamtes Leben von Geburt bis zum Tod einen
      gewissen Seelenplan unterliegt, der durch Gott festgelegt wurde, unsere
      Aufgabe ist es, nach diesen Plan zu suchen und danach zu leben.
      Wenn wir in einen Abgrund, bzw. in eine Tiefpunktphase geraten,
      bedeutet das fuer mich, dass ich vom göttlichen Leitplan abgewichen
      bin. Ich bin sicher, dass man nur Glück finden kann, wenn man mit
      Gott wandelt und seine Seele mit ins Leben einbezieht.
      Beweis fuer mich ist, dass eben viele Menschen im Alkohol, Suchtverhalten,
      Suizid etc. enden. Die sind eben abgewichen von o.g. Plan.
      Viele Grüße Renate

  2. regenbogenlichter sagt:

    Interessanter Artikel..für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Ich glaube schon, das sich alles so fügt, wie es kommen soll. Das ist jedenfalls meine Erfahrung aus meinem bisherigen Leben. Egal ob positive oder negative Ereignisse.
    So ganz „ergeben“ muss oder braucht man sich trotzdem nicht. Ich hatte bis jetzt immer das Glück, in schwierigen
    Situationen eine Hilfe zu bekommen. Und dadurch ist es mir gelungen, dort wieder raus zu kommen und im nachhinein hat sich manches sogar als glückliche Fügung erwiesen, die mein Leben positiv verändert hat, neue Erfahrungen machen lassen hat oder aus der vergangenen Situation zu lernen.
    Ich sehe das wie meine Oma, die hat immer gesagt: „bei jedem Unglück ist ein Stückchen Glück dabei“…man muss nur die helfende Hand sehen und sie ergreifen.
    Das muss auch nicht immer ein Mensch sein, es kann auch die Freude an der Natur oder ein Haustier sein.
    Und mich erstaunen immer wieder schwer kranke Menschen, die ihr Schicksal annehmen und der Zeit, die ihnen noch bleibt, einen erfüllten Sinn geben.
    In dem Sinne, ein schönes Wochenende
    Ute

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Ute,

      es freut mich, dass Dir dieser Artikel gefallen hat. Deine Oma hat schon recht. Das Wort Unglück hat ja auch sogar das Wort Glück in sich. Das sollte man immer dabei bedenken. Unglück bedeutet also nicht gleich immer das Fehlen jeglichen Glückes.

      Danke für Deine Eindrücke

      Viele Grüße

      Monika

  3. Mascha sagt:

    Hallo Monika, also ich persönlich glaube schon an einen gewissen Plan für jeden Menschen. Wer/Was den macht und warum übersteigt meine Vorstellungskraft. Aber ich kann einfach nicht glauben, daß alles nur Zufall ist. Wir haben natürlich unseren eigenen Spielraum mit freien Entscheidungen, aber gewisse Lebensknoten sind vorherbestimmt…..davon bin ich überzeugt.

    • Monika sagt:

      Guten Abend Mascha,

      ein gewisser Plan für jeden Menschen muss vorhanden sein. Sein ganzer Charakter ist schließlich nicht ein Produkt seiner Selbst. Gewisse Freiheiten, denke ich, hat man aber doch, wie Du ja mit dem Spielraum schon angedeutet hast.

      Es ist ein sehr interessantes Thema. Vielleicht finde ich irgendwann mal die Muße, eine Fortsetzung dieses Artikels zu schreiben, da es hierzu noch vieles zu sagen und erörtern gäbe, davon bin ich überzeugt.

      Viele Grüße

      Monika

  4. […] Egal, ob unser Leben dröge oder dramatisch verläuft, wir glauben an die schicksalhaften Momente, die den Verlauf unseres Lebens ändern könnten. Und seit Jahrhunderten, nein, gar seit Jahrtausenden, gibt es da einen unausrottbaren, mehrheitlichen Traum: die Vorsehung. […]

  5. […] Egal, ob unser Leben dröge oder dramatisch verläuft, wir glauben an die schicksalhaften Momente, die den Verlauf unseres Lebens ändern könnten. Und seit Jahrhunderten, nein, gar seit Jahrtausenden, gibt es da einen unausrottbaren, mehrheitlichen Traum: die Vorsehung. […]

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