Der Reitsport und die Olympischen Spiele in London



Ich habe eine spannende Dokumentation über den Reitsport gesehen. Ich habe schon früher gewusst, dass beim Reitsport viel getrickst wird, damit die Pferde gesund sind, aber dass die Organisationen so in die Machenschaften des Reitsports verstrickt sind, habe ich nicht gewusst. Der Pferdesport ist der Überbegriff und beinhaltet alle Sportarten, die mit dem Pferd etwas zu tun haben: Reitsport, Fahrsport, Voltigieren und Bodenarbeit. Da in den Olympischen Spielen sich alles auf den Reitsport konzentriert, werde ich dies nun näher unter die Lupe nehmen. Beim Reitsport sitzt der Reiter nicht passiv auf dem Pferd, sondern bringt es aktiv zu bestimmten Aktionen, wie beim Springreiten, über Hindernisse zu springen, oder beim Dressurreiten bestimmte Figuren zu vollziehen.

Zweifelhafte Methoden

Die Kritik am Reitsport ist sehr klein geworden, denn die Reitergilde bleibt gerne unter sich. Die ZDF-Dokumentation „Mission Gold – Millionengeschäfte auf dem Rücken der Pferde“ hat aber schwere Mängel im Reitsport aufgewiesen. Ein Doping-Skandal 2009 führte dazu, dass Trainingskontrollen eingeführt werden sollen. Doch dies ist bis heute nicht geschehen. Keine andere Sportart bei den Olympischen Spielen kann sich so etwas erlauben, aber der Reitsport ist ja die Elite, die nur schwer Einblicke gibt in Trainingsmethoden und anderen Details. Zum Beispiel werden die Pferde durch die sogenannte Rollkur (auch Hyperflexion oder LDR – „Low, Deep and Round“) gefügig gemacht. Selbst der Publikumsmagnet „Totilas“ wird mit solch einer Methode trainiert. Hierbei wird die Nase und der Kopf des Pferdes mit den Zügeln ganz fest an die Brust des Pferdes beim Reiten gedrückt, so dass die Reiter das Pferd unterwerfen. Ein Entkommen ist nämlich nicht möglich. In Folge der darauf entstehenden unnatürlichen Bewegungen, verkrampft sich der Rücken des Pferdes. Dies wird dann wiederum durch Medikamente ausgeglichen, um das Pferd zu Turnieren fit zu machen, da es ja Geld einbringen soll. Für weitere Informationen über Totilas und diese Trainingsmethode siehe auch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Mögliche Folgen der Rollkur sind:

  • Verhärtung der Muskeln vom Hals bis in den Rücken
  • Genickbeulen (Schliembeutel im Genick sind verdickt und geschwollen) und andere anatomische Probleme
  • Pferde ohne Orientierungssinn
  • Entstehung von Schmerzen im Maul durch den starken Druck
  • Höhere Hinterhand
  • Bei fortgesetzter Anwendung, aus Gewohnheit und ohne viel Druck freiwillige Einnahme der Körperhaltung

Doping im Reitsport

Ein weiteres großes Thema neben den Trainingsmethoden ist das Doping. Man fand bei 5 Pferden bei dem Doping-Skandal ein mehr oder weniger verbotenes Mittel, das beim Springreiten eingesetzt wird. Es wird auf die Beine der Pferde aufgetragen, damit sie höher springen, weil die Beine dadurch schmerzempfindlicher werden. Aus Angst vor dem Schmerz springen die Pferde dann freiwillig höher. Um es zu präzisieren: Chilidope als Salbe bei den Röhrbeinen, den vorderen Schienbeinen, wird die Pferdehaut durch Durchblutungsförderung empfindlich gereizt. Das Problem dabei war nur, dass es gefunden wurde, aber die Reiter gaben an, dass sie dieses Mittel nur als Kaspel dem Pferd gegeben hätten, da es vor allem bei Rückenproblemen als Medikament gebraucht werden kann. Es wurde dem nicht weiter nachgegangen. Man erklärte sich jedoch bereit, das Training stärker zu überwachen. Doch bis heute ist nichts dergleichen geschehen. Die Pferde starten in der gleichen Maschinerie in Olympia und werden mit Medikamenten und Dopingmitteln zu Siegen getrimmt. Problematisch ist auch folgende Tatsache: Viele Dopingmittel wurden mittlerweile aus der Doping-Liste gestrichen. Somit dürfen einige Substanzen wieder verwendet werden, die früher Doping waren. Dies ist aber reichlich inkonsequent.

Fazit

Beim Springsport sind es vor allem die Doping-Skandale, die auf sich aufmerksam machen, beim Dressurreiten eher die Trainingsmethoden, aber das kann sich alles sehr schnell und sehr leicht vermischen. Der Unterschied, wie Pferde sich nach den Trainingsmethoden mit oder ohne Rollkur bewegen, ist sehr groß. Während die einen ohne Rollkur, sich natürlicher und anmutiger bewegen, sind die anderen verschreckt und machen alles auf Druck. Dennoch sind die Letzteren erfolgreicher, da es mit der Rollkur schneller gelingt, ein Pferd zum gewünschten Ergebnis und somit auch zum Erfolg zu führen. Dies alles führt zu dem Schluss, dass im großen Reitsport, in dem viele Millionen verdient werden, das Pferd nicht als Tier behandelt wird, sondern als Ware. Die Geduld, die man bei Pferden braucht, ist nicht vorhanden. Der Erfolg steht im Zentrum. Doch solange der Reitsport unter sich ist und erfolgreiche Pferde zur Schau gestellt werden können und als Publikumsmagnet funktionieren, fragt keiner nach der Ethik und den Trainingsmethoden. Wenn aber die Öffentlichkeit diese Probleme in den Mittelpunkt rückt und durch Aktionen, wie Boykott (keine Zuschauer oder Einschaltquoten) nicht stattfinden, werden diese Machenschaften weiter so funktionieren. Neben dem olympischen Gedanken wird dabei die Natur, deren Umgang und der Respekt gegenüber den Tieren verletzt. Letzteres wiegt schwerer. Doch es wundert mich, warum eine solche Sportart mit diesen bekannten Problemen immer noch eine olympische Disziplin ist.

Advertisements

Hier können Sie in die Diskussion einsteigen. Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s