Die Hektik in den Straßen


Für die kleinen Schöheiten am Wegrand hat leider kaum einer mehr Zeit.

Für die kleinen Schöheiten am Wegrand hat leider kaum einer mehr Zeit.


Dieser Artikel ist zwar kürzer, aber ich trage schon länger den Gedanken dazu in mir. Als ich ihn dann geschrieben habe, ist mir eine anderer Artikel aufgefallen, der hierzu sehr schon passt. Gelassenheit – händeringend gesucht! beschäftigt sich auch mit der Hektik in der heutigen Zeit. Die Gelassenheit scheint weniger zu werden, die Hektik aber um so mehr.

Wenn ich so in den Straßen gehe, fällt mir eines auf. Die Menschen gehen ihrem Ziel entgegen, was an sich ja nichts verwerfliches ist. Doch sie gehen nur auf ihr Ziel zu und sehen nicht, was sich zwischen ihnen, um ihnen und über ihnen befindet oder abspielt. Kaum einer achtet auf die liebevoll dekorierten Blumen am Wegrand oder auf jemanden, der vielleicht Hilfe benötigt, um so weniger achten sie auf die Gebäude, es sei denn man besichtigt als Tourist die Straßen.

Vielfalt und Natur in den Straßen

Selbst in der Großstadt gibt es sie: Vielfalt und Natur. Setzen Sie sich einmal hin und beobachten Sie: Welche Menschen gehen auf den Straßen? Mit welch verschiedenen Arten betteln arme Menschen? Kommt tatsächlich ein Vogel geflogen? Daran erkennt man die Vielfalt und die Natur, aber nicht nur daran. Selbst von Menschen gemachte Natur ist in den Straßen zu finden, beginnend von angepflanzten Bäumen über Blumenbeete in Stein bis hin zu großen Parks, die die grüne Lagunen der Städte sind.

Die Hektik in den Straßen ist ein Teil unserer Kultur geworden. In anderen Ländern hingegen ist dem nicht so. Dort können noch die langsamen Verschnaufspausen einer Stadt und der modernen Menschen beobachtet werden. Meine Frage lautet: Können wir nicht das auch bei uns wieder einführen? Ohne Hektik ist viel mehr zu entdecken. Dann werden viele fragen, ob sie helfen können, wenn jemand verletzt wurde. Dann werden die kleine Dinge der Natur geschätzt und sogar die Vögel in der Großstadt beachtet, nicht nur die Tauben als Problem dargestellt. Oder es werden gar Schnecken oder Würmer beachtet, die immer wieder zu sehen sind. In Parks erlebt man diesen Eindruck besonders. Viele zwischenmenschliche Begegnungen können dadurch erlebt werden. Zudem verschafft diese Ruhe Zeit, nachzudenken. Diese Kultur könnte helfen, den stressigen Alltag zu bewältigen. Sie könnte helfen, die psychischen Krankheiten zu reduzieren.

Architektur der Gebäude

Wenn sich so der Blick weitet, wird auch der Blick nach oben hin geöffnet und längst vergessen Schätze kommen an das Tageslicht, nämlich die Architektur der Gebäude sowie deren Skulpturen, Malereien, Fresken und vieles mehr. Die Altstadt ist meist von solchen Kunstwerken voll, doch kaum jemand beachtet sie, nicht einmal Touristen, wenn sie keine Sehenswürdigkeit darstellen. Doch genau das ist es, was eine Stadt ausmacht. Sie prägen die Kultur der Stadt und deren Flair. Ganze Stadtteile unterscheiden sich. Nehmen wir mal die Innenstadt von München am Marienplatz und vergleichen ihn mit Sendling. Gewiss gibt es viele Übereinstimmungen, doch auch viele Unterschiede, die den Charakter der Plätze ausmachen. Gibt es kleine Nischen? Sind es hohe oder niedrige Gebäude? Und viele weitere Fragen stellen sich. Die offenen Augen bieten hier einen Blick auf die Vielfalt ebenso wie auf die Natur und Kultur einer Stadt.

