Mein Verhältnis – zu Büchern


„In meiner Kindheit las ich keine Bücher. Als meine Altersgenossen Mayne Reid, Cooper und Jules Verne verschlangen, hatte ich noch keine einzige Zeile gelesen. Später, mit dreizehn, änderte sich alles, und ich konnte nicht verstehen, was vorher mit mir war; ich hatte ein ganz eigenes Leben gelebt.“ (Alexej Remisow, Gang auf Simsen, Frankfurt am Main 1991, S.7)

Mein Beitrag über mein Verhältnis zu Büchern (Das Buch und ich und umgekehrt) hat manche Irritationen hervorgerufen. Auch wenn ich niemals sagen würde, ich liebe Bücher, schon gar nicht so, wie ich meine Familie und andere mir nächste Menschen liebe, so steht dennoch fest: Bücher sind aus meinem Leben nicht wegzudenken. Ich schreibe ja selber, und zwar genau seit 18. Januar 1975.

Aber ich habe den Anstoß, den mein Blog-Beitrag erregt hat, zum Anlass genommen, noch einmal in mich zu gehen, um nach einer Erklärung für mein nicht ganz unbelastetes Verhältnis zu Büchern zu suchen, und tatsächlich bin ich fündig geworden.

Insbesondere hat man mir als Kind die Lektüre von Büchern als die Schule ergänzende Bildungsmaßnahme „anempfohlen“, ohne nach meinen persönlichen Interessen zu fragen. Die aber bestanden eben weniger im Aufnehmen von Buchstaben, sondern von Bildern und von Tönen. Heute weiß ich, dass ich mich dafür nicht schämen muss, zumal sich gute Literatur – auch das weiß ich heute mehr denn je – durch eine ausgeprägte Bildersprache sowie durch kluge Sprachbilder auszeichnet. Mit anderen Worten: Ich konnte dem Lesen von Büchern lange Zeit keinen Nutzen für mich abgewinnen. Insofern war Lesen für mich mehr Zwang als Freude, und dieses Gefühl der „Zwangsbeglückung“ schwebt in gewisser Weise bis heute beim Griff ins Bücherregal wie das Schwert des Damokles über mir.

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass Lesen für mich (wie übrigens auch das Rechnen) stets ausschließlich mit Schule und nichts mit mir zu tun zu haben schien. Das Buch und ich war zunächst eine unpersönliche Zweckverbindung, die ich der Schule und so manchem Erwachsenen zuliebe einzugehen hatte. Erst mit etwa 14 Jahren habe ich angefangen, diese Beziehung zu einer persönlichen umzuwandeln. (Ähnliches gilt auch für das Rechnen.)

Im übrigen muss ich gestehen, dass ein Autor wie Goethe für mich noch immer einer ist, der mir dank der übereifrigen Bemühungen der Schule reichlich fremd ist. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn auch ein Karl Valentin, E.T.A. Hoffmann, Hans Christian Andersen, Robert Gernhardt, Heinz Erhardt „Schulstoff“ gewesen wären!

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3 Kommentare zu “Mein Verhältnis – zu Büchern

  1. theomix sagt:

    Hat das Elternhaus zu massiv gefordert? Denn ich habe interessante Lektüre neben den Schulpflichten entdeckt.

  2. regenbogenlichter sagt:

    Ich habe als Kind Bücher verschlungen. Zum Teil auch die, die in der Schule Pflicht waren. Jetzt fehlt mir oft die Zeit, aber wenn…
    An Schuhläden bleibe ich auch gern stehen (typisch Frau), aber Buchläden haben noch eine größere Anziehungskraft für mich.

  3. Vielleicht wäre es besser, bereits vor der Schule lesen zu lernen. Dann wird das Lesen nicht permament mit der Schule assoziiert. Mit Zahlen konnte ich mich bis heute nicht anfreunden.
    Ich habe als Kind unglaublich viel gelesen, eher mit dem Alter nahm es ab, weil ich so viele Bücher, die ich las, nicht mehr gut fand. Irgendwie habe ich das akzeptiert und lese jetzt eben nicht mehr alles, so wie früher.
    Gruß

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