Der Hirntod und die Organspende



Die jüngsten Nachrichten überschlagen sich momentan mit diesem Thema. Aufrufe wie in der Bildzeitung am 10. August („Wir spenden unsere Organe – Jetzt erst recht!“) sind reißerisch und wollen Leser locken, anstatt sich mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen.


Der Grund hierfür ist ein Skandal, der seinesgleichen sucht. Bei der Organspende wird nach einer Warteliste vorgegangen, die der Dringlichkeit entspricht, nach der der Patient das Spenderorgan braucht. Nun hat ein Arzt Patienten kränker gemacht als sie sind und ihnen somit schneller eine Organspende gegen Geld ermöglicht als denjenigen, die es nötiger gehabt hätten. Der Ruf wird also laut, mehrere Prüfer einzusetzen. Doch warum ist das nicht schon früher geschehen? Für Angehörige und Patienten ist die Situation schon sehr schwer. Doch sollte man auch auf andere Geschichtspunkte das Augenmerk legen.

Was ist Organspende?

Was ist überhaupt Organspende? Es bedeutet, dass es jemanden gibt, der ein Organ spendet. Als erstes Beispiel nehme ich die Niere, da hier eine der schwierigsten Problematiken entfällt. Die Niere ist für den Menschen doppelt vorhanden, dass der Organspender auf eine Nierenhälfte verzichten kann, um selbst weiter leben zu können. Die Gefahr dabei ist natürlich für den Spender, dass er dann auch krank wird, wenn seine Niere aus welchen Gründen auch immer ausfällt. Diese Risiko hat er zu tragen. Dafür erhält der Patient eine Nierenhälfte, um ein besseres Leben führen zu können. Das Organ kann den Fremdkörper aber wieder abstoßen, so dass es keinem nutzt. Dieses Risiko besteht jedoch bei jeder Organspende.

Wir gehen also einen Schritt weiter. Bei allen anderen Organen gibt es das Problem, dass man sie lebenden Menschen nicht entnehmen kann, da sie lebenswichtig sind. Daher kommt die Problematik auf: Wann ist der Mensch tot (Hirntod)? Zudem sind die Organe begrenzt. Daher gibt es die Wartelisten, da es mehr Patienten als Spender gibt. Diese Tatsache beruht auch auf der ungefähren Definition des Todes und Hirntodes. Zur Darstellung des Ablaufs der Organspende habe ich eine schematische Darstellung dazu erstellt. Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken.

Organspende

Darstellung des Ablaufs der Organspende

Wann ist der Mensch tot?

Dies ist in diesem Zusammenhand die wichtigste Frage. Einige nennen den Hirntod, aber das wird auch wieder bezweifelt. Mit dem Hirntod bezeichnet man den Zeitpunkt, in dem keine messbaren Werte mehr im Gehirn gibt. Die Organe aber „Leben“ noch und somit können diese in einem gewissen Zeitraum einem anderen Patienten gespendet werden.

Die Frage jedoch, wann der Mensch tot ist, bleibt offen. Ist er tot, wenn es keine Gehirnfunktionen mehr gibt oder alle Organe den Dienst versagen? Natürlich wollen Patienten ein Spenderorgan bekommen, um weiter leben zu können. Doch dies geschieht zu dem Preis, dass ein anderer Mensch vielleicht getötet wird. Es gibt viele Fragezeichen, denn es gibt auch einen sogenannten Zelltod. Ist der Mensch erst dann tot, wenn der Zelltod eintritt, so ist keine Organspende mehr möglich, da alle Zellen abgestorben sind. Die Mediziner wollen gerne, auch um ihre Forschungsgelder und Fördergelder zu behalten, den Hirntod als Tod ansehen. Einige bestimmt auch aus dem Grund, weil sie Menschenleben retten wollen. Doch sie müssen sich überlegen, welche Folgen es haben könnte.

