Das Buch und ich und umgekehrt


Bücher sind aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Dabei gab es eine Zeit, da sie mich nur gelangweilt haben. Noch nicht einmal das: Sie haben mich überhaupt nicht interessiert. Die geistigen Absonderungen, zwischen zwei Buchdeckel konserviert, waren mir bis ins Jugendalter von etwa 14 Jahren schlichtweg egal, auch wenn Karl May vorne drauf stand.

Erwachsene behaupteten zwar in einem fort, und das war als Aufforderung gemeint, jeder müsse lesen, weil das bilde. Aber mich überzeugte das nicht. Wieso sollte ich meine Zeit damit verbringen zu lesen, was andere, die ihre Zeit damit verbrachten, aufgeschrieben haben?

Es ödete mich einfach an, mich hinter einem Buch zu verschanzen, nur um nach ein paar Stunden, gebildet oder nicht, wieder aufzutauchen. Auch wenn ich im Laufe meiner Lebensjahre die Lektüre von Büchern von einer bestenfalls sporadischen zu einer regelmäßigen Beschäftigung (und bisweilen Belastung) entwickelt habe, so bin ich mir in dem einen treu geblieben: Bücher, die man gelesen haben muss, gibt es in meinem geistigen Universum nach wie vor nicht.

Wenn ich außerdem wieder einmal nicht weiß, welches Buch ich als nächstes lesen soll, würde ich sie alle im übrigen nur zu gerne einfach aus meinem Leben wegdenken.

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12 Kommentare zu “Das Buch und ich und umgekehrt

  1. Feli sagt:

    Bücher aus dem Leben wegdenken? Da bekomme ich als Bibliomane eine Gänsehaut wie ein Reibeisen.
    Da die Kommentare jedoch dazu dienen, eine eigene Meinung kundzutun und nicht andere zur eigenen Meinung zu bekehren, beschränke ich mich auf ein Gedicht von Robert Gernhardt:

    Ums Buch ist mir nicht bange.
    Das Buch hält sich noch lange.

    […]

    Die meisten andren Medien
    tun sich von selbst erledigen.
    Kaum sind sie eingeschaltet,
    heißt´s schon: Die sind veraltet.
    Und nicht mehr kompatibel –
    Marsch in den Abfallkübel.

    Zu Bänden, Filmen, Platten,
    die wir einst gerne hatten,
    und die nur noch ein Dreck sind,
    weil die Geräte weg sind.

    Es sei denn, man ist klüger
    und hält sich gleich an Bücher,
    die noch in hundert Jahren
    das sind, was sie stets waren:

    Schön lesbar und beguckbar,
    so stehn sie unverruckbar
    in Schränken und Regalen,
    und die Benutzer strahlen:

    Haben die sich gut gehalten!
    Das Buch wird nicht veralten.

    [Anmerkung vom Seitenbetreiber: Wegen Urheberrecht gekürzt]

    • emsemsem sagt:

      Lieber Feli,

      es freut mich sehr, dass Sie Robert Gernhardt zitieren, den ich sehr schätze. Seiner Frage nach den „Lyrik-Hämmern der Saison“ ist nichts hinzuzufügen. Ich möchte keinen vom Lesen abhalten. Aber mit dem Lesen und mit dem, was man sich darauf einbildet, ist es eben so eine Sache. Ein Blick in das Angebot unserer Verlage zeigt sehr schnell, dass es den Buchmachern nicht immer nur aufs Lesen ankommt, um mich vorsichtig auszudrücken. Hans Magnus Enzensberger stellt übrigens die Frage, ob geschriebene Wörter entbehrlich sind.

      Herzliche Grüße

      • Feli sagt:

        Hallo emsemsem,

        hat man viele Bücher gelesen, ist man belesen was nicht zwingend beinhaltet, dass man klug ist; daher stimme ich Ihnen zu, dass man sich nichts darauf einzubilden hat, wenn man viel liest.

        Jedes Buch hat seine Existenzberechtigung, weil sich vermutlich immer einer findet, der es liest. Falls nicht, hat zumindest der Autor die Freude, das Kind seiner Feder gedruckt zu sehen.

