Wovon lebt ein Dichter?


Die Urheberrechtsdebatte, die in den Medien dieses Jahr umging, drehte sich letztlich auch um die Frage, wovon ein Dichter und Denker wohl leben könne. Auch wenn ich selbst nicht als Dichter meine Brötchen verdienen muss, versuche ich dennoch ein wenig reflektierter als die Berichterstattung zu beleuchten, was an dieser Frage das Wesentliche ist.

Der Dichter als Diensleister

Viele Schriftstellerbiographien verstehe ich so, dass die wenigsten Autoren nur und ausschließlich von den Erlösen ihrer Bücher leben konnten. Man muss ja nur ein wenig seine Rechenkenntnisse bemühen. Ein Absatz von tausend Büchern im Jahr ist schon mehr als ein gutes Ergebnis. Vermutlich ist mit deutlich weniger zu rechnen und ein so hoher Reinerlös ist für den Dichter pro verkauftem Buch nach den Gewinnen der Buchhändler und Verleger nicht zu erwarten, dass man hiervon leben könnte oder möchte. Der Dichter hatte und hat daher meistens immer auch andere Jobs, beispielsweise bei einer Zeitung. Möglich sind auch Unterstützung durch Freunde und Mäzene oder Vorträge als Verdienstmöglichkeit. Andere Künstler wie der Komponist werden ähnliches berichten können, es sei denn sie gehören zu den wenigen glücklichen, die berühmt und gefragt sind.

Insgesamt ändert ein wie auch immer geartetes Urheberrecht nichts daran, dass ein Dichter vor allem von Dienstleistungen um sein Werk lebt.

Der Vertrieb

Weil für diese Dienstleistungen ein gewisser Ruf und eine gewisse Bekanntheit nötig sind, müssen die Werke gut vertrieben werden. Sie wirken dann wie eine Art von Visitenkarte. Da meistens Dichter beim Vermarken nicht alle Aspekte – angefangen beim Druck, über die Werbung bis hin zu den Kontakten zu den Buchhändlern – vollumfänglich professionell abdecken, brauchen sie Spezialisten. Ein Urheberrecht muss diese Personengruppe immer im Auge behalten. Gibt es für Verleger zu wenig zu verdienen, hilft auch das Internet nicht weiter. Publikum kann im Netz auch nur erreicht werden, wenn man sein Ebooks auf professionellen Plattformen vertreibt. Hier ist ein gut austarierter Ausgleich der Interessen nötig.

Das Urheberrecht muss noch viele weitere Aspekte neben dem Einkommen berücksichtigen. Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass eine differenzierte Betrachtung und nicht eine holzschnittartige Debatte nötig ist. Die radikalen Vorschläge, die Medien in ihrer Einfallslosigkeit gerne aufgreifen, sind hierbei wenig hilfreich.

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2 Kommentare zu Wovon lebt ein Dichter?

  1. neuemodelle sagt:

    Das Urheberrecht ändert vor allem eins: Es eröffnet die CHANCE, im Falle einer (wie auch immer zufällig oder gezielt entstandenen) großen Nachfrage seines Werks nicht übergangen werden zu können, sondern eine grundsätzlich verankerte Handhabe zugestanden zu bekommen. Es motiviert, in seine eigene “Dicht-”Kunst zu investieren, weil man zumindest weiß, dass einem am Ende niemand das Werk wegreißen und selbst den Profit machen wird. Obwohl letzteres im Netz faktisch leider immer häufiger stattfindet, weshalb hier Handlungsbedarf besteht.

  2. emsemsem sagt:

    Meines Erachtens sollte es auch bei uns so sein, dass das Urheberrecht immer beim Autor verbleibt. Er ist schließlich der Urheber und bleibt es. Lediglich die Verwertung soll an einen Verlag übergehen können, aber auch das nicht unbegrenzt. Dass ein Verlag einen Autor bzw. sein Werk auspressen kann bis auf den letzten Tropfen, ist in jedem Falle würdelos. Im übrigen geht es immer auch um die Frage, ob die Freiheit der Kunst und damit des Künstlers gewahrt bleibt.

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