Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre


Die Rechtfertigungslehre war ein zentraler Punkt der lutherischen Reformation des 16. Jahrhunderts, an dem unter anderen die Kircheneinheit der abendländischen Kirche zerbrach. Sie entwickelte sich in den lutherischen Kirchen und in der katholischen Kirche weiter. In verschiedenen ökumenischen Arbeitsgruppen wurde daher nach dem zweiten Vatikanischen Konzil der Sachstand aufgenommen und in der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche“ am 31. Oktober 1999 (am Reformationstag) zusammengefasst. Weiterlesen

Feuchtwangers „Goya“


Goya, Sohn eines Bauern, hat sich zum Hofmaler entwickelt. Er ist verheiratet und hält sich Cayetana, die Herzogin von Alba, als Geliebte. Obwohl er ihrem Einfluss verschiedene Todesfälle in der Familie und seine Ertaubung zuschreibt, kommt er nicht von ihr los.

Lion Feuchtwangers Roman „Goya“ gibt auch Einblicke in die amourösen Verstrickungen der Königin María Luisa. Sie unterhält eine Beziehung mit Don Manuel, dem ersten Minister. Don Manuel wiederum unterhält eine weitere Beziehung zur schöneren Pepa. Faszinierenderweise kann er trotz der auch der Königin bekannten Doppelbeziehung seine Stellung immer weiter ausbauen.

In Spanien hat die Inquisition großen Einfluss. Liberale Politiker versuchen ihre Macht zu beschneiden. Die fortschrittlichen Freunde Goyas drängen ihn, den Hofmaler, seine Möglichkeiten in den Dienst ihrer Politik zu stellen. Doch Goya wehrt ab. Er ist mit den Dämonen, die seine Geliebte Cayetana heraufbeschwört, beschäftigt. Derweil steigt in den Wirren der von Frankreich angezettelten Kriege die Macht der Inquisition. Bedeutende liberale Politiker werden in Schauprozessen der Ketzerei angeklagt, verurteilt und teilweise hingerichtet. Die mit ihren Liebesbeziehungen und Ränkespielen beschäftigte Königin und ihr erster Minister verfolgen eine für Spanien unvorteilhafte Politik.

In dieser repressiven Stimmung bekämpft Goya seine Dämonen, indem er sie in einem neuen Stil als fantastische Einfälle, als „Los Caprichos“ zeichnet. Hierdurch wird die Entwicklung vom Hofmaler, der seinen Auftraggebern gefallen muss, zu einem immer selbstbewussteren und frecheren Künstler abgeschlossen. Indem er seine persönlichen Einsichten in die Abgründe der menschlichen Unzulänglichkeiten spanischer Lebensart zeichnet, stellt er sich letztlich doch in den Dienst des liberalen Fortschritts.

Lion Feuchtwanger war ein bekannter Münchner Autor; viele kennen seinen Roman „Erfolg“ zumindest dem Namen nach. Wegen seiner jüdischen Abstammung und seiner erkennbaren Opposition gegen die Nationalsozialisten kehrte er 1933 nicht mehr von seiner Vortragsreise nach Amerika zurück.

„Goya“ ist entgegen dem ersten Anschein keine Biografie, sondern ein Roman, bei dem die historische Wirklichkeit der erzählten Geschichte dienlich sein muss und der Interpretation des Erzählers unterworfen wird. In den Text sind zahlreiche Beschreibungen von Gemälden und Zeichnungen Goyas mit ihrer – teils spekulativen – Entstehungsgeschichte eingearbeitet. Feuchtwangers Sprache ist eindrucksvoll und hilft über die Längen der für meinen Geschmack allzu vielen Liebesnächte hinweg. Alles in allem ein gelungener Roman.

Mein Verhältnis zu Christian Morgenstern


Wenn mich jemand nach meiner Lieblingsfarbe fragen würde, würde ich „gelb“ antworten, damit eine Ruh‘ is. Wenn mich aber jemand nach meinem Lieblingsgedicht fragen würde, wäre das erstens eine Gemeinheit, weil ich solche „Lieblings“-fragen eigentlich überhaupt nicht mag, und zweitens würde mich das in die Verlegenheit bringen, aus dem Werk von Rainer Maria Rilke oder dem von Christian Morgenstern eines auswählen zu müssen, wobei ich von Rilke insbesondere das „Stunden-Buch“ und von Morgenstern die „Galgenlieder“ schätze.

Hier und jetzt gebe ich Christian Morgenstern den Vorzug, weil mir danach ist. Er ist, natürlich neben Rilke, einer der wenigen Lyriker, von denen ich das eine oder andere Gedicht auch auswendig drauf habe. Auch Heinz Erhardt kann ich auswendig, und auch er hat Anspruch auf einen Platz auf der Liste meiner, wenn sie sich schon nicht vermeiden lässt, Lieblingsdichter (wie natürlich auch Robert Gernhardt.)