        Lieben Gruß
        Feli

        • Monika sagt:

          Guten Morgen Feli und emsemsem,

          ich habe mir darüber auch Gedanken gemacht und bin zu folgendem vorläufigen Ergebnis gekommen. Ich selbst liebe Bücher, aber ich liebe auch das Schreiben. Beides lässt sich wunderbar vereinbaren. Klugheit beruht nicht darauf, dass man viel liest, wie Feli schon richtig angemerkt hat. Alle Bücher haben ihre Daseinsberechtigung, auch wenn man nicht mit ihnen übereinstimmt oder sie nicht liest, denn jedes Buch gehört zu unserer Kultur. Es ist vielmehr so, dass man Kultur vorenthält, wenn Texte von Autoren nicht einem Publikum und sei es auch einem kleinen preisgegeben wird.

          In diesem Sinn wünsche ich jedem, dass er seine Bücher findet, die ihm weiter helfen und die ihm die Kultur, die das Buch hinterlässt, nahe bringt.

          Viele Grüße

          Monika

    • Mascha sagt:

      Sehr, sehr schön!!

  2. Mascha sagt:

    Liebe Monika, ich muß zugeben, daß ich von Deinem Artikel überrascht war. Ich hätte nicht gedacht, daß Du so über Bücher denkst. Ich für meinen Teil LIEBE Bücher und könnte ohne nicht leben. Das war schon immer so. Sicher hat viel lesen nichts mit Klugheit zu tun, denn es gibt auch viel Schrott zu lesen. Man muß schon schauen was man liest. Und dann bildet Lesen natürlich 100%ig. Auch für Kinder ist es sehr wichtig. Sie lernen still zu sitzen, sich zu konzentrieren, sie lernen zügig zu lesen, sie lernen die Bilder im Kopf selbst herzustellen usw. Kinder, die nur vor der Glotze sitzen, oder Computer spielen können nicht gut lesen und haben kaum Fantasie. Mir geben Bücher sehr viel und von vielen Büchern kann man auch lernen. Vielleicht hast Du noch nicht wirklich Deine Lektüre gefunden, die Dich fesselt. Liest Du auch keine philosophischen Bücher?

    • Monika sagt:

      Hallo Mascha,

      Du hast es Dir bestimmt nicht genau angesehen. Ich habe auf diesen Artikel reagiert. Viele Artikel hier sind von mir geschrieben, aber nicht alle. Du siehst neben der Überschrift immer von… stehen. Es gibt drei Möglichkeiten: emsemsem, klugwurst oder Monika. Ich bin Monika und als Blogbetreiberin schreibe ich die meisten Artikel hier. Doch dieser ist nicht von mir verfasst, sondern von emsemsem.

      Ich selbst habe, seit ich lesen kann Bücher verschlungen und tue es immer noch. Dazu brauchen Kinder Phantasie, die sie ja haben. Dass sie nur Bücher lesen müssen, um ihre Phantasie auszuleben und zu pflegen, da widerspreche ich. Gibt man Kindern einfach Spielzeug, wie kleine Spielzeugautos, so kreieren sie in Windeseile Spiele, es sei denn, dass sie nicht zu sehr im Mediendschunegel gefangen sind. Das ist aber eine Frage der Erziehung. Auch Kinder, die nicht viel lesen, können auf anderen Wegen, das lernen, was Du meinst, nämlich still sitzen und anderes.

      Jedenfalls, um auf den Kommentar zurückzukommen. Es ist schön, dass Du mir diesen Artikel zuschreibst, aber das muss ich richtig stellen. Du siehst auch auf der Sidebar unten Mitarbeiter und Autoren. Dort werden die Artikel nach Autoren sortiert mit den drei aktuellsten Artikeln.

      Viele Grüße und ich hoffe, dass ich Dich da ein wenig beruhigen konnt, dass ich auch Bücher liebe und dementsprechend Du Deine Meinung ruhig belassen kannst, wie ich über Bücher denke

      Monika

      • Mascha sagt:

        Na, jetzt geht mir ein Licht auf!!! 🙂 Hatte gar nicht mitbekommen, daß Du Dir den Blog teilst. Sollte aufmerksamer lesen…….wenn wir schon beim Thema Lesen sind 😉

        • Monika sagt:

          Guten Morgen Mascha,

          ja das ist so eine Sache mit dem Lesen 😀 Nein, Scherz beiseite. Es ist folgendermaßen: Ich betreibe den Blog und bin dafür verantwortlich und hin und wieder habe ich Beiträge von diesen beiden Autoren, um Abwechslung zu bringen. Die meisten Artikel stammen ja von mir, aber eben nur die meisten 😉

          Viele Grüße

          Monika

  3. […] Beitrag über mein Verhältnis zu Büchern (Das Buch und ich und umgekehrt) hat manche Irritationen hervorgerufen. Auch wenn ich niemals sagen würde, ich liebe Bücher, […]

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