Es ist auch ein Unterschied, die Gebäude einer Großstadt mit denen einer Kleinstadt oder gar einem Ort oder Dorf zu vergleichen. Die ländliche und städtische Prägung schlägt sich auch in den Verzierungen der Häuser nieder. Sind die Gebäude im ländlichen Bereich, eher mit ländlichen Attributen geschmückt, so sind es in der Stadt kulturelle. Auch sieht man am Schmuck der Gebäude, ob die Gegend kirchlich geprägt ist oder nicht. In der Sendlinger Straße in München beispielsweise gibt es neben der Asamkirche auch ein schön verziertes Haus direkt gegenüber. Dies wird jedoch leider oft übersehen, weil die Asamkirche der Magnet ist, der die Leute anzieht.. Diese Kleinode prägen unsere Kultur. Wenn wir sie aber vergessen, so kann es passieren, dass sie nach und nach verschwinden und somit eine Vielfalt, die wir uns aufgebaut haben, nicht mehr vorhanden ist.

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16 Kommentare zu “Die Hektik in den Straßen

  1. april sagt:

    Sehr schön geschrieben. Nur befürchte ich, dass dieser Appell „Augen auf“ bei vielen ungehört verklingen wird. Bei mir fällt er auf fruchtbaren Boden: ich habe in letzter Zeit immer mehr Freuden entdeckt, die in diesen kleinen Dingen stecken.

    Wir unterhielten uns neulich darüber, in welcher Welt die meisten Handy-Telefonierer leben. Sie gehen durch die Straßen, sitzen in der Bahn und kriegen von ihrer Umgebung nichts mit, leben in ihrer Bla-Bla-Welt und tauschen Belanglosigkeiten aus. Sie leben gar nicht richtig.

    Aber vielleicht können wir doch durch unsere Blogartikel etwas erreichen … (hoffe ich immer wieder)
    LG, April

    • Guten Abend April,

      ja leider ist das nicht bei allen so. Die neuen Technologien veranlassen uns, alles in einem schnelleren Tempo zu machen. Manchmal ist man dem ausgeliefert. Dennoch kann man auch da etwas dagegen tun und darf sich nicht in jedem Bereich dann hetzen lassen.

      Und die Blogartikel erreichen immerhin schon eines: Sie leiten Menschen zum Verweilen ein und sie nehmen sich Zeit dafür.

      Viele Grüße

      Monika

  2. O.Ph. sagt:

    Liebe Monika,

    das trifft auch bei mir auf „offene Ohren“ .. Gerade im Kleinen gibt es so viel Schönes zu entdecken, und wenn man genauer hinschaut, erkennt man Besonderheiten, die bereichern ..gerade auch in der Natur.

    Unsere Zeit ist schnellebig, und immer wieder hört man den Stoßseufzer – „ich habe keine Zeit ..sie vergeht so schnell“.

    Selbst habe ich das auch schon oft gedacht..wenn meine Tage mal wieder so randvoll sind, und ich nicht annähernd alles schaffe, was ich muß und will – und dann irgendwann einfach nur zu müde für alles bin. Aber ich versuche, mir so oft wie möglich Ruhemomente zu schaffen..besonders auch in der Natur – am liebsten dort, wo sonst niemand ist ..

    Liebe Grüße zu dir,
    Ocean

    • Guten Abend Ocean,

      ja auch ich habe mir immer wieder gedacht, wo die Zeit ist und warum sie so schnell vergeht. Doch das ist nur Trug. Die Zeit ist unerbittlich im gleichen Rhythmus. Uns kommt es immer anders vor. Und dagegen können wir arbeiten, indem wir uns Ruhepunkte suchen oder uns einfach mal Zeit nehmen.

      Viele Grüße

      Monika

  3. gedankenfest sagt:

    Toller Appell! Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht mehr, bekommt mehr mit, hat bessere Entwicklungschancen. Wer einen Tunnelblick hat, wird nie über den Tellerrand schauen.

  4. Mascha sagt:

    Ich versuche genau das!! Ich versuche die Achtsamkeit zu erwecken.

  5. La Braun sagt:

    Liebe Monika, du sprichst mir so aus der Seele. Ich gehe so gerne auf Stadtsafari, gucke nach den kleinen Schönheiten am Wegesrand, nach den ÜberlebenskünstlerInnen, die zwischen Betonplatten und an Häuserwänden spriezen. Es macht Spaß die Schutzgeister an den Stuckhäusern zu sehen und zu fotografieren.
    Wir gehen hier alles zu Fuß ab und immer wenn wir bemerken, dass der Blick nachlässig wird, die Wege eingefahren, dann startet das Projekt „Unbekannte Wege gehen“. Dann suchen Viktor und ich nach Varianten und stellen fest, dass der Blick sich schnell wieder schärft für das Schöne.
    Danke für diesen Artikel. Alles Liebe KArin

    • Guten Abend Karin,

      zunächst willkommen in meinem Blog. Es freut mich, dass Du ihn gefunden hast.