Im übrigen interessiert mich das Gedicht mehr als sein Dichter. Wenn ich hier also mein Verhältnis zu Morgenstern zu erhellen trachte, ist sein Werk gemeint, dem ich immer wieder mit dem größten geistigen Behagen zuspreche. Mein Sensorium jubelt über Palmström, der „unvermittelt nackt“ beim Anblick seines soeben „entbreiteten“ bebilderten Taschentuchs von Ehrfurcht vor dem Schönen gepackt wird und, sich des Verständnisses Fühlender gewiss, „ungeschneuzt entschreitet“. Ich lasse Goethe und wie sie alle heißen auf meiner nach unten offenen

Das ist zwar kein Bach-, sondern das Isargeriesel, aber ein Wiesel könnte auch hier auf einem Kiesel vor sich hin reimen. (Foto Bernhard Huber)

Das ist zwar kein Bach-, sondern das Isargeriesel, aber ein Wiesel könnte auch hier auf einem Kiesel vor sich hin reimen. (Foto Bernhard Huber)

Lieblingsskala glatt verkümmern, wenn Morgenstern ein „Liebchen“ dem Tapetenmuster an den vier Wänden im Stübchen „per Rösselsprung“ verfolgen, das meint: es anspringen lässt und in Konsequenz dieser Konfrontation von lebendiger mit lebloser Härte verrückt wird. Dito ergeht es mir bei den beiden durch die Nacht wandelnden Trichtern oder diesem ominösen Wiesel auf dem Bachgeriesel oder oder oder. Christian Morgensterns Galgenlieder ermöglichen, voll des Nonsenses, einen derart ungezwungenen Zugang in die Welt des Geistes, dass sich Immanuel Kant posthum eigentlich schämen müsste für seinen quälend-elend langen Blick hinter die Kulissen unserer reinen Vernunft (wiewohl dessen Beitrag zum Humor noch zu entdecken wäre).

Noch etwas? Ach ja, vielleicht der Hinweis, dass mir manche Morgenstern-Gedichte schon auch Kopfschütteln bereiten. Aber die lese ich einfach nicht.

Mein Verhältnis zu zwei zweisilbigen Schlagzeilen nach der vergeigten EM


Wer wie kürzlich das Blatt, das sich tatsächlich einmal „Zeitung“ nannte, heute aber schlicht „Bild“ heißt, die „Suff-Cops“ als Bezeichnung für eine Polizistentruppe erfindet, die die Stadt München auf alkoholdurchtränkte Nachtschwärmer, um sie im Bedarfsfall auf den Pfad der Hemmung zurückzuführen, anzusetzen gedenkt, hat Anspruch auf eine lobende Erwähnung durch mich, was hiermit geschehen ist.

Doch heute geht mein Lob an die Konkurrenz. Das freut mich ganz besonders. Hatte ich doch hier, da und da durchaus Anlass, sie ob der ungezügelten Sprachspiellust zu rüffeln, weil mich das Ergebnis nicht zu Tränen der Freude, sondern der tiefsten Trauer rührte.

Heute aber, am Tag nach der von der Löw-Elf durch ein Handelfmeter- sowie durch ein schusseligkeitsbedingtes Tor vergeigten EM, überhäufe ich die tz München in der mir eigenen hudelnden Art mit Unmengen von Lob, und das für nicht mehr als einen Akzent. Doch der ist mit einer solchen Selbstverständlichkeit platziert, dass man sich fragt, wieso diese Idee nicht schon früher gehabt worden ist:

Foto: Bernhard Huber

Foto: Bernhard Huber

Dagegen nimmt sich die Schlagzeile des Suff-Cop-Erfinders gleich daneben etwas schüchtern aus, obwohl natürlich auch sie mich zu einem dezenten Oh là là veranlasst:

Foto: Bernhard Huber

Foto: Bernhard Huber

Spaßkampagnen zur gesundheitlichen Aufklärung


Regelmäßig belästigt uns die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit ihren obszönen Kampagnen zur Sexualhygiene, für die man sich vor den Kindern weniger wegen ihrer Anstößigkeit, als vielmehr wegen ihrer abgrundtiefen Dummheit fremdschämen muss. In dieser Bundesgesundheitsbehörde sitzen offenkundig Spaßvögel, die den Unfug witzig finden. Weiterlesen

Regelverstoß einer Radfahrerin


Radfahrer dürfen auf dem Zebrastreifen nicht die Straße überqueren. Eine Frau missachtete diese Woche die Regel, was an sich nichts Ungewöhnliches darstellt. Täglich verletzen Millionen Radfahrer, die sich von grünen Politikern aller Lager gedeckt wissen, die Straßenverkehrsordnung. Jene Frau hatte jedoch nur den linken Fuß auf dem Pedal; das rechte Bein überkreuzte sie hinter dem linken und schob mit dem rechten Fuß das Fahrrad an. Diese Verrenkung schien mir das Resultat ihres schlechten Gewissens zu sein, was immerhin Anlass zur Hoffnung gäbe, ein Radfahrer könnte sich bessern. Ich wurde eines Besseren belehrt, als die Frau auf der anderen Straßenseite ihr Fahrrad bestieg und auf dem Gehweg von dannen fuhr.

Zahlenbeispiel zur Inflation überarbeitet


Das Zahlenbeispiel im Artikel „Wie misst man Inflation?“ aus dem Jahr 2012 wurde überarbeitet. Es ist nun pointierter gewählt.

Als extremes Rechenbeispiel nehmen wir einen Warenkorb von zehn Kilo Äpfeln und zehn Kilo Birnen. Letztes Jahr kosteten sie beispielsweise 3€ bzw. 2€ je Kilo. Der Warenkorb kostete also vor einem Jahr 10 * 3€ + 10 * 2€ = 50€. Nehmen wir an, dieses Jahr verdoppelt sich der Preis für die Äpfel auf 6€ das Kilo, der Birnenpreis bleibt jedoch unverändert bei 2€ das Kilo. Der Warenkorb kostet nun 10 * 6€ + 10 * 2€ = 80€. Die Preissteigerung beträgt 60%.

In Wirklichkeit werden aber in diesem Jahr wegen der enormen Preissteigerung aus Protest nur noch Birnen eingekauft. Betrachten wir diesen Warenkorb aus 20 Kilo Birnen, so kommt er auf einen Wert von 20 * 2€ = 40€. Damit würde sich sogar eine Preissenkung von 20% ergeben, im Vergleich zur oben berechneten Preissteigerung von 60% ein substantieller Unterschied. Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte.