Was die Worte über uns aussagen (Teil 2)



Gestern habe ich den ersten Teil dieses Artikels veröffentlicht. Heute möchte ich auf die Möglichkeit der Worte und den bewussten Umgang der Worte eingehen, während ich gestern die Sprache selbst und die Kommunikation der Menschen unter die Lupe genommen habe.


Worte erzeugen zunächst verschiedene Reaktionen. Worte klingen aber auch in einem bestimmten Ton. Es ist ein Unterschied, in welcher Tonhöhe, in welcher Lautstärke sie gesprochen wird. Viele andere Faktoren spielen da mit hinein. Die Beurteilung der Menschen aber geschieht rasch und intuitiv, damit nicht eine längere Gesprächspause entsteht. Es ergibt also eine Mischung von bewussten und unbewussten Sprachelementen.

Die gesprochenen Worte sind meist immer in Verbindung mit der Mimik und den Gesten zu sehen. Dies hilft uns bei der Beurteilung, ob jemand froh, freundlich, nett, ärgerlich und vieles andere mehr ist. Da aber die Sprache durch die neuen Medien immer mehr zu einem Medium wird, das ohne Blickkontakt geschieht, so wird die Einschätzung immer schwerer.

Werbung setzt neben Musik auch viel auf Sprache. Sie analysiert, bis sie meint, den richtigen Ton getroffen zu haben, vor allem im Radio. Das Produkt soll schließlich bestmöglich präsentiert werden. Dass Werbung aber die gesprochenen Worte benutzt und entweder keinen Blickkontakt einfängt oder auch diesen manipuliert, sollte immer präsent sein. Die Worte hier ermöglichen es den Firmen, die Leute möglichst zum Kaufen zu animieren.

Der bewusste Umgang mit Worten wird leider immer seltener durch mehrere Gründe:

  • Die neuen Medien verlangen eine schnellere Antwort, also keine langen Überlegungen mehr.
  • Durch den schwindenden Dialekt verschwindet auch das Gefühl zur Sprache.
  • Durch die Globalisierung wird immer verlangt, dass man sich in mehreren Fremdsprachen auskennt. Dass aber dies die Muttersprache verdrängt und den sensiblen Umgang mit der Sprache verhindert, sehen nur wenige.
  • Die Meinung, dass Kinder früher Fremdsprachen lernen sollten, weil sie es später schlechter lernen, vertrete ich nicht. Zunächst muss ein Kind die Muttersprache beherrschen, die Kunst der Grammatik und die Feinheiten kennen lernen. Dann erst kann man dies auf eine fremde Sprache übertragen. Wenn nun ein kleines Kind mehrere Sprachen lernt, so kann es diese zwar, kann aber dies nicht analysieren. Wenn diese Sprachen nicht gepflegt werden, verschwinden diese deswegen sehr schnell.

Somit ist der bewusste Umgang mit Worten sehr wichtig, schon im Kindesalter. Die Eltern geben in diesem Zusammenhang ihr Wissen an die Kinder weiter. Trotz neuer Medien ist die Sprache immer noch das bedeutendste Medium. Die Worte hören ja nicht nur beim Sprechen auf, sondern sie begleiten uns mittlerweile rasant im Schriftlichen (E-Mail, Social-Media und vieles andere). Somit sollten die Worte und die gesprochene Sprache mehr in den Vordergrund rücken und einen höheren Stellenwert haben. Die meisten allerdings denken über dieses Phänomen gar nicht erst nach, obwohl die Sprache ganz stark unsere Kultur prägt wie in Filmen, Büchern, den neuen Medien und vielen anderen. Vielleicht hilft uns ein bewusstere Umgang mit Sprache auch, uns selbst kennen zu lernen.

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8 Kommentare zu “Was die Worte über uns aussagen (Teil 2)

  1. Leander sagt:

    Olla

    Ist vielleicht etwas ab vom Thema, aber wie stehst du zur „Eigensprache“ eines jeden Menschen? Damit meine ich die kleinen Macken oder Besonderheiten eines einzelnen Menschen.