Zusammenfassung

Anstelle eines persönlichen Fazits möchte ich die Argumente, die für und gegen eine Organspende sprechen, in einer Tabelle darstellen:

Für Organspende

Gegen Organspende

Das Gefühl der Angehörigen, dass der Körper des verstorben geliebten Menschen jemanden das Leben gerettet hat Abstoßung des Organs als Fremdkörper möglich, so dass es keinem mehr nutzt
Die Dankbarkeit des Patienten und der Angehörigen Teilweise unglaubwürdige Praktiken (Organhandel, in jüngster Zeit Manipulierung der Wartelisten u.a.
Genaue Definition des Todes (Hirntod) Definition des Hirntodes als Tod des Menschen ist umstritten

Die Liste könnte man noch beliebig ergänzen. Ich habe einfach mal diese Aspekte herausgesucht. Nach diesen Fakten können Sie sich selbst ein etwas klareres Bild von der Situation machen. Doch seien Sie sich eines klar. Im Angesicht des Todes und einer raschen Entscheidung, ist es alles andere als einfach, zumal Angehörige stark unter Druck gesetzt werden können. Dadurch ist es sehr ratsam, sich schon früher mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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14 Kommentare zu “Der Hirntod und die Organspende

  1. La Braun sagt:

    Moin Monika, ich glaube nicht, dass dieser Arzt ein Einzelfall war. Wenn mensch sich erinnert, als dieser von Thurn und Taxis das erste Spenderherz abstieß, war ratzfatz ein neues da. Und das wo andere lange, lange warten müssen und vielleicht nie eines bekommen.
    Was Organspende generell betrifft, so habe ich eine sehr fatalistische Einstellung. Ich möchte keine. Unser Sein auf Erden ist nun einmal terminiert und dieses sich Leben erschleichen, um jeden Preis finde ich widerlich. Schon während ich dies schreibe, merke ich aber auch eine Diskrepanz. Da fragt so eine kleine Stimme, was ist wenn deine Tochter oder deine Enkelinnen, also relativ junge Menschen, eine Niere brauchen. Ich glaube da würde ich eine abgeben, aber das könnte ich ja im vollen Bewusstsein tun und würde nicht einfach ausgeschlachtet werden. Wer weiß denn wie viel Bewusstsein noch da ist? Welche Teile der Seele noch Verbindung zum scheinbar toten Körper haben und sich langsam lösen müssen? Ist ja nicht alles messbar.
    Alles Liebe Karin

    • Monika sagt:

      Guten Abend Karin,

      ich glaube auch nicht, dass der Fall ein einzelner war. Nur ist mir dieser eine bekannt und deswegen wollte ich keine Pauschalisierungen schreiben.
      Ich selbst möchte auch keine Organspende bekommen, da das Leben nun einmal begrenzt ist. Wenn man dies mit so einer unsicheren ethischen Handlung bekommt, sage ich: Nein danke, denn dann wäre ich schuld an dem Tod eines Menschen.
      Die Verstrickungen von Seele und Körper sind längst nicht geklärt und somit ist auch nicht geklärt, wann der Mensch tot ist. Wenn nur das Hirn keine Signale mehr aussendet, ist das noch kein Hinweis darauf.

      Viele Grüße

      Monika

  2. Lebensschutz sagt:

    Der jetzige Skandal um die Organspende macht uns wieder bewußt, dass hier neben der Hilfe für Menschen auch ein großes Geschäft für die Beteiligten existiert. Dies fordert den Missbrauch natürlich heraus. Ärgerlich ist, dass nun mit der moralischen Keule und einer Zwangsbefragung die Organspende forciert werden soll. Ich hätte mir statt eines regelmässigen Schreibens meiner Krankenkasse mehr Aufklärung über die weitere Verteilung der Organe sowie die durchaus problematische Gleichsetzung von Tod und Hirntod gewünscht. Momentan gewinne ich aber den Eindruck, dass man die Bevölkerung für den guten Zweck lieber überfahren möchte und hier ist zuviel Information eher schädlich. Ich werde das Schreiben der Kasse unbeantwortet lassen ….

  3. Feli sagt:

    Alles hat seinen Preis – auch ein Organ. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Finanzstarken stets im Vorteil sind und erhalten, was mit Geld bezahlbar ist. Dennoch ist auch dieser ein todkranker Mensch.

    Ein Mensch ist tot, wenn die Seele den Körper verlassen hat, denn dieser kann nicht ohne Seele existieren. Nun ist nicht messbar, ob die Seele noch vorhanden ist oder nicht, also wird das wichtigste Organ des Körpers zur Feststellung herangezogen – das Gehirn; bei diesem sind Lebenszeichen messbar. Ohne Gehirnfunktionen ist der Körper nicht existent, auch wenn maschinell der Blutkreislauf erhalten wird.
    Für die Seele ist es unerheblich, ob der Körper intakt ist.

    Aus diesem Grund bin ich für Organentnahme bei Feststellung des Hirntodes.

    (Als sehenswert ist die Dokumentation dazu “ Hoffen zwischen Tod und Leben“)

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Feli,

      das hast Du schön geschrieben. Doch muss ich in einem Punkt widersprechen. Was ist das wichtigste Organ im Körper? Das Gehirn, das Herz oder etwas anderes? Das Gehirn ist für das Bewusstsein zuständig. Doch Bewusstesein heißt nicht gleich Seele. Wer also durch mangelnden Funktionen des Gehirns ohne Bewusstsein ist, ist nicht unbedingt gleich ohne Seele. Meiner Meinung nach gibt es da noch zu viele offene Fragen. Dennoch heißt das nicht, dass ich andere Meinungen nicht akzeptiere. Es ist ein umstrittenes ethisches Thema.

      Viele Grüße

      Monika

      • Feli sagt:

        Hallo Moni,

        das Gehirn als Steuerungszentrale ist das wichtigste Organ des Körpers und dieser kann ohne intaktes Gehirn nicht existieren. Lediglich die Lebensfunktionen – wie eben der Blutkreislauf, Herzschlag, Atmung, Stoffwechsel – lassen sich maschinell beibehalten.
        Ein Körper wiederum kann ohne eine Seele nicht existieren; hat man ein Bewusstsein, hat man auch eine Seele – ergo funktioniert der Körper. Ein Bewusstsein ohne Seele gibt es also nicht; das Eigenbewusstsein, das „Ich“ ist die Seele und hat diese den Körper verlassen, nutzt auch ein faktisch funktionstüchtiges Gehirn nichts mehr. Der Mensch ist tot, jedoch lässt sich – wie beschrieben – vermeintliches Leben per Maschine hervorrufen.

        Um die Seele zu „töten“ muss ihr das Eigenbewusstsein genommen werden; in Fragmente zerteilt verliert sie dieses. Das verlorene Ichbewusstsein ist gleichzusetzen mit dem Tod von etwas Unsterblichem.

        LG
        Feli

        • Monika sagt:

          Hallo Feli,

          das hast Du sehr schön geschrieben und ich stimme dir voll und ganz zu. Die Problematik ist eben noch: Ist das Bewusstsein des Menschen auch noch beim Hirntod vorhanden? Ich behaupte ja. Aber da dies niemand beweisen kann, ist es sehr problematisch, dies zu behaupten. Allerdings gilt das auch für das Gegenteil, weswegen ich selbst gegen die Organspende bin, weil es zu viele offene Fragen gibt.
          Einen guten Artikel zu dem Thema Hirntod bietet dieser Artikel.

          Viele Grüße

          Monika

  4. Feli sagt:

    Antwort für Moni auf ihren Beitrag vom 15.08.2012; 07;52 Uhr

    Hallo Moni,

    in dem Punkt gehen wir doch einig: ist beim Hirntod die Seele noch im Körper ist das Bewusstsein zwar vorhanden, jedoch nicht messbar. Wird der Körper durch den Hirntod bzw. die Organentnahme als Sitz für die Seele unbrauchbar, verlässt sie diesen. Und, wie gesagt, für den Zustand der Seele ist es unerheblich, was dem Körper widerfährt.