      Ja, das ist ja wirklich schön, wie ihr das macht. Das machen leider immer weniger Leute und das Verständnis und der Blick dafür verliert sich dann im Nichts.

      Viele Grüße

      Monika

  6. Feli sagt:

    Unsere Sinne sind für die Reizüberflutungen der heutigen Zeit nicht ausgelegt und differenzieren; das hat zur Folge, dass man vieles übersieht, was das Gehirn als „unwichtig“ einstuft.

    Die Reizüberflutungen – also die Hektik der heutigen Zeit – sind meiner Ansicht nach mit für Aggressionen als auch für Schwunglosigkeit verantwortlich, was wiederum das Miteinander gefährdet; dabei gehören wir einer Spezies an, die lange umsorgt werden muss.

    • Guten Abend Feli,

      nicht nur für Aggressionen und Motivationslosigkeit sind sie verantwortlich, sondern auch für Gleichgültigkeit. Das musste ich einmal schmerzlich erleben. Als ich unterwegs war, habe ich mir meinen Fuß verletzt, indem ich mich vertreten habe bei einer Treppe. Es tat schmerzlich weh. Ich musste stehen bleiben und habe sogar etwas geschrieen. Nicht einer hat auch nur zu mir geschaut. Das Ergebnis damals war, dass die Sehen angerissen war. Diese Gleichgültigkeit gegenüber allem und jedem, sei es die schönen Häuser oder Menschen, ist erschreckend.

      Viele Grüße

      Monika

  7. Die Welt ist so wunderschön, so voller großartiger Kleinigkeiten und kleiner Großartigkeiten, warum sehen das viele Menschen nicht? Warum schmeißt jemand Müll zwischen Gänseblümchen und warum Zigarettenkippen auf Waldwege, warum klaut jemand Parkbänke und warum beschmiert jemand die alte Kirche mit Graffiti?
    LG von Rosie

    • Guten Abend Rosie,

      ja leider missachten viele die Dinge. Der Müll kommt von unserer Weg-Werf-Gesellschaft, so dass die Menschen nicht mehr lange darüber nachdenken. Irgendjemand räumt es ja schon weg. Wenn sie diese Mentalität auch bei sich zu hause haben, möchte ich nicht wissen, wie deren Wohnungen aussehen. Mit solchen Aktionen wird Kulturgut missbraucht und teilweise vernichtet.

      Die Frage nach dem Grund aber, fürchte ich, kann keiner beantworten.

      Viele Grüße

      Monika

  8. Liebe Monika,
    ein schönes Plädoyer für mehr Achtsamtkeit für die eigene Umgebung. Sehen kann man lernen. Wer es regelmäßig trainiert, auf seine Umwelt zu achten, der wird es irgendwann automatisch tun und viel Neues entdecken. Als Redakteurin bin ich darauf geeicht, alles aufzunehmen, was um mich herum geschieht und es darauf abzuklopfen, ob da eine Geschichte oder ein gutes Foto drin steckt. Das ist mir inzwischen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es gar nicht mehr bewusst tue und es auch in der Freizeit nicht lasse. Das hat mir vieles beschert, was mir Freude gemacht hat oder mich hat einen Moment inne halten lassen. Blogger scannen übrigens ebenfalls ihre Umwelt auf diese Art, sonst hätten sie wohl kaum genug zu schreiben oder zu fotografieren.
    Ich wünsche Dir auch weiterhin einen offenen Blick,
    LG, Susanne

    • Guten Abend Susanne,

      es stimmt, dass man sehen lernen kann. Training macht vieles aus. Doch wenn einen keiner darauf hinweist. soe öffnet sich auch nicht der Blick. Zudem muss nicht nur der Anstoß kommen, sondern auch der innere Wille da sein. Wenn manche sich lieber in ihr Schneckenhaus zurückziehen und sagen, ich lebe meins und achte nicht weiter darauf, so hilft ein Hinweis manchmal auch nicht viel. Ansonsten stimme ich Deinen Ausführungen in jeder Hinsicht zu.

      Viele Grüße

      Monika

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