    Ich bin zunächst nur mit der deutschen Sprache großgeworden. Meinen ersten Englischunterricht hatte ich in der 7. Klasse (Das Englisch in der Grundschule lasse ich mal weg, das war nur ein nettes Antasten) und Französisch habe ich in der 5. angefangen. Ich bin leichter Legastheniker und habe viel zu spät angefangen eine Brille zu tragen. Als Kind denkt man sich ja das alle so sehen wie man selbst, doch durch die Sehschwäche war das Lesen unglaublich anstrengend für mich. Zudem gehöre ich ein wenig zum männlichen Klischee und lese nicht so viel wie ich könnte / sollte.
    Durch die neuen Medien die ich in größeren Mengen konsumiere hat sich ein englischer „touch“ in meinen Wortschatz eingeschmuggelt. Französisch habe ich fast vollständig verlernt, weil ich es einfach kein einziges mal mehr im Alltag gebraucht habe. Dafür wird mein Englisch immer besser weil ich fast alle Filme, Serien und Spiele auf Englisch konsumiere. Nur auf Englisch Lesen finde ich noch sehr anstrengend.

    Durch all das, jedenfalls glaube ich das, habe ich eine ganz eigene Färbung in meiner Sprache und in meinem Verhalten mit Sprache. Trotz meiner Unfähigkeit ein Komma an die richtige Stelle zu setzen, oder auf simpelste Klein- und Großschreibung zu achten, schreibe ich unglaublich gerne und viel. Ich liebe es zu Formulieren, und merke bei tiefergehenden Gesprächen das es viel zu wenig Worte gibt um alle Gefühle zu beschreiben die man erfährt. Man muss viel umschreiben, ob geschrieben oder sprachlich ist dabei egal. Geschriebenes wird auch viel zu oft missverstanden, wesentlich öfters als gesprochenes. Und oft denke ich mir Worte aus.

    Was ich mit all dem hier sagen will, und von Anfang an hätte sagen können 😉 :
    Ich bin nicht ideal an saubere und ordentliche Sprachnutzung herangeführt worden. Teils aus Faulheit, teils aus Unwohlsein (Brille etc) und liebe dennoch die Sprache. Aber wie würdest du meine Sprache einsortieren wenn du bemerkst, das Worte erdacht, vermengt, sehr oft flasch geschrieben und eingefärbt sind. Wenn viele Regeln gebrochen werden, dadurch aber etwas erzeugt wird das in den normalen Grammatikregeln und der Rechtschreibung nicht bedient wird. Ich habe zum Beispiel die Angewohnheit Worte groß zu schreiben die ich Wichtig finde * 😉 auch wenn sie klein geschrieben werden müssten.

    Ich weiß dass all das kein Vergleich ist zu den Twittertexten und Werbesprech mit dem Menschen nach *1995 groß werden aber ist diese „fehlerhafte“ Sprache ein Mängel oder schlecht? Ist sie ein legitimer Teil meines Wesens oder einfach nur mangelnde Disziplin? Gibt es „richtige“ und „falsche“ Sprache? Oder ist es wieder nur die Angst vor Veränderung von denen die Menschen seit über 2000 Jahren klagen. Ab wann wird Einfärbung und Simplifizierung einfach nur „Falsch“ für dich.

    So, ich hoffe das war nicht zu viel, aber ich finde solche Themen immer recht spannend 🙂 Würde mich über eine Antwort freuen.

    * Ach übrigens, ich finde die Erfindung der Smilies großartig. Auch so ein Ding über das man diskutieren kann.

    • Monika sagt:

      Guten Abend,

      ich selbst würde nie eine Sprache einsortieren. Ein jeder hat seinen eigenen Schreibstil. Ich selbst achte normal auf Rechtschreibung. Ich finde, dass man wegen des Schreibstils nicht gleich auf den Menschen verweisen kann. Man weiß nie, welche Hintergründe es gibt. Außerdem passt dies ja auch in gewisser Weise zu dem Thema, denn dies ist ja eine bewusste oder unbewusste Veränderung der Sprache, auch wenn sie sich nur auf die Orthografie bezieht. Die gesprochene Sprache ist dann noch auf einem anderen Blatt zu sehen.

      Viele Grüße

      Monika

      P.S. Herzlich Willkommen auf meinem Blog. Ich hoffe, dass er Dir gefällt.

  2. La Braun sagt:

    Liebe Monika, ich kann dir da nicht in allen Punkten zustimmen. Für mich ist Sprache etwas Lebendiges, ständig in Veränderung, je nach den Strömungen der Zeit. Wäre das nicht so, würden wir immer noch althochdeutsch sprechen, oder so. Ja, Sprache ist komplex, aber auch Ausdruck von Zeitgeist und Lebensgefühl.
    Meine Tochter ist zweisprachig deutsch/englisch aufgewachsen und spricht außerdem noch Französisch und Spanisch. Sie ist in allen Sprachen gleichermaßen „zu Hause“. Meine Enkeltochter wachsen ebenfalls zweisprachig auf: deutsch/spanisch und können sich, trotz ihrer jungen Jahren in beiden Sprachen korrekt und ausdrücken und wissen sehr wohl zu differenzieren.
    Auch kann ich nicht feststellen, dass der Dialekt verschwindet, nur verändert er sich ebenfalls. Bayern, Baden-Württemberg (dort wird so gar explizit hingewiesen, dass es mit Hochdeutsch eher mau ist), Berlin sind doch nur einige Beispiele.
    Sicher sollte mensch Veränderungen wach beobachten und genau hinhören. Manchmal habe ich das Gefühl, das nicht die Veränderung der Sprache das Problem ist, sondern das wir einfach verlernen zu hören.
    Alles Liebe Karin

    • Monika sagt:

      Guten Abend Karin,

      das ist ja der Sinn und Zweck eines Blogs, andere Meinungen in den Kommentaren zuzulassen.
      Dass die Sprache etwas Lebendiges ist, habe ich mit keinem Wort bestritten. Das sieht man schon bei den viele Anglizismen, die unsere Sprache sich aneignet.
      Zu dem Thema mit den Fremdsprachen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich befürchte, dass, wenn Kinder von Anfang an zwei Sprachen lernen, die Sprache selbst nicht in ihren Tiefen und Nuancen erfassen. Dazu gibt es auch sehr unterschiedliche Meinungen in den Wissenschaften.

      Zum Dialekt kann ich nur eines sagen: In Bayern beobachte ich es, dass in den Großstädten immer weniger Dialekt gesprochen wird. Auf dem Land dagegen wird dies vermutlich nicht so stark sein.

      Ich denke, dass beides wichtig ist: Sprechen und Hören, denn nur durch das Bewusstsein für die Sprache kann man wieder lernen zu hören.

      Danke für Deinen konstruktiven Kommentar

      Viele Grüße
      Monika

  3. Pfeffermatz sagt:

    Hallo Monika,

    danke für den schönen Artikel. Gerade beim Thema Fremdsprachen muss ich dir leider (wie schon LaBraun) widersprechen. Ich bin zweisprachig aufgewachsen (deutsch/englisch) und kenne sehr viele Menschen mit gleichem Sprachhintergrund. Meine Erfahrung im Englischen ist, dass kein Nicht-Muttersprachler die Sprache wirklich so versteht (auch nur verstehen kann), mit all den phonetischen und semantischen Nuancen und Assoziationen, wie jemand, der diese Sprache schon im Kindesalter gelernt hat.

    Auch teile ich nicht deine Befürchtungen, dass hierdurch die Muttersprache „schlechter“ beherrst wird – da gibt es zu viele mehrsprachige Kulturen als Gegenbeispiel. Im Gegenteil: ich glaube sogar, dass das Erlernen mehrere Sprachen das Verständnis der Sprachen vertieft. Beherrscht man nur eine Sprache, so wird man im Gegenzug auch von dieser beherrscht (da selbst das Denken in dieser Sprache erfolgt). Erst wenn man in einer weiteren Sprache denken kann, befreit man sich von den unbewussten Fesseln der einen Sprache.

    • Monika sagt:

      Guten Abend Pfeffermatz,

      herzlich Willkommen auf meinem Blog und danke für Deinen Kommentar. Ich hoffe, dass Dir mein Blog gefällt.

      Es ist mir klar, dass manche meine Meinung hierzu nicht teilen. Es ist schön hier unterschiedliche Meinungen zu hören.

      Ich kenne jemanden, der von Kindesbeinen an mehrere Sprachen erlernt hat. Als er dann aber, als er in die Schule kam, nur noch Deutsch gesprochen hat, sind die anderen Sprachen in Vergessenheit geraten. Ob sie dann intuitiv begriffen worden sind, wage ich dann doch zu bezweifeln. Wenn die Zweisprachigkeit wegen Eltern aus unterschiedlichen Ländern stattfindet, dann ist das eine andere Tatsache. Muttersprachler können das Gefühl für die fremde Sprache vermitteln, aber nicht Eltern, die nur Deutsch als Muttersprache haben.

      Viele Grüße

      Monika

      P.S. Ich freue mich über konstruktive Kritik und Diskussionen. Dass ich hier also etwas dagegen halte, ist nicht gegen Dich gerichtet.

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