    Dies gilt nur für mich persönlich: Zum Leben gehört Lebensqualität und die ist beim Hirntod nicht vorhanden; die maschinelle Erhaltung der Lebensfunktionen ist daher nicht erstrebenswert. Folglich ist es gleichgültig, ob die Seele den Körper verlässt, weil er durch den Hirntod oder erst durch die Organentnahme unbrauchbar wurde.

    Dein Artikel ist interessant zu lesen.

    LG
    Feli

    • Monika sagt:

      Guten Morgen Feli,

      ja, wir sind uns einig, dass es nicht messbar ist, ob die Seele beim Hirntod noch im Körper vorhanden ist oder nicht.

      Zum zweiten ist die Frage, ob zum Leben unbedingt Lebensqualität gehören muss. Es gibt viele, die ihre Qualität einbüßen müssen und dennoch weiter leben. Ich denke dabei an die ganz Armen, die nicht mal ein Dach über den Kopf haben und jeden Tag um das Überleben kämpfen müssen. Sogesehen wäre in dieser Argumentation für mich ein wunder Punkt. Doch das ist eine Idee für eine weiteren Artikel: Was macht Lebensqualität aus? oder anders: Ab wann ist keine Lebensqualität mehr gegeben? Damit werde ich mich demnächst einmal beschäftigen. Das Thema werde ich also im Auge behalten und es kommt, aber noch nicht in den nächsten Tagen.

      Viele Grüße

      Monika

  5. Anna-Lena sagt:

    Ich hatte immer vor, mir einen Organspendeausweis zuzulegen und das Gefühl, einem anderen Menschen zu helfen, ist ein gutes. Aber ich tendiere nun dazu, es nicht zu machen, denn ich kann den Handel mit Menschen – und das betrifft ja nicht nur die Organspende, sondern auch Forschung in weitestem Sinne – nicht unterstützen.
    Das Leben ist endlich und das sollten wir akzeptieren
    Was anderes wäre für mich, einem nahestehenden Menschen mit einer Niere auszuhelfen, da würde ich sicher nicht lange überlegen.

    Ein schwieriges Thema. Vielleicht denke ich in absehbarer Zeit anders, aber momentan ein klares NEIN.

    LG Anna-Lena

  6. Brigitte sagt:

    Mit dem Thema habe ich mich bereits vor 20 Jahren auseinander gesetzt, und ich habe 20 Jahre lang einen Organspenderausweis in meiner Brieftasche bei mir getragen. Den habe ich nun entfernt. Nach den jüngsten Vorkommnissen möchte ich das nicht mehr. Und ich möchte es auch meinen Angehörigen unter diesen Umständen nicht zumuten.

    Jedoch würde ich ebenso einem Angehörigen mit z. B. eben mit einer Niere aushelfen, das ist keine Frage. Ganz aktuell ist bei uns in den letzten Wochen eine Blutspende für einen Bruder, der Leukämie B hat, geworden. Mein Mann hätte ihm gerne geholfen, nach der Chemo, leider kam bei der Typisierung heraus, dass es nicht passt.

    LG, Brigitte

    • Monika sagt:

      Guten Abend Brigitte,

      erstmal herzlich Willkommen auf meinem Blog. Ich freue mich über jeden Kommentar.

      Die Praxis der Organspende ist auch ein Grund, der mich davon abhält, Organe zu spenden. Einen Organspendeausweis habe ich jedoch auch, nur mit der Ablehnung. Dann brauchen auch Angehörige die Entscheidung nicht zu übernehmen.

      Bei einer Niere sieht das bei Angehörigen immer anders aus. Ich hoffe, dass Dein Bruder Hilfe bekommt.

      Viele Grüße

      Monika

  7. Ein sehr wichtiges Thema, zu dem ich mich aus einer anderen Sicht ebenfalls geäußert habe: http://skriptum.wordpress.com/2012/09/06/organspende/

    • Monika sagt:

      Guten Abend,

      das ist ein sehr schöner Artikel und eine sehr interessante Sichtweise. Ja es ist auch hier die Frage, wie mit Daten umgegangen wird. Das ist ein Aspekt, den ich nicht mit aufgenommen habe. Danke für die Ergänzung.

      Viele Grüße

      Monika

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