Atheismus und das „Gottesteilchen“ von Higgs



Atheismus stammt aus dem Griechischen ἄθεος (átheos) „ohne Gott“ bzw. „gottlos“. Im engeren Sinn ist ein Atheist der Überzeugung, dass es keinen Gott gibt. Im weiteren Sinn aber kommen andere Abgrenzungen vom Glauben an Gott dazu, wie der Agnostizisismus (von ἀγνωστικισμός agnōstikismós, von ἀγνοεῖν a-gnoein „nicht wissenm unbekannt, unerkennbar“:bestimmte Annahmen oder Überzeugungen von/über Gott werden nicht erklärt).

Zur Unterscheidung der Begriffe möchte ich betonen, dass ein Unterschied zwischen Religion und Theismus bzw. Religionskritik und Atheismus besteht.

Religion bedeutet die Rückbindung (Lateinisch religio), die eine Vielzahl unterschiedlicher Phänomene der Kultur bezeichnet. Diese werden von menschlichem Handeln, Denken, Verhalten und Fühlen geprägt. Eine eindeutige Definition gibt es aber in den Wissenschaften nicht.

Theisten dagegen (Griechisch θεός, theós, „Gott“ ohne das Alpha Privativum – lateinisch „beraubendes Alpha“ – das das Bezeichnete umkehrt bzw. wirkungslos macht oder das zugrundeliegende Wort verneint) sind der Überzeugung, dass ein personaler, transzedenter über alles herrschender Schöpfergott existiert. Im weiteren Sinne schließt er Polytheismus ein, denn allgemein bedeutet es, dass es mindestens einen Gott gibt. Religionskritik steht nicht unbedingt immer in Verbindung mit Atheismus.

Religionskritik hinterfragt die Glaubensaussagen, Konzepte, Erscheinungsformen und Institutionen der Religiosität und der Religionen entweder rational und/oder moralisch-ethisch.

Die antiken Wurzeln des Atheismus

Atheismus beginnt schon in der Philosophie der Antike. Diese übt Kritik am traditionellen Götterglauben. Anaximander ( ca 610 v. Chr. bis ca. 547 v. Chr.) gehörte zu den vorsokratischen Philosophen, ebenso wie Thales und Anaximines. Sie betrieben ihre Philosophie vor Sokrates. Dies ist das Kriterium der Einteilung.Diese drei waren auf der Suche nach dem Ursprung und Ordnungsprinzip der Welt. Anaximander bennante das Apeiron als den Ursprung. Es ist ein räumlich und zeitlich unbegrenzter Urstoff, eine unendliche Masse, unbestimmt, grenzenlos und vieles andere. Thales dagegen sah das Wasser als das Prinzip und Anaximenes die Luft. Dabei gibt es Tendenzen zu beobachten:

  1. zum Agnostizismus und Skeptizismus, das sich religiöse Überzeugungen begründen lassen
  2. zu einer natürlichen Erklärung, da die Entstehung solcher Überzeugungen natürlich erklärbar ist
  3. zu einer naturalistischen Erklärung der Welt, da religiösen Überzeugungen keine Erklärungsrelevanz eigen sind.

Die drei Vorsokratiker gehören nach dieser Auflistung eindeutig zu denen, die die naturalistische Erklärung der Welt bevorzugen.

Aktualität: Higgs und das „Gottesteilchen“

Vor Kurzem wurde der angebliche Durchbruch gefeiert. Peter Higgs, ein britischer Physiker, sagte 1964, dass ein Feld im ganzen Universum gibt existiert, das allen Dingen ihre Masse verleiht. Die Teilchen, die nun gefunden wurden, tragen den Namen „Higgs-Boson“, in Deutschland besser bekannt unter „Gottesteilchen“. Für die Physiker gilt dieses Teilchen als das letzte fehlende Stück im Modell des Universums. Physikalische Theoriegebäude würden in sich zusammen fallen, wenn das „Gottesteilchen“ näher erforscht und in seinen Annahmen bestätigt würde. In einer Massenregion von 125 bis 126 Gigaelektronenvolt (GeV = Milliarden von Elektronenvolt – eine Masseneinheit der Elementerteilchenphysik) bewegt sich das „Gottesteilchen“.

Es wird so genannt, weil es erklären könnte, warum sich Galaxien und Sterne zusammenballen, warum Planeten und Menschen existieren. Doch kann man sich dessen wirklich so sicher sein? Wie lässt sich dann die Existenz des „Gottesteilchens“ erklären, wenn sich dadurch die Entstehung der Welt erklären lässt? Würden sich dadurch wirklich alle Fragen klären? Ich vermute, dass es da noch zu viele offene Fragen gibt und geben wird. Die Vielfalt der Welt lässt sich vielleicht dadurch erklären und die Ursache vielleicht auch. Doch lässt sich dann die Ursache der Ursache erklären? Das „Gottesteilchen“ wird von einigen Menschen nun so behandelt, als ob es keine Alternative mehr gäbe zu dem Atheismus. Es ist eine der Formen, die in der Antike begonnen habe. Anaximander, Thales und Anaximenes wollten schon die Ursache der Welt klären, nun gibt es angeblich Beweise dafür („Gottesteilchen“). Ich bezweifle das stark, denn wie gesagt, die Ursache der Ursache ist nicht berücksichtigt. Es ist eine der vielen Formen des Atheismus mit der Tendenz zur naturalistischen Erklärung der Welt.

Abschließend möchte ich noch einige Bemerkungen zu dem Namen des Teilchens sagen. Die Physiker nennen das Teilchen allesamt „Higgs-Boson“, „Gottesteilchen“ dagegen ist nur ein Aufmacher für das Marketing und die Werbung. Es suggeriert eher, dass das Teilchen gefunden ist, das die theologischen Theorien über Bord werfen kann. Doch so ist das nicht. Damit wird es keine endgültige Erklärung der Welt geben.

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3 Kommentare zu “Atheismus und das „Gottesteilchen“ von Higgs

  1. locke sagt:

    Sehr schöner Artikel! Weiter so…

  2. Feli sagt:

    Zieht man die Bibel heran, und zwar Joh. 1, 1-3, gibt es nicht „ein“ Gottesteilchen, sondern ausschließlich Gottesteilchen, da nichts ohne Gott existiert.

    Der Beweis für die Existenz Gottes ersehe ich wiederum darin, dass für eine Evolution ohne vorherige Kreation die Zeit (Alter des Universums) nicht ausreicht.

    • Hallo Feli,

      das ist ein sehr interessanter ergänzender Gedanke, der seine Berechtigung hat. Viele Wissenschaftler jedoch nehmen diesen Fund als Beweis des Atheismus und schauen nicht, was dieser Fund nun genau ist. Es ist ja noch längst nicht geklärt, was dieses Teilchen an Funktionen erfüllt. Zudem existiert so ein „Gottesteilchen“ ja auch nicht von allein. Ich denke, dass das Wort „Gottesteilchen“ eher irreführend ist. Es ist nur eine Marketing-Strategie, um auf dieses „Higgs-Boson“ aufmerksam zu machen. Diejenigen, die daraufhin den Atheismus begründen, haben Vorbilder in den Vorsokratikern.

      Viele Grüße
      Monika

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